Auf immer meiden

„Es gibt kein unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens und tiefer moralischer Nichtswürdigkeit, als ein Zug reiner, herzlicher Schadenfreude. Man soll den, an welchem man ihn wahrgenommen, auf immer meiden.“ Wumms! Da hat er wieder mal philosophisch hingehauen, der Schopenhauer.
Wer will dagegen anphilosophieren?
Ganz klar: Wen der Schaden aus welchem Grunde trifft, hat dabei unerheblich zu sein! Wenn z.B. der Besitzer des reichlich und raumübergreifend defäkierenden Kampfhundes auf dessen nicht beseitigten Darmentleerungsresten ausrutscht und das Herrchen des aggressiv grinsenden Tieres mit seiner Nase mitten in dessen Unrat landet, darf man auf keinen Fall schadenfroh sein – auch wenn es noch so schwer fällt. Wumms!
Wenn Bolsonaro die Erkrankung an Corona gut überstehen sollte, so wäre das Wasser auf seine Mühlen, weil er dann ja anhand der eigenen Person erwiesen hätte, dass Corona ja nur ein „Grippchen“ (gripezinha) ist. Es gebe also auch keinen Grund zur Schadenfreude darüber, meint Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires, in seinem Kommentar auf tagesschau.de. Seine Aussage scheint aber zu implizieren, dass Bolsonaro zwar nun – im übertragenen Sinne – in die Sch… getreten, aber noch nicht auf dem schlüpfrigen Grund ausgerutscht sei. Daher muss man auf einen möglichst schlimmen Verlauf seiner Corona-Erkrankung hoffen. Dann dürfe man sich u.U. zur Schadenfreude berechtigt glauben, weil man durch den Schaden die Armen Südamerikas vor Corona besser geschützt sehen kann. Doch da hören wir den zornigen Aufschrei des Philosophen in unseren geistig ausgestreckten Ohren: Schadenfreude muss letztlich als „unfehlbareres Zeichen eines ganz schlechten Herzens“ immer tabu sein. Wumms!
Auweh, nach dem armen Boris Johnson hat es nun also – leider, leider – auch Bolsonaro getroffen. Wann erwischt Covid – leider, leider – endlich den Trump, und zwar so heftig, dass es ihn richtig umhaut? Wir werden uns auf jeden Fall ganz, ganz doll bemühen, so lange wie möglich von Schadenfreude, dieser „tiefen moralischen Nichtswürdigkeit“ frei zu bleiben. Großes Indianer-Ehrenwort.

Nichts Neues

Urlaubszeit. Langweilig. Kaum Stoff für Satire. Dabei seid ihr Dummen natürlich nicht plötzlich alle im Meer vor Mallorca ertrunken. Oooohhhh, nein, wie dumm! Ihr kriegt eben nie genug: Begierig saugt ihr auf, was euch z.B. dieser Trump vor vielen blau weiß roten Fahnen mit mal links, mal rechts schief gelegtem Kopf und ausgestrecktem Zeigefinger an Schwachsinn verzapft. Denn euer Hirn ist ja leider bei der Darmentleerung mit durchgerutscht. War ohnehin nicht viel, sah aber sehr unappetitlich aus. Wir erleben momentan eine virale geistige Diarrhö kosmischen Ausmaßes, vor der sich andere Viren, wie Covid 19, demütig verbeugen.
Und nun wartet ihr, dass Adolf Kalbitz aus dem Kyffhäuser zurückkehrt, wohin er sich grollend zurückgezogen hat, weil Jörg Hubert von Hindenburg-Meuthen das Heraufkommen des IV. Reichs verzögert hat. Mangels Elektrizität und aufgrund der Dunkelheit in seiner Höhle hat Kalbitz Probleme mit dem Rasieren: Damit er sich nicht versehentlich mit dem Messer die geliebte Nase wegsichelt, spart er beim Rasieren einen kleinen Fleck unter seiner Nase aus. Steht ihm hervorragend. Sieht aus wie dieser Stummfilmkomiker.
Salomo, der sich nicht nur durch einen überragenden Geist, sondern auch durch seine Manneskraft auszeichnete – er brachte es immerhin auf siebenhundert fürstliche Frauen und dreihundert Nebenfrauen und kannte sie alle beim Namen – der weise Salomon wusste es schon immer: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“

