Des Künstlers Wegweiser zum Erfolg

Aufgepasst, ihr aufsteigenden Künstlerkometen am Markthimmel!
Wer sich als Künstler am Markt behaupten will, muss im Gespräch bleiben. Er muss nichts Originelles, aber Ungewöhnliches tun, damit die Leute sagen: Aha, der nun wieder. Hoho, typisch Künstler!
Ach, das wusstet ihr nicht? Glauben wir nicht! Wir fahren also fort mit unserer kleinen Einführung ins Künstlerdasein.
Man sollte sich ungewöhnlich kleiden,
um Himmels willen möglichst nicht seriös mit Anzug und Krawatte rumlaufen. Das ist langweilig!!!! Jeder echte Künstler weiß das. Nehmen wir z.B. Jonathan Meese: „Im Grunde ist auch er selbst, seine ganze Erscheinung, ein Bild. Das lebende Porträt eines Künstlers namens Jonathan Meese.“ [ref]Ulrike Knöfel Der Spiegel 2/15[/ref]Das ist schon mal großartig. Das peppt die Werke um ein paar tausend  Euro auf.
Es hilft auch, wenn man sich zudem ungewöhnlich verhält. Tabus (Hitlergruß) brechen zieht immer.
Aber ein Tabu darf man auf keinen Fall brechen: in Bezug auf seine Kunst von Geld zu sprechen, gar 
zuzugeben, dass man mit seinen Werken ein bohemienhaftes Dasein finanzieren möchte. Einen Künstler darf Geld nicht interessieren; er tut alles nur selbstlos im Dienste der heiligen Kunst. [ref]Das wissen wir seit Spitzwegs “Armem Poeten”. Der hat es sich schön im Bett bequem gemacht. Allerdings zeigt die Location, dass der große Erfolg noch aussteht. Er wird vielleicht nie kommen. In seiner Kunstsparte hängt der Erfolg nämlich viel vom Zufall ab, und es hätte dem Poeten beim Verleger wenig geholfen, einen Journalisten zu einer Lesung zu bestellen und dann z.B. als Häschen verkleidet aus seinem neuesten Werk lesend auf den Händen rückwärts die Treppe hinunter zu hüpfen und dabei mit dem Hintern Seifenblasen zu erzeugen.[/ref]
Als Vorbild kann hier wieder Jonathan Meese dienen.
Interviewfrage an den Künstler Meese:
Viele Künstler sprechen über Geld, als sei es etwas Schlimmes, Schmutziges.
Meese: Das sagt man ganz oft, wenn man erfolglos ist. Das habe ich auch gesagt. Wenn man das Geld dann verdient, merkt man, dass es egal ist.[dropdown_box]
Interviewfrage: Die Gemälde kosten fünfstellige Summen, die Preise nehmen Sie sicher ernst.
Meese: Das interessiert mich schon, aber ich vergesse es sofort wieder. Das darf mich nicht belasten. (…) Das ist für andere vielleicht von Belang. Für mich gar nicht.
(…) Das ist nicht schlimm. Geld ist nicht schlimm. (…) Für meine Mutter ist es wahnsinnig wichtig, dass ich Erfolg habe. Als das Geld floss, war meine Mutter glücklich. (…)
Ein WK (“wahrer Künstler”)
macht nichts wegen des Geldes, sondern ausschließlich alles für die heilige Kunst.
Hören wir Meister Meese: „Ich muss produzieren, das ist ein notwendiger (!) Zwang, der zu meinem Leben gehört. Ich mache es für die Sache der Kunst. (…) Ich bin ein Kunstsoldat. (…)
Der Künstler kann nur ein Soldat sein, nichts anderes. Ein Soldat für die Kunstherrschaft. (…) Ich will schon die totale Wirkung erzielen (…) Ich will aus dem Atelier heraus torpedieren und bombardieren. (…) Ich wurde nach Bayreuth eingeladen und habe das als Aufforderung gesehen, die totale Kunst auszurufen. Ich hätte dafür gesorgt, dass sich Bayreuth ausdehnt. Vielleicht so groß wie Deutschland, wie Europa, vielleicht so groß wie die Welt.“
Der Künstler kann gern kompletten Schwachsinn reden, ohne deswegen witzig zu sein – es stärkt nur seinen Ruf als Genie:
Meese macht es vor: „In keinem anderen Lebensbereich außer in dem des erwachsenen Menschen gibt es Politik. In der Natur nicht, bei den Tieren nicht, bei den Kindern nicht. (…) Sie hat immer versagt. Ist immer untergegangen. (…) das ist anti-evolutionär, das ist schwachsinnig. Es tut mir leid. (…) Tiere haben keine Parlamente oder Kirchen. Vulkane auch nicht. (…) Das Ideal ist die
Zukunft. Komme, was wolle, wie auch immer sie ist. (…) Die Zukunft braucht etwas Antiideologisches und Politikbefreites. Dann kann die Zukunft sich an uns abspielen. Dann kommt die Diktatur der Kunst. Die Kunst wird Herrscher. Die Kunst wird Oberbefehl. (…) “[ref]Zitate aus der SZ Interviewserie “Reden wir über Geld” 9.6.16[/ref]
Phantastisch! Ist das nicht echt genial?![/dropdown_box]