Hilfe für arme Studenten

Warum erwirbt jemand eine nicht besonders profitable Zeitung, obwohl er mit seinem Geld anderweitig mehr Geld verdienen kann? ((vgl. Beitrag “So wie andere Pfeifen” vom 28.6.2913)) Tja, solche Fragen lassen selbst sämtliche Schlotterdijks erstarren!!
Warum haben in den USA einige Milliardäre sich die Presse und andere Medien, wie z.B. Fox News, angeeignet? Warum versorgt uns Friede (!) Springer weiter mit der Bild und der Welt, obwohl sie ihre anderen zu wenig profitablen Zeitungen abgestoßen hat? Aus Sorge, die Massen vor Fake News zu bewahren?
Gerade jetzt wieder sorgt sich die Deutsche Bank um Deutschlands Stabilität und will  die Deutschen davor bewahren, sich ein falsches Bild von der Wirtschaft und ihren ,Gesetzen’ zu machen, indem sie der intellektuellen Kaste der Studenten, und zwar auch derer, die nicht die BILD-Zeitung lesen, ein Freiabonnement der „Wirtschaftswoche“ spendiert. Da möchte man sie herzen, die Deutsche Bank, für ihr Engagement trotz angespannter finanzieller Lage (immerhin 700 Millionen Minus). Solch kämpferischer Einsatz für die “Armen” (Studenten), die Demokratie und endlich für die Freiheit, auch die Freiheit von viel zu hohen Steuern, und für das Verständnis ihrer unter den hohen Steuern leidenden “gehobenen Mittelschicht” (Friedrich Merz, Jahresverdienst ca 1 Million und u.a. Aufsichtsrat Papus Bierdeckel GmbH) verdient einen Orden.
P.S. Übrigens, Friedrich Merz hat nie gesagt, dass 132 Euro zur Existenzsicherung bei Hartz IV ausreichen (Titel der “Welt”: “Friedrich Merz hält 132 Euro Hartz IV für genug”); er hat in diesem Zusammenhang nur gesagt, dass “manchmal weniger mehr ist”.

Steuern sind irgendwie blöde

Liebe Politik,
seit Jahren zieht ihr immer mehr Steuern ein. Betroffen sind vor allem Arbeitnehmer mit geringen und mittleren Löhnen. Anstatt sie um den gerechten Lohn für ihre Leistung zu bringen, fordern wir ihre Entlastung. Weg mit dem Mittelstandsbauch, dem Solidaritätszuschlag und der kalten Progression.
Gerecht geht nur mit Marktwirtschaft.

Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Liebe ehrliche deutsche Wirtschaftslobby, lieber honoriger Freundeskreis der FDP,

ich bin nur ein Arbeitnehmer mit geringem Lohn ohne Mittelstandsbauch. Aber dafür mache ich selbstverständlich nicht euch verantwortlich, sondern nur mich selbst. Ich bin eben nicht der Klügste. (Sonst könnte ich ja genauso im Geld baden wie ihr.) Deshalb sprechen mich auch eure teuer finanzierten Anzeigen sehr an. Dass das große Geld sich so selbstlos für soziale Gerechtigkeit und für die kleinen Leute einsetzt, was es doch gar nicht nötig hat, hätte ich nie für möglich gehalten. Dafür werde ich euch aber auch ewig dankbar sein.
Die kalte Aggression ist sicher sehr schlimm und gehört auf jeden Fall abgeschafft. Das wird sicher eine enorme Bereicherung.
Ich persönlich bin auch überhaupt dafür, dass ich möglichst viel Geld bekomme. Dass ich Steuern zahlen soll, habe ich noch nie richtig eingesehen. Steuern sind irgendwie blöde, weil sie einem ja Geld wegnehmen. Und wenn mich einer fragt, ob ich lieber mehr oder weniger Geld haben möchte, gehöre ich ganz klar zu der statistischen Mehrzahl der Deutschen, die lieber mehr als weniger Geld haben möchten. Und mal ehrlich: Wozu denn Steuern? Für löcherige Straßen und kaputte Schulen? Zur Unterstützung  unproduktiver Zeitgenossen, wie Rentner und Arbeitslose?  Meinetwegen: Dass Waffen und Soldaten sein müssen, verstehe ich ja gerade noch, aber könnte man die Bundeswehr nicht auch privatisieren, wie die Krankenhäuser und zukünftig die Autobahnen!
Wenn ich dann endlich mein immer weiter wachsendes Einkommen ganz und gar für mich behalten kann, werde ich – das verspreche ich euch hiermit hoch und heilig – nur noch FDP wählen.
Herzlichst
Euer Heini

