Was weiß man?

„Es gibt aber auch in Deutschland einen Minister, über dessen komischen Gang wir sehr viel über ihn erfahren können. Heiko Maas! Er nimmt sich und sein hohes Außenministeramt sehr ernst. Er kommt irgendwo von hinten nach vorne, geht entschlossen auf die Kamera zu und wirkt dabei wie ein Erstkommunikant, der seine Kerze vergessen hat und das nun überspielen muss“, schreibt der Kabarettist Bruno Jonas über unseren Außenminister. ((https://www.sueddeutsche.de/politik/gastbeitrag-das-komische-in-der-politik-1.4270292))
Von Heiko Maas wissen wir, dass er im Einklang mit einer Mehrzahl konservativer europäischer Außenminister – aber vor allem mit Trump, L. Donald – Im Namen der BRD dem Präsidenten Venezuelas Maduro ein Ultimatum gestellt hat, wonach die Bundesrepublik einen gewissen Juan Guaido, der sich in Venezuela gerade selbst zum Präsidenten ernannt hat, als Präsidenten Venezuelas anerkennen würde, falls Präsident Maduro nicht bis zum vergangenen Sonntag vorgezogene Präsidentenwahlen durchführen lasse. Wird man ihn dafür wohl auch loben? ((Laut den beiden Juraprofessoren Kai Ambos und Christph Vedder – Süddeutsche Zeitung 8.2.19 – ist eine Anerkennung Guaidos übrigens eine völkerrechtswirdig Einmischung in die inneren Angelegenheiten Venezuelas, auch wenn Maduro ein “fürcherterlicher Mann” sei.))

Volker und Marc

Von Volker weiß man, dass er immer schon ein ganz Eifriger war, dass er nie genug Lob kriegen konnte, dass er in der Schule nach der Stunde immer noch so ein Schwätzchen mit dem Lehrer machen musste, dass er alles liebte, was „alle“ liebten, und dass er damit später Karriere gemacht hat, der Volker. Sie kennen ihn nicht? Na, vielleicht hieß er auch anders.
Von Marc Beise, einem Journalisten von der „Süddeutschen Zeitung“, wissen wir wenig. Wir können daher nur vermuten, dass sein Gang vielleicht dem von Heiko Maas ähnelt. Wir wissen aber von ihm, dass er sich über „ein öffentliches Scheitern“ empört, ein ,Versagen der EU’ beklagt, weil sie nicht einstimmig „für die Demokratie“, d.h. das Ultimatum gestimmt hat. ((Marc Beise: Die EU versagt. Süddeutsche Zeitung 5.2.19))

Juan und Nicolas

Guaido beim Beten. Seit Markus Söder weiß man, dass, wer betet, nur ein guter Mensch sein kann.

Von Juan Guaido weiß man sehr, sehr wenig. Man weiß, dass er humanitäre Hilfslieferungen von den USA wünscht – was die USA auch gerne anbieten, um Guaido populär zu machen –  , dass Guaido aber leider die Unterstützung der mächtigen Streitkräfte benötigt, um die Hilfslieferungen ins Land zu schaffen. ((https://www.zdf.de/nachrichten/heute/hilfslieferungen-fuer-venezuela-guaido-appelliert-an-das-militaer-100.html))
Von Nicolas Maduro weiß man, dass er kein ,lupenreiner Demokrat’ ist und wohl auch der Korruption nicht ganz abgeneigt zu sein scheint. Man weiß, dass unter ihm die Wirtschaft Venezuelas auf ein katastrophales Niveau gesunken ist. ((Wie weit die Sanktionen durch die USA dazu beigetragen haben, ist eine beunruhigende Frage. Denn “wenn Sanktionen eingesetzt werden, um einen Regimewechsel zu erreichen, ist das eine völkerrechtswidrige Intervention”, schreibt Christoph Vedder. Und sein Kollege Kai Ambos:  “Man kann nicht einfach ohne Rechtsgrund ausländisches Staatseigentum beschlagnahmen, insbesondere dann nicht, wenn die Wirtschaft des Staates davon abhängt.” Süddeutsche a.a.O. Die Bevölkerung leidet unter den Mangelzuständen, u.a. auch dem Mangel an Medikamenten. Es gebe aber genügend Finanzmittel, um Medikamente im Ausland zu kaufen: „Trumps Sanktionen verhindern, dass wir diese dafür nutzen können“, behauptet Diana Santana, Anwältin für Strafrecht, in Caracas ohne festen Wohnsitz. Ursache des Mangels seien die niedrigere Ölförderung und der Preisverfall beim Rohöl, aber auch die US-Sanktionen. Hier zeige sich, dass alles Teil einer Strategie sei, um eine Militärintervention zu rechtfertigen. http://www.taz.de/Krise-in-Venezuela/!5568920/ Nach John Bolton, dem Nationalen Sicherheitsberater der USA, sollen die die Einnahmen der Ölindustrie von dem “illegitimen Maduro-Regime” an Guaidos Regierung “umgeleitet” werden, schreibt die Süddeutsche Zeitung 26.1.19 )), dass er aber als Nachfolger von Hugo Chavez bei den Armen trotz allem anscheinend immer noch über großen Rückhalt verfügt. ((Ob das tatsächlich immer noch der Fall ist, weiß man nicht, wenn Berichte auf Tatsachen beruhen, nach denen der in die Enge getriebene Maduro seine Polizei-Eliteeinheit, die FAES, wie ein faschistischer Diktator zu willkürlichen Hinrichtungen Oppositioneller im Armenviertel Petare eingesetzt hat. https://www.tagesschau.de/ausland/venezuela-729.html ))

