Über Kunst lieber nicht reden!

Über Politik reden – das tut man nicht: das erzeugt nur Streit. Und über Kunst? Das ist ja noch übler!
Also ans Werk![dropdown_box]
Begeben wir uns doch mutig auf ein besonders glattes Eis: Nehmen wir z.B. die monochrome Malerei. So eine glatte rote Fläche, behaupten Kunstverständige, kann sehr anregend (?) sein, übrigens auch – Yves Klein hat es bewiesen – eine blaue. (Der Kunsthändler Rüdiger K. Weng – in der SZ vom 12.7.13 – sagt, dass rote Bilder sich besser verkaufen als braune, aber „auch Blau ist keine schlechte Farbe.“) Allerdings könnte es sein, dass Georg Baselitz es übertreibt; der Meister will jetzt am liebsten nur noch vollkommen schwarze Gemälde fertigen. „Ich träume davon, ein Bild unsichtbar zu malen“, sagte Baselitz dem Focus dazu. Man kann verstehen, dass den Kunstmarkt solche Träume ein wenig besorgt machen im Hinblick auf zukünftige Absatzprobleme bei entsprechenden Bildern von Baselitz. Dass er seine sichtbaren Bilder so gemalt hatte, dass sie auf dem Kopf standen, das hatte den Absatz keineswegs verringert – eher im Gegenteil, denn es provozierte ja einen ungeheuren Effekt, dessen tiefere Bedeutung Wikipedia so beschreibt: „Mit dem Umdrehen seiner Bilder nahm er dem Bild seinen konventionell gedachten Inhalt, machte also den Bildgegenstand gegenstandslos. – Auf diese Weise inhaltsleer geschaffen, sind Baselitz’ Bilder nicht interpretier-, sondern lediglich betrachtbar.“ Donnerwetter! Besser kann man es wirklich nicht sagen!
Der Markt liebt übrigens vor allem Gemälde mit [möglichst sichtbaren] jungen Frauen, sagt Kunsthändler Weng, und Bilder im Querformat sind besser verkäuflich als Hochformate, denn „schließlich sind die Wände [der Wohnungen] nun mal breiter als hoch“. Man könnte vielleicht noch hinzufügen, dass ein Umbau zu hochformatigen Wohnungswänden der weniger bequeme Weg und zudem überaus kostspielig wäre. Aber einen Baselitz brauchen solche Forderungen des Marktes natürlich nicht mehr zu kümmern; er ist finanziell bereits auf der – sehr – sicheren[ref] Nachdem sich nun endlich die Steuerfahnder auch mit ihm beschäftigen, kann er sich endlich ganz zum Establishment gehörig fühlen.[/ref] Seite und kann nun aufgrund seiner enormen Reputation wohl auch seine unsichtbaren Bilder teuer verkaufen.
Abschließend ein guter Tipp des Meisters, der für junge Menschen immer noch beherzigenswert ist, auch wenn er im Grunde nur auf Altbewährtes verweist:
“Talent ist gar keines nötig”, sagte der 71-Jährige in einem Interview des Magazins “Elle Decoration”. “Das Anderssein ist existenziell”, so Baselitz. “Haare abscheren, Haare lang wachsen lassen, Hosen zu kurz – alles ganz wichtig!“
Der Baselitz – so sagt der Markt – ist schon so eine Marke.[/dropdown_box]

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