Psychisch kranke Wähler bejubeln psychisch kranke Politiker, von Minderwertigkeitsgefühlen geplagte Massen unterwerfen sich den Größenwahnsinnigen. Was wollen sie denn auch sonst machen! „Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe”, wusste schon der weise Salomo.
Aber halt! Ändert sich gar nichts? Überhaupt ganz und gar nichts?
Sensation! Unerhört! Ein Gericht in Frankreich hat doch tatsächlich einen ehemaligen Premierminister und Präsidentschaftskandidaten, den überaus sittenstrengen, homophoben und xenophoben,, katholisch-konservativen Francois Fillon zu fünf Jahren Gefängnis (davon allerdings drei Jahre zur Bewährung) verurteilt, und zwar nur weil er – durchaus wohlhabend und immer darum bemüht den Reichtum der Reichen zu mehren – aufgrund seiner Geldgier den Hals nicht voll kriegen konnte und aus alter Gewohnheit den Staat bzw. das Volk ein bisschen beschummelt hat. Allzu menschlich. Man nimmt eben, was man kriegt. Das versteht doch jeder. Und da diese Geldgier ja ganz sicher angeboren und folglich zwanghaft war, kann es gar nicht anders sein, als dass die Berufung gegen das Urteil auf eine allenfalls geringe Schuld erkennen wird.
Der weise Salomon wusste das natürlich schon: „Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder.“ Und: “Der Wind geht nach Süden und dreht sich nach Norden und wieder herum an den Ort, wo er anfing. Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das Meer nicht voller; an den Ort, dahin sie fließen, fließen sie immer wieder.“ Usw. usw. usw.
Schließlich sagt der der weise Salomo aber auch: „Alles Reden ist so voll Mühe, dass niemand damit zu Ende kommt.“ Doch! Schluss jetzt!

Auf jeden Fall mit t

Litte?                             Chor: Neieiein!
Ritte?                            Chor: Neieiein!
Was denn dann?          Chor: Mitte! MmmmItte!
Ach, so: Nicht rechts?  Chor: Neihein!
Auch nicht links?          Chor: Ohh, neieiein!!!
Wowowo?                    Chor: Mitte, bitte! Mit-te!

Bisher gehörte Lothar Möritz in Sachsen-Anhalt zur Mitte, trotz Hakenkreuzen: in der CDU und unterstützt von der CDU, also Mitte.

 

Christian Lindner will denen, die die SPD wegen Wolfgang Clement und Gerhard Schröder gewählt haben und nun angesichts von Hammer (Walter-Borjans) und Sichel (Saskia Esken)  in der Führung der SPD heimatlos sind, die FDP als Ware wahre Mitte anbieten.

Die Grünen und ihr Kretschmann (vom KBW zu MerCeDes) haben sich bürgerlich geschwärzt; sie sind endgültig in der Mitte angekommen.

Labour jedoch hat die Wahlen in Groß Britannien laut Hubert Wetzel in der Süddeutschen Zeitung (16.10.19) verloren, weil sie nicht die Mitte suchte, sondern „von einem unerreichbaren sozialistischen Paradies“ (ach, du grüne Neune!) träumte – während nämlich der Politclown Boris Popowisch Johnson und seine Nationalisten die Mitte ansprachen. Deshalb empfiehlt der schlaue Wetzel den Demokraten in den USA „pragmatische Mitte-Politiker“ – vielleicht so eine wie Hillary Clinton mit gutem Verständnis von und mit dem großen Geld. 1 Will man die Wahlen in der „Mitte“ gewinnen, braucht man auf jeden Fall einen windigen Hohlkopf, wie Trump oder Boris Johnson. Dann – das weiß doch jeder kompetente Kolumnist  – gewinnt man die Wahlen. Wie, wo? Immer in der Mitte. Und alle freuen sich, weil alles bleibt, wie es ist, oft schlimm, oft immer schlimmer, oft ganz schlimm.

