schmackl bunz schmackl bunz schmackl bunz

Johannes Kahrs, Vorsitzender der Werteunion in der SPD, freut sich: Mit Scholz als SPD-Vorsitzendem wird alles beim alten bleiben und er weiter vorne mitmischen. Als jemand, der die Rüstungsindustrie ins Herz geschlossen hat, war seine Begeisterung – Fackeln, zack, zack und rummsdibumms, herrlich! – über den Großen Zapfenstreich, mit dem selbst noch eine miserable Ministerin – vom Fernsehen übertragen – geehrt wurde, so groß, dass er aufgrund seines Erregungsschluckaufs fast in die Notaufnahme des Krankenhauses Hamburg Sankt Georg eingeliefert worden wäre. Warum sollte nicht auch einer wie er so ein Verteidigungsminister werden?! So schlecht wie die von der Leyen ist er doch allemal. Allerdings muss dafür die SPD natürlich zunächst noch einmal die Fünf Prozent Hürde überwinden.

Ha, SPD! Ha!

Ha, SPD, ihr habt’s geschafft: Groko forever! Es gab ja auch, nachdem die Führung vorgeprescht war, kein Zurück mehr.
Aber es sei kurz erinnert, bevor alles vorüber ist:
Bernie Sanders: zur Zeit der Vorwahlen Beliebtheitsgrad 54% ((Senator Bernie Sanders is the most popular politician in America, according to a new Harvard-Harris poll. In fact, the Vermont senator and former presidential candidate is the only politician in the U.S. who a majority of voters like. The poll, which drew responses from 2,263 voters across the political spectrum August 17 to 22, found 54 percent have a favorable view of Sanders, while 36 percent view him unfavorably. http://www.newsweek.com/bernie-sanders-most-popular-politician-655315))
James Corbyn (laut Springers Fox News n-tv „Altstalinist“) und Labour: bei den Wahlen in Großbritannien 40% gegenüber 42% der Konservativen
Sozialisten in Frankreich: 5 % ((Hollande hatte die Wahlen mit der Ankündigung gewonnen, die Ungleichheit und die Macht der Finanzwelt zu bekämpfen, und dazu u.a. einen Spitzensteuersatz von 75 Prozent angekündigt, aber dann einen neoliberalen Kurs gesteuert.))
SPD: laut letzten Umfragen noch 14 % ((„Wie der PS in Frankreich versuchte auch die SPD , eine neoliberale Politik unter dem Deckmantel eines sozialen Programms zu verkaufen. Die SPD liberalisierte den Arbeitsmarkt und bereitete so die Armutswelle der Rentner von morgen vor. (…) Die erkämpfte Trophäe des Mindestlohns ist kein Sieg der Sozialdemokratie, sondern letztlich nur eine Korrektur auf dem falsch eingeschlagenen Weg.“ – „Warum sollte man heute SPD wählen? Weil die Partei eine neoliberale Politik verfolgt? Zu allem Übel melden sich auch noch ständig die Väter dieses SPD-Neoliberalismus zu Wort. Wirtschaftslobbyist Gerhard Schröder gibt den Genossen immer noch Ratschläge, wie sie Wahlen gewinnen könnten.“ Und Peer Steinbrück, der in die Finanzwirtschaft gewechselt ist, veröffentlicht ein Werk über „Das Elend der Sozialdemokratie“. So schreibt Christophe Bourdoise, Deutschland-Korrespondent von Le Parisien, in der SZ vom 2.3.18))[htsP anchor_text = “Weiterlesen”]
A propos, – Freude, Freude über Freude – das Thema bietet eine gute Gelegenheit, den dummen August ein wenig durch die Manege zu jagen. Er heißt – ach, nicht der schon wieder! – Hilmar Klute und ist von rechten Ressentiments besessen, darf aber erstaunlicherweise seinen Gedankenwirrwarr nicht etwa nur in Springers „Welt“, „Bild“ oder der „Jungen Freiheit“, sondern in der „Süddeutschen“ veröffentlichen. Klute verweist dort nämlich auch auf Sanders und Corbyn ((Süddeutsche Zeitung 3.3.18)): „Dass demokratische linke Positionen durchaus eine Menge Leute erreichen, konnte man ausgerechnet in den angetickten USA und im ausgezählten Großbritannien sehen. Dort haben Bernie Sanders und Jeremy Corbyn einen schönen Zukunftsaufriss sozialdemokratischer Politik hingelegt.“
