Steine werfen im Boss-Anzug

„War es klug, die Separatisten einfach als ,Terroristen` einzustufen? Oder war es so dumm wie die russische Propaganda, die in Kiew nur Faschisten am Werk sieht?“ – „Erst wenn die Hassparolen und Schuldzuweisungen langweilig geworden sind, werden beide Parteien in Ruhe darüber nachdenken; was sie eigentlich wollen. Will Putin die Ukraine spalten, destabilisieren oder nur vom Nato-Beitritt abhalten? Will die Regierung in Kiew nur jeden Tag dokumentieren, wer an der ukrainischen Misere schuld ist, oder will sie dieses Land in eine friedliche Zukunft führen?“ (Erhard Eppler in der SZ)
Putin ist kein „lupenreiner Demokrat“, aber es könnte sein, so Matthias Platzeck, dass „wir uns noch nach Putin zurücksehnen.“ Sanktionen ermöglichen es ihm, sie als Ursache für den Rückstand des Landes zu erklären. Eine Destabilisierung des Landes könnte verhängnisvoll sein: „Putin darf nicht in einer Falle sitzen, sonst randaliert er.“
„Es hat elendiglich lange gedauert, bis die Europäer erkannt haben, dass […] das Verständnis gegenüber der Gewaltpolitik des russischen Präsidenten, das manchmal die Grenzen der Selbstachtung überschritt, zu nichts anderem führte als zu einer weiteren Eskalation […]“ (Joschka Fischer in der SZ)
Nun hat es „elendiglich lange gedauert“ und unendlich viel Mühe gekostet, bis der Joschka endlich in Sprechstil und Outfit, in Boss Anzug und Weste, sagenhaft seriös wirkte. Aber das Steinewerfen kann er nicht lassen.

Alte Hausmittel

Wie beseitigt man Grünflecken?
Gallseife, und zwar richtig dick damit einschmieren und dann ab in die Maschine.
Auch Essigessenz, Glyzerin oder Spiritus. Achtung: Mit Spiritus ist Alkohol gemeint, nicht etwa Geist.
Bei Joschka Fischer hat es super gewirkt.
Wie beseitigt man alte Turnschuhe?
Man zieht einen seriösen Hugo-Boss-Anzug an, bindet sich eine seriöse Louis-Vuitton-Krawatte um, setzt eine Porsche-Design-Brille auf die Nase, streut vor exklusiv seriösem Publikum in seine Rede viele „Äh“s und Pausen ein, als wäre man schwer am Nachdenken, begießt sich mit einer Flasche Joop Thrill Man, so dass die Scheiße unter der Brunello-Cucinelli-Schuhsohle kaum mehr zu riechen ist, tränkt die stinkenden Turnschuhe mit etwas Dom Perignon und versenkt sie in der Kloake von St Tropez.[dropdown_box]
Nun müsste Herr Fischer eigentlich nur noch den biederen Vornamen Joschka loswerden, aber schon jetzt kann er wie ein seriöser Elder Statesman in der SZ schwadronieren: „Lange , viel zu lange ist der Westen Illusionen über Putins Russland aufgesessen. Dabei hätte man es schon seit Langem besser wissen können, ja müssen.“ Wie Joschka! Der wusste es schon immer – im Gegensatz zu den „Putin-Verstehern“, die „nicht zum Frieden, sondern zu einer Eskalation der Krise beitragen“. [ref]Auch Jens Bisky “nervt” es in der SZ, dass es angeblich “Mode geworden”sei, “Verständnis für Putin zu äußern”. Was den ganz aufgeklärten Bisky ganz wuschig macht, ist der “halb-aufgeklärte Umgang mit Geschichte”. Um diesen zu denunzieren, greift er zum beliebten Trick, die Position des Gegners zu entstellen: Da “die Krim für die russische Seele so wichtig ist, blieb Putin doch gar nichts anderes , als sich einen Dreck um Verträge zu scheren und mit dem Recht des Stärkeren Grenzen zu korrigieren.” Allerdings, da soll die Putin-Versteher doch verstehen, wer will! Sancta simplicitas! Übrigens befürchtete bereits 2008 Rolf Hochhuth einen “Weltkrieg”, weil die Russen die Ukraine nicht in der Nato sehen wollten. (Fritz J. Raddatz: Tagebücher 2002-2012. Reinbek 2014. S.45)[/ref] “Denn Putin, weiß Joschka , begreift nur eines: Härte! „Sanftheit wird in Moskau als Ermutigung begriffen.“ Solche tollen Sachen hat er in den USA gelernt.
Dann mal los! Das gute, alte Hausmittel! Wirkt immer!
„Die Selbstgefälligkeit der Politik des Westens in der Ukraine-Krise ist ärgerlich und gefährlich,“ schimpft der Schriftsteller Ingo Schulze in derselben Ausgabe der SZ und erregt sich über die abfällige Verwendung des Wortes „Putinversteher“.[/dropdown_box]