Ersetzt Klöckner bald Steinmeier?

Der einstige – vor gut sechzig Jahren – Landwirtschaftsminister Heinrich Lübke war an sich schon keine Leuchte, was immer mal wieder für Heiterkeit sorgte 1, und litt zudem unter fortschreitender Zerebralsklerose. Da dies selbst in seiner Partei, der CDU, einigen aufgefallen war, suchte man nach einer Lösung. Aufgrund seiner weißen Haare hatte er das Aussehen eines würdigen Greises und schien daher für ein repräsentatives Amt geeignet. Und schwupps hatte man ihn zum Bundespräsidenten befördert.
Werden wir bald eine Julia Klöckner, zwar nicht weißhaarig, aber als ehemalige Weinkönigin (!) immerhin von reizendem Äußeren, als Bundespräsidentin erhalten?

Wir müssen das differenziert anschauen.

Hurra! Wir haben eine neue Landwirtschaftsministerin. Es ist – schmackel, schmackel bunz, bunz!! – Julia Klöckner, die ehemalige Weinkönigin (oder war sie nur Prinzessin?). Sie ist nicht nur von Traubenadel, sondern auch nicht nur nicht korpulent, sondern auch äußerst kompetent, denn – hört! hört! -: „Ich bin auf einem Hof groß geworden.“ Zwar hatte sie von Gülle und Kuhscheiße wenig am Hut, es war nämlich ein Winzerbetrieb, aber auf dem Foto, das die „Süddeutsche Zeitung“ ihrem Interview beifügte ((Foto Tobias Koch/CDU Rheinland-Pfalz)), sieht man sie mit zwei ausgesucht prächtigen, gar nicht korpulenten  Kuhärschen auf einem Hof der Milchwirtschaft. Sie ist zwischen den Ärschen in der Mitte die Blondine, die Gummistiefel trägt und sich gerade, auf eine Art Mistforke gestützt, offenbar sich einen Augenblick von schwerer Arbeit erholend. Das Foto lässt uns hoffen. Denn sie muss äußerst akkurat gearbeitet haben: Sowohl die rosa Bluse mit weißem Kragen als auch die frisch gewaschene Jeans strahlen vor Sauberkeit. Alle Achtung! Sauber!
Frau Klöckner, die sehr fotogen zu lächeln weiß und auch ihre intellektuelle Qualität einst als Quizprinzessin bewies ((http://www.t-online.de/unterhaltung/tv/id_79645842/-wer-wird-millionaer-julia-kloeckner-blamiert-sich-bei-jauch.html)), offenbart im Interview eine geradezu unheimlich anmutende strahlende Weisheit.[htsP anchor_text = “Weiterlesen”]
Auf die von den Interviewern anscheinend als Besorgnis erregend angeführte Tatsache des dramatischen Insektenschwunds, die sich für jedermann sichtbar darin zeige, dass „selbst nach einer langen Autofahrt die Windschutzscheibe noch sauber ist“, kontert sie: „Kommt natürlich drauf an, zu welcher Jahres- und Tageszeit Sie unterwegs sind.“ Whow! 1:0 für Frau Klöckner!
Als die Journalisten jedoch, mit dieser anscheinend als verharmlosend empfundenen Antwort unzufrieden, darauf verweisen, dass Forscher einen Insektenschwund um 75 Prozent selbst in Naturschutzgebieten festgestellt haben, zeigt Frau Klöckner, dass sie nicht dumm ist: „Ich weiß, was Sie damit sagen wollen: Haben wir noch diese Insektenvielfalt?“ Möglicherweise vermisst auch die sensible Ministerin schmerzlich den Kreuzdorn-Zipfelfalter oder den Leinkraut-Scheckenfalter. Aber – das zeichnet sie aus wie keine andere – sie will „nicht in Frontstellungen denken“. Das ist wahrhaft sehr verdienstvoll, und die Agrarindustriellen danken es ihr gewiss. Denn es ist doch im Grunde so: „Umweltschützer haben ihre Erwartungen, Verbraucher haben unterschiedliche Erwartungen.“ Man dürfe aber auf keinen Fall „behaupten, dass die Landwirtschaft an allem schuld sei.“ Recht hat sie, denn wo sollte z.B. die Schuld der Landwirte an  den Problemen mit dem Berliner Flughafen liegen?
Ihre Aufgabe als Landwirtschaftsministerin sieht Frau Klöckner eben in erster Linie als die einer Landwirtversteherin, und als solche muss sie  aufklären, aufklären und nochmal aufklären, denn: „Gerade in Städten gibt es sicher Bürger, die mit der Landwirtschaft im Alltag nicht viel zu tun haben.“ Volltreffer! Ja, wer könnte dies leugnen! Es wird allzu oft vergessen. Aber gut, dass es mal jemand sagt.
In der Frage: „Sollen denn nicht wenigstens die Neonikotinoide verboten werden, diese umstrittenen Insektengifte“, die der Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als hochgefährlich eingeschätzt hat, erkennt die kritische Ministerin sofort die Voreingenommenheit der Interviewer: „Warum sagen Sie ,wenigstens’? Klingt voreingenommen.“ Sie aber thront zum Glück über solchen Vorurteilen und erklärt: „Nicht Stimmungen, sondern Fakten sollten uns leiten.“ Es ist nämlich so: „Die Gründe für den Rückgang (der Insekten bzw. speziell der Bienen) liegen nicht nur in der Landwirtschaft. Es gibt zum Beispiel Lichtverschmutzung. … Wir müssen weg von den stimmungsgeladenen Zuschreibungen.“ Deshalb will sie auch „das Umweltministerium und das Landwirtschaftsministerium versöhnen“. Endlich Frieden. Ach, das ist schön!
Auch sei es falsch, wenn ein Wissenschaftler ,alarmiert’ ist, weil die Zahl der Vögel seit 1800 um 83 Prozent zurückgegangen ist. Ihm muss man ganz klar sagen: Alarm ist gar nicht gut. Denn: „Alarmismus und Angst sind schlechte Ratgeber für Politiker.“ Klöckners gute Ratgeber dagegen kann so leicht nichts erschüttern.
Und: „Ich weigere mich, der Landwirtschaft alles ungeprüft in den Schuhe zu schieben. Wir müssen das differenziert anschauen.“
Oh ja![/htsP]