Eine Himmelsmacht

Es ist eine rührende, tief traurige Geschichte. Sie handelt vom Elend und vom Glück, von Liebe und Hass, von zwei alten Männern, die sich einsam und elend fühlten, weil sie dumm waren und hässlich und nichts besaßen außer viel Geld und Macht und einen bemerkenswerten Friseur. Selbst von ihren ansehnlichen Frauen fühlten sie sich betrogen, denn diese hatten sich ihnen nur wegen des Geldes antrauen lassen. So blieb ihr Leben leer und kalt, wenn nicht … ja, wenn nicht das Wunder der Liebe ihre Herzen erwärmt und sie zu neuem Leben erweckt hätte.
„Wir haben uns verliebt“, jubelte der Trump vor etwa einem Jahr. Der Erwählte war Kim Jong-un,, und auch ihn hatte Amors Pfeil tief ins Herz getroffen:

So freute sich der Trump über die „wunderschönen Briefe“, die ihm sein Freund geschrieben hat, manche, wie der Liebestrunkene aller Welt stolz zeigte, in überdimensionalem Format. Selig hoppelte er über die Erde und wie ein Kleinkind richtete er voller Freude seinen Zeigefinger auf all die Dinge, die er mit freudigem Staunen neu wahrnahm und sogleich mit seiner Liebe umhüllte – immer in Erwartung eines neuen großen Briefes (hoffentlich mindestens DIN A2).
Die Sängerin – Connie Francis hieß sie – hat es den Menschen einst gesagt:
Die Lie-Lie-Lie, Lie-Lie-Lie-Lie-Lie
Die Liebe ist ein seltsames Spiel
Sie kommt und geht von einem zum andern
Sie nimmt uns alles
Doch sie gibt auch viel zu viel.
Kurz nur währte der Rausch der beiden Turteltauben; denn die großen, schwarzen Füße der unbarmherzigen Zeit stapften über ihre Liebe hinweg und zertraten sie achtlos. Zurück blieben, kaum war ein Jahr vorüber, nur Tränen, Trauer und Zorn. Und der an der Welt verzweifelnde, in seine Einsamkeit zurückgedrängte Trump war für Kim Jong-un bloß noch „ein dementer alter Mann“, geistesgestört usw. und Kim Jong-un für Trump wieder nur noch ein „Irrer“, „klein und fett“. Aaaaaach! Weeeh!
Weihnachten naht. Wie werden sie das Fest wohl verbringen?

Wer weiß, wer weiß …?

Wissen Sie, was?
Was weiß ich!!!
Ich weiß nicht, was ich nicht erfahre.
Ich weiß, ich weiß!
Man kann nie wissen!
Ach, was?!

Hammer

Wenn man die richtige Einstellung hat, weiß man, dass es immer nur darum geht, Hammer oder Amboss zu sein, auf der richtigen Seite zu stehen bei der Verteilung des Reichtums, also auf der Seite der Guten, der Tüchtigen, z.B. auf der Seite der 6,84 Billionen US-Dollar von Blackrock, also auf der Seite von Friedrich Merz, der sich ehrlich Sorgen macht um uns, um unser Ansehen in der Welt (Hast du was, bist du was!), und auf der Seite von Christian Lindner, der sich als Liberaler einsetzt für die Freiheit der SUV-Fahrer und für die Freiheit des Verzichts statt staatlicher Zwangsbesteuerung und der auf der Seite der Erfolgreichen den Sozialneid der Erfolglosen bekämpft – dann weiß man, dass auf der anderen Seite Jammerlappen wie Greta Thunberg („Das Mädchen ist krank.“ Friedr. Merz) stehen oder Träumer, die von Wirtschaft nichts verstehen und den krassen Unterschied zwischen Reich und Arm nicht mit angemessener Gelassenheit ertragen wollen. Und wenn man dann auch noch die richtigen Informationsquellen hat, dann wird einem so manches klar, z.B. die Ereignisse in Bolivien.

Hilfe, Indianer!

