Wie? Waldi?

Nein, nein und nochmals nein, Armin Laschet ist nicht der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Das sei völlig aus der Luft gegriffen, hat seine Ehefrau Susanne eidesstattlich und empört versichert. Man wolle ihm einen Strick daraus drehen, dass ihm vor ein paar Jahren in seinem Ehrenamt als Lehrbeauftragter der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) sämtliche Klausuren eines Seminars verloren gegangen waren und er anschließend aus dem Gedächtnis Noten, natürlich ausschließlich gute, verteilen musste und dabei zu deren Freude auch Studierende berücksichtigte, die an der Klausur gar nicht teilgenommen hatten.
Das erkläre sich aber selbstverständlich keineswegs aus einer ihn periodisch immer wieder innerlich zerrüttenden Vergesslichkeit – er hat die Klausuren bis heute nicht wieder gefunden – , sondern liege zum Glück ausschließlich und allein an der Deutschen Post, der er die Klausuren ausreichend frankiert mit klar und deutlich geschriebener Adressanzeige übergeben habe und die die Klausuren unermüdlich, aber bis heute leider vergeblich suche.

Dass er dann beim Aufräumen sofort seine Aufzeichnungen zu den verloren gegangenen Klausuren vernichtet habe, sei ausschließlich auf seine geradezu pedantische Ordnungsliebe zurückzuführen; die Aufzeichnungen hätten – nur abgrundtief böse Menschen könnten das Gegenteil behaupten – wirklich existiert. Außerdem habe er ja auch sein Ehrenamt niedergelegt, weil er nun mal wirklich viel zu tun habe und manchmal nicht wisse, wo ihm sein Kopf und der seiner Frau stehe.1
Laschet bestreitet auch entschieden Geistesabwesenheit als Ursache dafür, dass er trotz aufgeregtem Hundegekläff minutenlang nicht zur Tür kam, als vor kurzem beim gut verdrahteten Hausherrn sein Parteifreund, der Wirtschaftsminister Peter Altmeier, an der Tür läutete, den Laschet um 16.00h – „ich hasse Unpünktlichkeit“ – zu einer Tasse Kaffee und einem Scheibchen Sandtorte, von Ehefrau Susanne selbst gebacken, geladen hatte.
Dass er dem Herrn Altmeier zwar zur herzlichen Begrüßung beide Hände entgegenstreckte und dabei sein bekannt unwiderstehliches Lächeln aufsetzte, ihn aber zunächst nicht anredete, ihn schließlich aber Neumeier und vor allem Dickerchen nannte, hatte den Ankömmling, wie er Vertrauten gestand, bereits ein wenig gekränkt. Doch dann erkundigte sich Laschet beim ledigen Altmeier nach dem “Wohlbefinden der verehrten Frau Gemahlin”. Das verwunderte den gutmütig geduldigen Gast zwar schon ein wenig mehr, ohne ihn jedoch wirklich zu erzürnen.
Als Laschet aber kurz darauf seine eigene Ehefrau als Waldi vorstellte und ihr „Platz!“ befahl, zeigte sich Altmeier dann doch allmählich irritiert, zumal Laschets Frau ja bekanntlich nicht Waltraut, sondern Susanne heißt – wen sollte also das “Waldi” meinen?  Doch vor allem das der Ehefrau entgegengeschleuderte “Platz!”, dieser allzu barsche Befehlston, der ja heutzutage  – man denke an “MeToo” – leicht als männlicher Chauvinismus ausgelegt werden kann, ließ Altmeier sich insgeheim fragen, ob so jemand als Bundeskanzler taugt.

  1. https://www.fnp.de/kolumnen/schlechtes-gedaechtnis-aber-gute-noten-10785414.html

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