Alles ist irgendwie …

Ein gewisser Jürg Acklin freute sich jüngst öffentlich, dass die Schnulze salonfähig geworden sei. Denn sie war schon immer „gute Musik“. Es bestehe „die Chance, dass auch die gebildeten Kreise ohne einen höheren Alkoholspiegel aus voller Brust im Auto mitsingen“. „Sie müssen sich nicht mehr schämen.“ Danke, lieber Jürg, für diesen Dispens. Endlich ohne Scham uns Silvester rhythmisch klatschend suhlen im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm, Silvesterstadl und ZDF-Hitparade, oder mitgröhlen zur “Ultimativen Chart-Show” bei RTL – ach, was kann schöner sein!
Schämen müssen wir uns auch nicht mehr für die Primitivsprache und/oder den „neuartigen Sprachgebrauch“, der nicht mehr „fehlerhaft“ oder „falsch“ sein kann, weil die Sprache bzw. die Sprachnorm sich bekanntlich wandelt. Damit ist auch die soziale Ausgrenzung der Analphabeten bei den Journalisten endlich abgeschafft. Auch der absurde Kampf zur Rettung des Genitivs ist gewonnen, indem wir einfach auch sämtliche den Dativ regierenden Präpositionen mit des Genitivs verwenden.
Und schließlich empfinden wir es natürlich als befreiend, auch völlig undifferenziert selbst das allerallerallerbanalste „Kunst“werk ausstellen und bewundern zu dürfen, da eine der beliebtesten und tiefsinnigsten Aussagen in der Geschichte der menschlichen Kultur ja lautet: „Alles ist Kunst.“