Dieser Indianer, Evo Morales, ist ein Heide – eine wahre Christin, die Übergangspräsidentin Jeanine Áñez, ist daher endlich – hosianna! – mit der Bibel in den Senat „einmarschiert“ (Die Welt) 1, nachdem sie und ihre bewaffneten Freunde aus der kultivierten Oberschicht den Indianer daraus vertrieben hatten, und Luis Fernando Camacho legte im Regierungspalast eine Bibel auf den Boden und kniete sich zum Dankesgebet „an den Herrgott“ nieder.


War das schön! Schön zu wissen!
Aber natürlich marschiert dieser primitive Indianer überhaupt nicht mit einer Bibel unter dem Arm und legt keine Bibeln auf Böden, sondern steckt voller Vorurteile gegenüber der zivilisierten Welt, also Nationen wie den USA. Mit einem antiamerikanischen Wahlkampf war er an die Macht gekommen („Bolivianer, ihr entscheidet: Wer regiert, Rocha <=amerikan. Botschafter> oder die Stimme des Volkes?“), nachdem die USA mit dem Entzug der Entwicklungshilfe und einer Wirtschaftsblockade gedroht hatten, weil er die Verstaatlichung der Erdgasförderung angekündigt und dann auch tatsächlich dreist durchgeführt hatte. Leider hatte er die Wahl mit 64% der Stimmen gewonnen. Die zivilisierte Welt, also Weltbank und IWF, waren selbstverständlich empört und forderten bis 50% Abgaben der Fördergewinne. Statt dessen brachte Morales rücksichtslos, d.h. ohne Rücksicht auf die Interessen des Großkapitals, die bolivianische Wirtschaft voran, erhöhte die Staatseinnahmen, verminderte die Staatsschulden und ließ die Bevölkerung statt nur die Oberschicht von den Einnahmen profitieren. “Millionen Menschen schafften es aus der Armut”.(Christoph Gurk s.u.) Von der UN-Generalversammlung erhielt er den Titel “Held der Mutter Erde”. Diskriminierte Minderheiten wurden anerkannt, Diskriminierung wegen sexueller Orientierung unter Strafe gestellt; Schwangerschaftsabbrüche von Minderjährigen und Studentinnen sollten erlaubt werden. Das war gottlos. Dass er sich mit all dem viele Feinde machen würde, hätte er sich eigentlich denken können. Hat er wohl auch: Er hatte wiederholt angeprangert, dass die politische und zivile Opposition dabei seien, mit Unterstützung von außen einen Putsch gegen ihn durchzuführen. Spät schreibt dann auch Christoph Gurk in der “Süddeutschen” (3.1.20), dass Gamacho., “ein Anwalt mit besten familiären Verbindungen und dubioser Vergangenheit als Führer einer paramilitärischern Jugendvereinigung” “mit den Vorteilen einer Junta aus Militär und Bürgergruppen liebäugelte”. immerhin meint Herr Gurk aber auch: “Der Abstieg von Morales aus dem Hochland und der Aufstieg von Gamacho aus dem Tiefland – das kann man mit dem Strukturwandel erklären.” Aha!

Warum Wahlen?!

In seinem Übermut hat er dann auch noch 2018 beim Verfassungsgericht erreicht, dass es den Artikel aufhob, der ihm eine Wiederwahl verwehrte. Das war vom Verfassungsgericht nicht nett gegenüber seinen Feinden. Jeder von den USA geförderte südamerikanische Autokrat hätte das Verfassungsgericht einfach abgeschafft.
Dass er auch bei den Wahlen im Oktober 2019 einen großen Vorsprung hatte, war schlimm genug. Zudem aber meinten seine Gegner, dass er nicht wirklich die ganzen 10% (46 zu 36%) mehr an Stimmen erhalten hatte, die eine Stichwahl unnötig machten. Es hatte sich bei der Auszählung der Trend zugunsten von Morales umgekehrt. Die Erklärung, es habe möglicherweise daran gelegen, dass die Ergebnisse ländlichen Gebiete, in denen Morales immer klar dominiert hatte, erst später eintrafen als die z.B. aus Santa Cruz, der einzigen Region, in der traditionell sein Gegenspieler vorne lag, muss als völlig absurd verworfen werden. Als Angehöriger der primitiven Ureinwohner hatte Morales natürlich keinen Durchblick und macht den dummen Fehler, die Rechtmäßigkeit des Ergebnisses überprüfen zu lassen, und zwar ausgerechnet von der in Washington ansässigen, konservativen Organisation der Amerikanischen Staaten (OEA/OAS). „Die OAS durfte die Unterlagen der Wahlbehörde untersuchen und bekam Zugang zu allen Einrichtungen der Wahlbehörde.“ (tagesschau.de)