Na, gibt es das? Klute, der auf alles Rote wie der Stier in der Corrida reagiert, für den Mélonchon ein „Betonkommunist“ ist und Sarah Wagenknecht eine „spätmoderne (?) Räterepublikanerin“ zeigt Sympathien für Linke?
Nein, keine Angst! Er redet einfach nur wirr. Klute gibt vor, linke Utopien zu vermissen: „Dabei waren die Linken früher mal genauso für Utopien zuständig wie der Metzger für die Sülze.“ Und Klute sülzt weiter: „Schnurrt linkes Denken auf einen Begriff zusammen, auf das linke Milieu, das sich mit designten Vintage Utopien ein reines Gewissen für seinen verfeinerten Lebenswandel zurechtschustert?“ Da wundert man sich: Klute, nein, wirklich Klute? Mit der Rute auf der Suche nach der ,wahren’ Utopie? Aber nicht zu lange wundern! Er ist schnell wieder bei sich selbst. So bemängelt er, dass die Linke einen Systemwechsel anstrebe – und das ist nun aber gar nicht seine Vorstellung von ,wahrer’ Utopie – , wobei er sich endlich wieder eiligst im ideologischen Nebel verirrt und – wie er schreibt – „lustigerweise“ rechts und links als „Pest und Cholera“ zusammenwirft, weil ja auch die AfD einen Systemwechsel, nämlich eine „blutidentische Volksgemeinschaft“, anstrebt und die Linke nach Klutes Meinung eine Art „sozialistische Arbeitergesellschaft“. ((Man nennt diesen rhetorischen Trick „Straw man fallacy“, das Strohmann-Argument. Man unterstellt dem Gegner fälschlich Ziele oder Argumente.)) Resümee: „Von vorgestern sind sie beide.“ Klute ist dagegen nicht von von vorgestern und auch nicht von gestern, sondern ganz auf der Höhe der Zeit, wenn nicht sogar ihr voraus. Jawohl. Und er zitiert als Kronzeugen Wölfchen, den Bauchredner Biermann, der die Linke den „elenden Rest dessen, was längst überwunden ist“, genannt hat. Klute sagt: „Das alles ist blöd genug!“ Aber er lässt es damit nicht genug sein, sondern übertrifft sich selbst, indem er über Lafontaines und Wagenknechts Wunsch einer starken Linken, die auch linke SPDler einschlösse, damit die Linke endlich Änderungen nicht nur fordern, sondern auch verwirklichen kann, schreibt: Wagenknecht träume „von einem neuen Spartakusbund und den aus ihrer Sicht hoffentlich bald zu Reisig zertrümmerten Sozen.“
Das ist messerscharfe kritische Analyse. Vom Feinsten!
Mies findet Klute – wohl weil es keine ,wahre’ Utopie ist? – dass in Frankreich Mélonchon seine Anhänger gegen Sozialabbau demonstrieren lässt. Wer sowas tut, ist notwendig ein „Betonkommunist“. Denn der muss ja gegen alles sein, einfach nur ein Spielverderber, so wie Beppo Grillo von der 5 Sterne Gruppierung: Da könne ,man sehr schön studieren’, was herauskomme, wenn einer „gegen alles sein will“.
Noch eine Kostprobe von Klutes intellektuellem Scharfsinn: „Natürlich sind die Querelen um die Essener Tafel ein Beleg dafür, dass in diesem Lande etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Aber die Antwort darauf kann nicht der Ich-habs immer-schon-gesagt-Zynismus von Sahra Wagenknecht sein.“
Verstanden? Nein? Das kann aber nicht an Klute liegen.
Denn es ist einfach so: Klute ,denkt’ mit dem Bauch wie Wölfchen. Und er schreibt zwar über Politik, aber eigentlich geht es nur darum: Er mag Wagenknecht irgendwie nicht, nicht die Nase, nicht die Augen, nicht die Ohren – gar nicht. Er verehrt dagegen vermutlich goldige Frauen mit großbürgerlichem Charme, wie die ewig lächelnde Weinkönigin Julia Klöckner. Er schmilzt sicher dahin, bis nur ein glänzender Fettfleck bleibt, wenn sich die göttliche Frau von der Leyen bei der schlau guckenden Maybritt Illner wieder mal innerlich sehr berührt äußert und zu diesem Zweck die Stirn in sehr, sehr ernste Falten zieht.
So ist er nun mal, der Hilmar Klute. Er ist kein Intellektueller, aber er glaubt an sich. Und eigentlich müsste man ihn streicheln.[/htsP]