Nicolas und Donald

Von Venezuela weiß man, dass es über die größte Menge an Ölreserven auf der Welt verfügt und Saudi-Arabien von der Spitze verdrängt hat. Man weiß auch, dass Venezuela am 1. Januar für ein Jahr den Vorsitz der OPEC übernommen hat, des Kartells der ölfördernden Staaten. Und man weiß auch, dass die Maduro-Regierung angekündigt hat, nicht nur für die eigenen Exporte, sondern für alle OPEC-Exporte die Rechnungslegung vom Dollar auf andere Währungen zu verlegen, vor allem auf den chinesischen Yuan. ((Diese Abkehr vom Dollar war es bekanntlich, die auch Gaddafi und Saddam zum Verhängnis wurde – wobei Washington wie üblich humanitäre Gründe für seine Kriege vorschützte oder ABC-Waffen entdeckt haben wollte.))
Von Trump weiß man, dass er als erster Guaido als Präsidenten anerkannt hat – weil er ihn zuvor zu dem Coup ermutigt hatte? – , dass er den Venezulanern sofortige humanitäre Hilfslieferungen versprochen hat, wenn ein Guaido Präsident würde, und dass er laut New York Times seit längerem „an Putschplänen gegen das südamerikanische Land beteiligt ist“. ((„Die NYT berichtet von Geheimgesprächen mit Dissidenten aus dem venezolanischen Militär. Dabei sei es um einen gewaltsamen Sturz der linksgerichteten Regierung gegangen. Angeblich seien die Mitte vergangenen Jahres begonnenen Gespräche ergebnislos beendet worden. Die NYT beruft sich auf US-Regierungsvertreter und einen früheren venezolanischen Militärkommandeur.“ https://amerika21.de/2018/09/212242/usa-venezuela-putsch-plaene  siehe auch https://www.nytimes.com/2018/09/08/world/americas/donald-trump-venezuela-military-coup.html))

John und Donald

Von Trumps ranghöchstem Berater in nationalen Sicherheitsfragen, John Bolton, weiß man, dass er manchmal etwas schlampig ist, weil er z.B. Notizen auf seinem gelben Block hat sehen lassen, wonach die USA 5000 US-Soldaten in das verbündete und Venezuela benachbarte Kolumbien senden wollen. ((Die Welt weiß davon, weil Fotografen die Anmerkungen bei einer Pressekonferenz Boltons entdeckten. Auf dem Block steht in Handschrift: „5.000 Truppen nach Kolumbien“. Bilder davon verbreiteten sich danach rasch über soziale Medien.))
Von den USA weiß man, dass sie Südamerika in der Vergangenheit gleichsam als Teil ihres Territoriums („Backyard“) betrachteten und nicht duldeten, wenn die Interessen von United Fruit oder anderer kapitalträchtiger Unternehmen gefährdet wurden.
Es gab Interventionen und von den USA unterstützte Staatsstreiche in Kuba, der Dominikanischen Republik, Honduras, Haiti, Mexiko, Ecuador, Nicaragua, Panama, Guatemala, Peru, Brasilien, Kuba, Chile, Argentinien, Brasilien … ((Nachlesen bei: https://de.wikipedia.org/wiki/Beziehungen_zwischen_Lateinamerika_und_den_Vereinigten_Staaten#cite_note-Atlantic-2))

Marc Beise – weise?

Was Marc Beise nicht weiß: Die Dinge sind manchmal nicht so einfach, wie sie scheinen.

Oder etwa doch? ((Einen anderen Blick auf Heiko Maas hat Sevim Dagdelen von der „Linken“: „Wer vorgibt, die Demokratie verteidigen zu wollen, der kann weder Ultimaten noch Putsch unterstützen. Es sei denn, man geht davon aus, dass ausgerecht im Land mit den weltweit größten Erdölvorkommen, in Venezuela, dies der erste Staatsstreich in der Geschichte Lateinamerikas wäre, bei dem am Ende demokratische Verhältnisse und nicht Bürgerkrieg und rechte Diktatur stehen würden. Aber so naiv werden sicherlich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas nicht sein.“ https://www.heise.de/tp/features/Das-Ultimatum-der-Bundesregierung-gegen-Venezuela-4294518.html))

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