Jubel bei der OAS

Das hat die OAS sehr gefreut, und sie hat sich eifrig an die Arbeit gemacht. Sie sollte ihre Bewertung am am 13. November vorlegen, konnte sich aber angesichts der Umstände einfach nicht gegen einen übermächtigen inneren Drang wehren und musste  deshalb bereits am 10. November statt am vorgesehenen 13. November einen vorläufigen Bericht veröffentlichen, in dem sie die Annullierung der Präsidentschaftswahl vom 20. Oktober und die Abhaltung von Neuwahlen empfahl, und zwar weil sie “nicht garantieren” könne, dass die Wahl nicht manipuliert worden sei. Der Bericht bescheinigt Evo Morales den Wahlsieg, weist jedoch auf schwerwiegende Sicherheitsmängel bei Computern, „eine eindeutige Manipulation des Systems” des Obersten Wahlgerichts (TREP), ferner auf offizielle Berechnungen sowie auf von Hand vorgenommene physische Aufzeichnungen mit Änderungen und gefälschten Signaturen hin. Obwohl das Auditorenteam die verfügbaren Informationen und die über 250 Beschwerden im Zusammenhang mit den Wahlen vom 20. Oktober weiterhin verarbeiten werde, bevor es seine Empfehlungen im Abschlussbericht ausspricht, nennt die OAS, „die vorläufigen Ergebnisse überwältigend”.

Glückliche Zufälle

Bravo! Das war geschickt formuliert, weil der Vorwurf des Wahlbetrugs auf diese Weise zwar nicht wirklich bestätigt, aber nahe gelegt, jedenfalls nicht aus der Welt geschafft worden war. Allerdings räumte die OAS ein, dass die Analyse in sehr kurzer Zeit erarbeitet wurde und somit keine vollständige Überprüfung möglich war (laut „amerika21“). Der detaillierte Bericht mit konkreten Ergebnissen werde „natürlich in Bälde noch veröffentlicht”. Gut, dass sie nicht noch die drei Tage bis zum offiziellen Berichterstattungstermin oder gar noch länger gewartet hat. Zumal gerade zufällig die Polizei von La Paz sich an diesem Samstag der am Freitag eingeleiteten Meuterei von Einheiten in Cochabamba, Sucre, Santa Cruz und Oruro angeschlossen hatte und vermummte und mit Maschinengewehren bewaffneten Meuterer im Hinterland zum Teil örtliche Regierungssitze überfallen hatten. Wer braucht da den abschließenden Bericht? Die OAS hatte genügend Druck erzeugt, dass Morales sofort eine Wiederholung der Wahlen angekündigt hat – was man natürlich nicht als Hinweis auf Unschuld betrachten darf, sondern unbedingt als Indiz für seine Schuld werten muss.

Absurde Verschwörungstheorien

Verschwörungstheoretiker reden nun wieder von einem lange vorher geplanten Putsch. Richtig ist, dass Polzeieinheiten Morales die Treue verweigert hatten, der nationale Polizeichef Vladimir Yuri Calderon offen seinen Rücktritt gefordert  (Focus 11.11.19) und dass Armeechef Williams Kaliman Morales zum Rücktritt aufgerufen hatte. Er ist ja auch dann schleunigst zurückgetreten. Richtig ist auch, dass der neue Innenminister eine Liste mit Namen “subversiver” Politiker veröffentlichen will, damit diese ,festgenommen’ werden können. Auch hat er bei seinem Amtsantritt verkündet, seinen Vorgänger “jagen” zu wollen. (Süddeutsche Zeitung 19.11.19) Wenn schon nicht “law”, “order” muss sein. Da darf man dann auch großzügig ein Dekret erlassen, dass die Einsatzkräfte der Armee von jeder zukünftigen Strafverfolgung ausnimmt, denn das Dekret dient dem “sozialen Frieden”.

