Neues Format für Günter Jauch: Wer wird Heuchelkönig?

Seine Talkrunde vom Sonntag gibt Günter Jauch auf; er hat eingesehen, dass sie überholt ist, und fühlt sich ziemlich genervt, denn es ist zwar die Position der Regierung personell immer in ausreichendem Maße vertreten, aber meist ist da trotzdem auch jemand, der dauernd widerspricht. Seine neue Sendung ist der alten nicht unähnlich. Das Personal bleibt das gleiche; es gibt wieder die Runde mit Politikern und dem volkstümlichen Jauch. Aber – das ist neu – am Ende wird der größte Heuchler gekürt und bekommt eine Million vom IWF. Einige Politiker, denen ihre Popularität nicht genügt, üben schon: Jean Claude Juncker, Martin Schulz und natürlich auch der allseits überaus beliebte Sigmar Gabriel. Und wie nicht anders zu erwarten, sehen wir eine phantastische Performance von allen. Momentan haben sie aber auch – bei der Auseinandersetzung mit der griechischen Regierung – hervorragende Trainingsmöglichkeiten.[dropdown_box] So klagen sie nicht nur erschütternd, sondern weinen fast, weil sie von Tsipras und der griechischen Regierung menschlich so tief enttäuscht, so übel hintergangen wurden. Auch andere Kandidaten geben ihr Bestes: Man weiß gar nicht so recht, was man glauben soll: Zittern sie vor Erschütterung oder in ohnmächtigem Zorn. Sie machen das super! Eine Mischung aus Bud Spencer und der unvergessenen tränenreichen Maria Schell. Wären sie doch nur persönlich anwesend, wie gerne würde man ihnen Trost spenden, sie in die Arme nehmen und ihnen den Kopf streicheln. Und ganz doll hauen möchte man die bösen Griechen!
Da hätten die netten Politiker den Griechen doch tatsächlich 35 Milliarden Euro angeboten, um die griechische Wirtschaft anzukurbeln, und es seien weder Lohn- noch Rentenkürzungen verlangt worden. So sehe, wir erfahren es hautnah, eben Solidarität aus, Humanität über alle ideologischen Unterschiede hinweg – auch gegenüber dem Klassenfeind, den Kommunisten, wie Volker Kauder die Syriza und wohl auch Sarah Wagenknecht nennt! Nein, ihr Lieben, das war “kein stupides Sparpaket” (Juncker). Nein, selbstverständlich nicht. Wer käme denn auf eine solche Idee: stupides Sparpaket?! Ein Sparpaket, das weiß jeder Deutsche, kann nie stupide sein. Wir können uns nichts Schöneres ausmalen als eine schwarze Null. Man kann sich in ihren Anblick versenken, Kraft schöpfen aus diesem runden, harmonischen Gebilde.
Aber diese griechischen Rentner versteht man nicht, die man zwar – naja – durch Erpressung, aber doch letztlich zum Guten der ganzen Welt in Verzweiflung stürzt, indem man den Griechen zeigt, was man mit ihnen machen kann, wenn sie nicht gehorchen und die Sparmaßnahmen akzeptieren. Im Gegenteil, wenn die das Spardiktat nicht akzeptieren wollen, dann ist das Erpressung! Hallo, welch toller Einfall! Bewundernswürdig! Und wenn die mageren Gestalten, die ja nicht einmal mehr richtig gehen können mit ihren Krückstöcken, wenn die verzweifelt genug sind, werden sie sich vom Bösen ab- und dem Guten zuwenden.
Haha, es sei doch völlig unverständlich, was diese ,schrillen’ Kommunisten treiben: Es seien weder Lohn- noch Rentenkürzungen verlangt worden. Klar, man weiß: diese Griechen haben einen sozialen Fimmel; nur nicht die Armen noch ärmer machen. Aber die Kandidaten zeigen sich ja tolerant bis zur Selbstverleugnung und kommen den Griechen entgegen, wo sie nur können, und zwar gegen ihre auf wirtschaftlichen Sachverstand gegründete Überzeugung. Also, den Gesundheitsbeitrag für Renten von 4 auf 6% anzuheben, nachdem die Rentenseit Beginn der Rettungspakete sieben Mal gekürzt wurden, die sog. solidarische Unterstützung (EKAS) phasenweise einzustellen und damit die Renten weiter zu kürzen sowie die Mindestrente bis 2021 einzufrieren – das sind doch Bagatellen! Da soll sich der Tsipras mit seinen Wahlversprechen mal nicht so haben.
Und der überragende Sachverstand der Schäubles, von dem ein Varoufakis nur träumen kann, sagt ihnen und natürlich auch dem begeisterten Publikum, dass die für den Tourismus und die Binnennachfrage wichtige Tourismusbranche künftig mit dem höchsten Mehrwertsteuersatz von 23% (anstatt 13%) belastet werden sollte. Das werde den Fremdenverkehr, Griechenlands wichtigste Einnahmequelle, ankurbeln und so den Schuldendienst erleichtern. Ein Mordsspaß! Und dass die wunderbaren 35 Milliarden eigentlich nur die förderfähigen Zuschüsse umfassen, die Griechenland in den Jahren 2014 bis 2020 aus dem Strukturfördertopf der Europäischen Kommission abrufen könnte – und zwar wie andere Länder auch -, das ist zwar kein Zugeständnis, das beim Verhandlungs,partner’ Euphorie auslösen könnte, aber irgendwie großzügig hört es sich doch an, obwohl die Griechen bekanntlich an Geldmangel leiden und deshalb die notwendige Cofinanzierung für den Abruf dieser 35 Milliarden ohnehin nicht zahlen können. Ach, ihr Füchse!
“Wie müssen jetzt deutlich machen, wer die Verantwortung trägt für die Entwicklung. Es ist nicht das Versagen der EU.” (Elmar Brok) Juchuh! Nur Kommunisten nehmen schmutzige Wörter in den Mund, wie “Umschuldung” oder “Schuldenschnitt”. (Naja, Frau Lagarde und sogar Herr Steinbrück tun das schon mal. Aber das sind vielleicht Kryptokommunisten, die irgendwann aus dem Untergrund hervorbrechen werden, um alles zu zerstören.) Nein, ein Schuldenschnitt, das wäre allenfalls mit einer konservativen Regierung nach Syriza möglich, sei sie auch noch so korrupt. Denn damit käme Griechenland wieder auf die Beine, könnte womöglich Teile seiner Schulden zurückzahlen. Vor allem müsse man aber die Dinge eben weitsichtig, globalpolitisch betrachten: Wenn die Rettung unter einer linken Regierung geschähe … In Spanien wartet schon die Podemos darauf, die “nachweislich hochkorrupte PP”[“Süddeutsche”7.7.15[/ref] des momentanen Premiers Rajoy (24% Arbeitslosigkeit) abzulösen.
Ach nein, wie traurig sei es doch, was diese griechischen Kommunisten mit ihrem Volk anstellen. Aber Rettung sei in Sicht! Jetzt kriegen sie erstmal ein ordentliches Sparprogramm!
Wer wird Heuchelkönig? Es geht um Millionen. Demnächst im Programm.[/dropdown_box]