GAUland SPD

Alle wollen sein wie die AfD. Nur die Grünen wollen sein wie die SPD, und die SPD will sein wie die CDU. Daher wird die SPD bald nicht mehr sein. Schulz könnte auch sein wie Bernie Sanders oder Jeremy Corbyn statt wie Müntefering und Johannes Kahrs. Dann hätten er und seine Partei nicht nur 20 Prozent, sondern womöglich soviel wie Sanders oder Corbyn. Dafür müsste er aber seine Partei austauschen. Das kann ja keiner wollen. Schon gar nicht BILD. Dann schon lieber den GAU (14,3 Prozent?), aber weiter mit den ganzen Johannes Kahrs.

Goldkalb

Kennen Sie Wilhelm Hoegner?
Nein.
Er war mal ein sozialdemokratischer bayrischer Ministerpräsident, obwohl er der damals noch linken SPD angehörte.
Nein.
Doch.
Heute steht die SPD in Bayern in Wählerumfragen bei 14%.
Nein. Das glaube ich nicht.
Doch, so ist es. Es gibt eben immer noch SPD-Wähler. Die vierzehn Prozent wählen noch immer stur SPD, weil sie in ihrer Verblendung glauben, die SPD sei immer noch die Partei, die sich für Gerechtigkeit auch gegenüber den Schichten einsetze, denen es fortwährend schlechter geht.
Man kann das geradezu als bösartig ansehen, da doch die SPD wie die anderen sozialdemokratischen Parteien gerade energisch ihre Selbstauflösung betreibt.
Nein, der politische Selbstmord gründet nicht darin, dass sie mutig die Umfragewerte ihres Vorsitzenden Gabriel ignoriert und ihn zum Kanzlerkandidaten küren will – es könnte durchaus vernünftig sein, an einem Kandidaten festzuhalten, der für das Richtige eintritt, wenn auch die Wähler es nicht erkennen wollen. Bösartig ist es vielmehr, dass sie in ihrer Verblendung die europäischen Sozialdemokraten daran hindern wollen, zielstrebig an ihrem Untergang zu arbeiten. Ob Blair, ob Schröder, ob Hollande – „sie ließen sich von ihrem politischen Gegner aufsaugen … Anstatt das System herauszufordern, haben sie sich zum aktiven Teil dieses Systems gemacht. Deswegen besteht kaum Hoffnung, dass die europäische Sozialdemokratie überlebt. Sie ist nicht mehr zu retten,“ sagt die belgische Politologin Chantal Mouffe und steht mit ihrer Meinung nicht allein.[ref]in der SZ 29.12.16[/ref]
Die Tendenzen ähneln sich weltweit: Bernie Sanders hätte in den USA  – das sagten Umfragen – bei den Wahlen gute Chancen gehabt, aber warum um Himmels willen sollte jemand Hillary Clinton wählen? Da haben sie lieber gleich direkt die Wall Street gewählt.

Keine Ahnung

Seit Jeremy Corbyn an der Spitze von Labour steht, ist sie mit mehr als einer halben Million Mitgliedern die größte Partei Europas. Unter Blair war die Partei von den Konservativen „kaum unterscheidbar“[ref]Christian Zaschke in den „Süddeutschen Zeitung vom 29.9.16. S.3[/ref]. Laut ,sämtlichen Umfragen’ hat sie keine Chance, die Wahlen zu gewinnen. So stellt Christian Zaschke in der „Süddeutschen Zeitung“ die ,alte Frage’: „Ist es wichtiger, an seinen Idealen festzuhalten oder wählbar zu sein?“
Gute Frage?
Auch eine Frage: Hat man noch eine Wahl, wenn die Parteien ,kaum unterscheidbar’ sind?
Überflüssig dagegen die Frage: Warum sind die Wahlen für Labour, sobald sie sich von den Rechten unterscheidet, laut ,sämtlichen Umfragen’ nicht zu gewinnen?
Einfach keine Ahnung?