Feiger Indianer

Aber musste Morales deshalb gleich die Flucht ergreifen? Hatte er etwa ein schlechtes Gewissen? Klar, es war nicht mehr ganz ungefährlich für ihn und seine Indianerhorden. In sozialen Netzwerken beklagten vor allem Angehörige der nun gestürzten Bewegung zum Sozialismus (MAS) Angriffe auf ihre Privathäuser. Víctor Borda, der MAS-Präsident des Abgeordnetenhauses, trat von allen Posten zurück und legte sein Mandat nieder, nachdem sein Haus angezündet und sein Bruder von oppositionellen „Zivilkomitees” entführt wurde. Und Morales bat ausdrücklich darum, Angriffe auf Privathäuser einzustellen. Zuvor war auch das Haus seiner Schwester Esther in Brand gesteckt worden. Während der Landung auf dem Flughafen Chimoré – im zentralbolivianischen Cochabamba – soll Morales von einem Militär mit Verbindungen zum Geheimdienst erfahren haben, dass den Uniformierten von nicht näher genannten Auftraggebern 50.000 Dollar für seine Ermordung und Auslieferung angeboten worden waren.

Wieder mal  werden die USA beschuldigt

Darf man aber deshalb von einem Putsch sprechen? Und was soll man davon halten, wenn einige Audio-Aufnahmen veröffentlicht wurden, die angeblich Details über die Verschwörung und die Teilnahme der USA an den Vorfällen in Bolivien enthüllen (Telesur). Die durchgesickerten von 16 Audio-Aufnahmen suggerieren eine Verschwörung zwischen den Oppositionsführern und bolivianischen Militärs, um destabilisierende Aktionen voranzutreiben, die zum Putsch gegen Evo Morales führen sollten. Der Plan konzentrierte sich angeblich darauf, dass, falls Evo Morales die Wahlen vom 20. Oktober gewinnen würde, man eine zivil-militärische Übergangsregierung installieren würde. Die neue Regierung würde behaupten, dass es Wahlbetrug gegeben habe und den den Wahlsieg von Evo Morales nicht anerkennen. Eine Trennung und Spaltung der bolivianischen Armee und der Polizei sollte diese Kräfte zu einer Erhebung gegen Morales treiben, so dass ein Klima von Chaos und Destabilisierung entstünde. Angeblich zeigen die Aufnahmen auch die Einmischung der USA und die Benutzung der im Land akkreditierten Botschaften und der Evangelikalen Kirche, um Ressourcen für die Durchführung der Operation ins Land zu schleusen. Darin verwickelt seien die US-Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio und Bob Menéndez und die wichtigsten bolivianischen politischen Agenten, die ihren Wohnsitz in den USA haben: Gonzalo Sánchez de Lozada, Manfred Reyes Villa, Mario Cossio und Carlos Sánchez Berzain, koordiniert mit den Führern der oppositionellen Gesellschaft Coordinadora Nacional Militar, die aus Ex-Offizieren der Armee besteht, darunter General Rumberto Siles und die Oberste Julius Maldonado, Oscar Pacello und Carlos Calderón.
Ach, das ist ganz sicher wieder nur so eine Verschwörungstheorie, den sich irgendwelche  Jammerlappen (Nachdenkseiten) ausgedacht haben. Man wird wohl nie Genaueres wissen. Aber dass Bolsonaro und Trump den Putsch offiziell begrüßt haben, steht fest, und dass sie sich sehr gefreut haben, ist wirklich nur allzu verständlich. Man weiß, sie stehen auf der richtigen Seite. Auch Camacho freut sich natürlich, denn seine soll ja viel Geld im Gasgeschäft gemacht haben, bevor Morales die Rohstoffe verstaatlicht hat.
Im übrigen kann man es auch so sehen wie Christoph Gurk (Süddeutsche Zeitung 28.12.19): Der “Wind des Wandels” hat Morales aus dem Amt gejagt.
Oder wie die Anhänger von Camacho jubeln: “Bolivien wird nun von Jesus regiert.” Der braucht auch – das weiß der Christ Camacho – keine Wahlen.