Was der Blinde sieht

Frank Castorf bekennt ((Süddeutsche Zeitung 28.9.17)): Er wurde ,von den schicken Klamotten sozialisiert’, weil seine Mutter Modedesignerin war. Das erklärt in der Tat einiges. Wie schön, es aus seinem eigenen Munde zu hören! Wenn er von der „Erotik des Verrats“ spricht und das sehr wohl positiv meint, dann weiß man: Der Meister sitzt wieder einmal, eine männliche Pythia, auf seinem Dreifuß, berauscht von benebelnden Dämpfen, die aus irgendwelchen Abwasserrohren hervordringen, und äußert hingebungsvoll Dunkles, als wäre er Klaus von Dohnanyi. So rettet er nebenbei die Ehre der Parkas: „Die Parkas waren im Vietnam-Krieg, sie waren aber auch praktisch und gut. Und sie haben etwas etwas von einer Militanz, die man haben muss, gerade wenn man Kunst macht.“ Oder ist er ein blinder Seher, ein neuer Teiresias? Hach, wie die Gedanken strömen: „Ich halte übrigens auch die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht für einen Fehler.“ Allerdings, tat den Jungs doch mal ganz gut: stramm stehen, exerzieren, Schrank und Bett in Ordnung halten, körperliche Ertüchtigung, romantische Lieder singen, schöne Erinnerungen usw. Und nicht zu vergessen: „Man lernt andere Menschen und Lebensmodelle kennen. … Man muss sich miteinander beschäftigen.“ Teiresias!

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