Übermenschen in Uniform

Wenn man Partei nehmen muss, dann sind wir für die Polizei. Denn die rennt ja nicht wie die Polithooligans prügelnd, zündelnd und plündernd durch die Gegend unter dem Vorwand, der guten Sache zu dienen, in Wahrheit aber aus Abenteuerlust (bellum omnium pater, der Rausch des “Stahlgewitters”) und zwecks Ausleben von Machtgelüsten. Jedenfalls zündet ein Polizist in der Regel öffentlich keine Autos an. Oder hat jemand Beweise dafür? Nein? Dann kann und muss man das mit dem Nicht-Zündeln usw. von ausnahmslos allen Polizisten behaupten! Es sind eben – besonders in Bayern und in Hamburg – Menschen mit übermenschlichen Eigenschaften, die man ganz leicht schon äußerlich an ihrer besonderen Kleidung erkennen kann. Dass Polizisten von irgendwelchen Minderwertigkeitskomplexen dazu getrieben werden könnten, in schützender Polizeiuniform asoziale Gelüste auszuleben, kann daher nur eine böswillige Unterstellung sein. Gesetzt den Fall, rein theoretisch, dass einzelne Polizisten wirklich Spaß am Prügeln haben sollten und ihre Machtgelüste ausleben wollten, dann täten sie es ja aber jedenfalls nur zum Schutze der Gemeinschaft.
Unrechtmäßige Polizeigewalt kann es nicht geben, nirgends und schon gar nicht in Hamburg. Das sagt auch Bürgermeister Olaf Scholz: „Polizeigewalt hat es (unter den 20 000 Polizisten) nicht gegeben.“ Und die BILD-Zeitung sammelt Geld für die „fast 500 verletzten Polizisten“, ja gar 600 (so der Einsatzleiter Budde), damit sie sich einen besonders schönen Urlaub gönnen können. Wenn es in Wahrheit nur die Hälfte gewesen sein sollten und zudem durch das eigene Tränengas und Pfefferspray Verletzte bzw. aufgrund von Müdigkeit Aussetzende (laut Nachrichtenseite Buzzfeed), wenn sich also die Zahl auf 30 bis 40 verringern sollte, so erhalten die Verbleibenden eben noch schönere, weil teurere Urlaubsreisen.
Leider mussten einige Polizisten zwangsläufig zahlreiche Kollateralschäden in Kauf nehmen, weil sie besonders hart bekämpft wurden: Zahlreiche Gehwegplatten wurden von Dächern geworfen und Molotowcocktails, als wären es Knallkörper. Es muss als höchst bedauerlich bezeichnet werden, dass die Aufnahmen aus dem Polizeihubschrauber weder Gehwegplatten noch Molotowcocktails zu zeigen vermögen. Und für eine Spurensicherung – Reste der Gehwegplatten, der Molotowcocktails – blieb der Polizei keine Zeit. Die Spuren haben die Ordnungs- und Sauberkeitsfanatiker unter den Chaoten anscheinend akkurat beseitigt. Dabei war es wirklich schon vorher ein hartes Stück Arbeit: die Gehwegplatten auf das Dach hochschleppen und dann mit großem Schwung hinunterschleudern. Leider hat wieder niemand die Vorbereitungen dokumentiert, obwohl doch sicherlich schon das Auslösen der Platten beträchtlich Zeit gekostet hat und auch zivile Streifen im Viertel anwesend gewesen sein müssten. Wirklich schade. Aber jedenfalls war nun Zahn um Zahn angesagt, und selbstverständlich immer ohne illegitime Gewalt.
Aber was wird nun aus den zahlreichen Videos und Augenzeugenberichten über angebliche Polizeigewalt auch gegen friedliche Demonstranten und völlig Unbeteiligte? Dass da z.B. Jugendliche von den “Falken” auf ihrem Weg zur Demonstration aus ihrem Bus gezerrt, z.T. geprügelt und “komplett nackt ausgezogen” wurden, mag sein – vielleicht hatten die Polizisten ja schlechte Laune angesichts des bis dahin eher langweiligen Beschäftigung und wollten auch mal ein wenig Spaß haben. Aber für diesen Fehlgriff hat sich der Hamburger Innensenator ja auch entschuldigt. Das war ein Versehen. Das kann eben mal vorkommen, und bisher sind die Bilder von den Nackten auch noch nicht bei Youtube aufgetaucht. Aber sonst war alles friedlich, wenigstens auf Seiten der Polizei. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Komplize der Gewalttäter und also ein geistiger Terrorist. Das weiß BILD. Und da BILD als Spezialist auf diesem Gebiet sicher alle kennt, die Fake News erzeugen, sollte der Herr Dudde, der ebenfalls kompetente – der Name täuscht – polizeiliche Einsatzleiter in Hamburg, sich eiligst mit BILD in Verbindung setzen und in einer gemeinsamen Aktion alle Nestbeschmutzer aus ihren Wohnungen holen, zusammentreiben und mittels Einkreistaktik daran hindern, ihre bereits bezahlten Urlaubsreisen anzutreten.

Ein Gedanke zu „Übermenschen in Uniform

  1. weiter hören wir keine Zahlen über Verletzte auf der Gegenseite der staatlichen Helden. Aber so ein dicker undifferenzierbarer linker Brei, was sollen dem Pfeffer und Wasser schon anhaben. Dem kann man doch kein Bein brechen.

    Doof wie ich bisher gedacht hab, bei Antreffen eines tollwütigen Hundes oder psychopathischen Axtfuchtlers könne ich die Polizei rufen. Die käm doch in Lebensgefahr!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.