Ei der Daus!

„Die Abendsonne wirft letzte Strahlen auf die Dorfkirche, die Berge dahinter liegen schon im Schatten. Auf dem Dorfplatz … “
Leider erhält der Leser keine weitere Informationen, z.B. über den Aufenthaltsort Bambis oder darüber, ob noch eine Lerche halb im Traum noch ein letztes Tirili ertönen lässt oder aus dem Blätterrauschen der Linde ein sanftes Lied erklingt. Statt dessen erfährt er von einem „kleinen Kunststück“: „Ausgerechnet jene Schweizer Partei, die neben ausländerfeindlichen Parolen bekannt ist für ein eher rückständiges Frauen- und Familienbild, hat es geschafft, eine erfolgreiche Unternehmerin und Mutter von drei Kindern zu ihrer Vorzeigefrau zu machen“, nämlich Frau Martullo-Blocher. Dabei ist sie – wie man gleich im ersten Satz erfährt – sogar „kleiner als ihr“ – bereits als Unternehmer und Politiker der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei mächtiger – „Vater“ Christoph Blocher.
Ja, ei der Daus! Wie konnte das geschehen? Der Leser muss einige Zeit grübeln, bis er erfährt (einundsachtzig Zeilen später), „dass das Geld der Unternehmerfamilie Blocher eine nicht unwesentliche Rolle bei ihrem Aufstieg spielt. Es steckt inzwischen in einigen Medienunternehmen, die Vater Blocher in den vergangenen Jahren gekauft hat.“ (Isabel Pfaff: Auf dem Weg zur Dynastie. Süddeutsche Zeitung 18.10.19)
Beste Journalistenschule!

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Der aufklärerische “Samstagsessay” der „Süddeutschen Zeitung“ (22.10.16) verdient jeden Preis:
“Der Transparenz-Wahn
Die Kritiker von Handelsabkommen und privaten Schiedsgerichten fordern totale Information. Das ist besorgniserregend. Denn der Wunsch, alles offenzulegen, führt in eine Kontrollgesellschaft, in der sich alle misstrauen.”
Sei gepriesen, oh Büschemann[ref]So heißt der mit weitblickender Vernunft begabte Autor.[/ref], dass du uns aus unserem Wahn erweckst. Dank sei vor allem auch der “Süddeutschen”, solche extrem originellen Meinungen nicht von vorneherein als völlig blödsinnig abzulehnen.
Es ist eben “Qualitätsjournalismus auf höchstem Niveau.” (Werbung der Süddeutschen Zeitung)
Überschriften aus derselben Ausgabe :
“Monsieur Magnette geht bis zum Ende
Die Wallonen sind immer noch nicht überzeugt vom Freihandelskommen CETA”.
Verdammt! Immer noch nicht? Nun, wird es aber Zeit! Sind die denn so schwer von Begriff: Überzeugungsarbeit wurde doch genug geleistet.
Auf der Reportage der “Seite drei” fragt die Zeitung: “Wer sind diese „Reichsbürger“? Militante Querulanten? Rechtsextreme? Oder einfach nur Spinner? Annäherung an ein bizarres Milieu”
Hier werden wir doch ein wenig ängstlich: Ist es das Programm der “Süddeutschen”, sich den rechten Spinnern anzunähern?
“Nein, nein und nochmals nein” – das ist keine Antwort auf unsere Frage, sondern die Überschrift eines Artikels über die Haltung unseres Schäubeles zu den finanziellen Hilfen für Griechenland. Sollte hier wirklich leise Kritik angedeutet sein an der Sturheit unseres Finanzministers, der versprochen hat, dass der IWF sich an den finanziellen Stützen für Griechenland beteiligen werde, und der erneut sehen muss, dass der IWF weitere Zahlungen verweigert, weil er diese nur bei einem Teilschuldenerlass für sinnvoll hält? Auch eine solche Andeutung von Kritik würde uns ein wenig beruhigen.

Übernimmt Friede Springer die „Süddeutsche Zeitung“?

„Merkels überragender Sachverstand wird weltweit nur bewundert” als Titel eines Zeitungsartikels, in dem man, wenn man weiterliest, erfährt, dass der Generalsekretär der CDU Hermann Gröhe auf einer Wahlkundgebung die Kanzlerin mit diesen Worten gerühmt habe – wäre das seriöser Journalismus?
In der SZ vom 11. Juli 2013 die Überschrift: „Teure Versprechen. Fast alle Parteien wollen nach der Wahl Steuern und Sozialausgaben erhöhen, um so mehr Geld für Straßen, Brücken oder eine bessere Pflege ausgeben zu können. Doch Wissenschaftler warnen: Die neuen Belastungen könnten Arbeitsplätze kosten.“ Im Artikel selbst erfährt der Leser: „Sollten die […] Parteien ihre Wahlprogramme umsetzen, wird das nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts für Wirtschaft (IW) Hunderttausende Arbeitsplätze kosten. Mit Ausnahme der FDP wollen demnach alle Parteien den Bürgern und Unternehmen milliardenschwere Belastungen in Form von höheren Steuern und Sozialabgaben zumuten“ – ist das seriöser Journalismus?
BILD hätte das nicht besser machen können.