Denkverbot

Herr Jauch, Sie Schelm, das haben Sie aber wieder fein gemacht!
Hatte acht Tage vor den Hamburger Bürgerschaftswahlen Herr Plasberg die sexy Beine der Hamburger FDP-Spitzenkandidatin Frau Suding doch nicht einladen dürfen – auf den FDP-Seiten im Internet hatte man schon gejubelt – und sie durch Christian „Porsche“ Lindner – immerhin auch eine eloquente Schönheit – ersetzt, so hat nun der schelmisch-schlaue Herr Jauch acht Tage vor der Bremer Bürgerschaftswahl die junge Bremer FDP Spitzenkandidatin Frau Steiner wohl gar nicht erst eingeladen, weil er es womöglich nicht gedurft hätte, sondern gleich “die Beine”. Da die FDP in Bremen bisher bedeutungslos und in der Bürgerschaft nicht vertreten war und momentan um die 5% dümpelt („Zitterpartie“ Handelsblatt) und möglicherweise die Stimmen der vermögenden, aus angeborener Gier grundsätzlich allen Steuern abgeneigten – denn die könnten den schnellen Zuwachs der Vermögen hindern – CDU-Leihwähler nicht genügen könnten, geht es – ob das der gekonnt naiv guckende Herr Jauch vielleicht weiß? – um viel, nicht nur für die FDP, die bei zweimal auf einander folgendem Überspringen der Fünfprozent-Hürde wieder wählbar erscheinen könnte, sondern auch für ihre Freundin, die Bundes-Christen-Partei. Thema der Sendung war aber beileibe nicht die Bremer Bürgerschaftswahl (auch nicht etwa die Abschaffung der Steuern und Gewerkschaften[ref]Frau Suding hat sich sogar – man höre und staune: die neue FDP! – zur Existenz der Gewerkschaften nicht ablehnend geäußert.[/ref]).
Ach, ihr Schelme! Hört mal! Nur Gutes denken, Böses denken verboten!