Von Samaritern und schlauen Jungwähler/innen

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Man kann das soziale Engagement der großen deutschen Wirtschaftsunternehmen für Gerechtigkeit und Fairness nicht genügend bewundern. Statt das Geld zu horten und damit nur den Aktionären und Erben Freude zu schenken, engagieren sie sich als wahre Samariter für die Schwachen und Benachteiligten in unserer Gesellschaft. Ein rührendes Beispiel bieten die Anzeigen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die damit viel Geld ausgibt, um die junge Generation vor der Armut zu schützen, die ihnen die „Alten“ zugedacht haben.

 

insm_familie_rentengeschenk_motiv_hochAllerdings gibt es das Problem, wem die “lieben Jungwähler und Jungwählerinnen” ihre Stimme geben sollen, den Parteien der Großen Koalition offenbar nicht. Also den Grünen oder gar den Linken? Verlass wäre jedenfalls auf die FDP. Also nun mal ehrlich, es geht natürlich nicht um Klassenkampf, Besitzwahrung gegen Forderungen nach höheren Abgaben, sondern die Unternehmer nehmen Partei im gnadenlosen Kampf der Generationen. Und die junge Familie auf dem Foto, die heute noch in ihrer blitzsauberen Komfortküche steht, guckt nicht etwa deshalb so unfroh, weil sie fürchten muss, irgendwann von ihrer Rente kaum leben zu können. Denn: “Eine gute Ausbildung, ein ordentlicher Berufsabschluss sind immer noch der beste Schatz gegen Altersarmut.”[ref]Thomas Öchsner In der “Süddeutschen” 27.10.16[/ref] Man fragt sich, warum dieser Ausspruch bei einer von ihrer Rente lebenden Krankenschwester so wenig Begeisterung auslöst.
Am Schluss noch eine Stimme der “lieben Jungwähler und Jungwählerinnen” :
Altersarmut? Betrifft mich nicht! Wieso? Dumme Frage! Weil ich nicht alt bin!
Was? Junge werden auch mal alt? Das ist doch Schwachsinn! Nie und nimmer!

Zigarrenmangel bei Gerhard Schröder?

Was soll er machen? Gazprom hat offenbar wegen der Russlandsanktionen weniger Geld für ihn. Kann da nicht sein alter – ehemaliger – Parteifreund Wolfgang Clement von der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ einspringen? Diese von den Arbeitgeberverbänden finanzierte Organisation kann viel Geld für ihren Kampf ausgeben, für die Freiheit der Märkte (Kampagnenzitate: „Märkte müssen sich öffnen.“ vom beliebtesten Deutschen Helmut Schmidt oder „Je freier die Wirtschaft, um so sozialer ist sie auch.“ von der Sozialwirtschaftslegende Ludwig Erhard), gegen Mindestlohn, Vermögenssteuer, EEG-Umlage usw. Nun wirbt sie in FDP-magentafarbener Anzeige mit dem Konterfei Schröders und dem Spruch „Eigenverantwortung fördern.“
Da müssten doch ein paar Kisten drin sein der Sorte Diplomaticocs No 2[ref]Nummer eins ist leider, leider ganz aus.[/ref]?!