Volle Kanone, Herr Pulverscheidt!

Es gibt Menschen, die ersparen sich die Lektüre des Feuilletons der „Süddeutschen“, und solche, die sich die Lektüre des Wirtschaftsteils ersparen. Wegen des Ärgers, der zu Magengeschwüren führen kann. Manchmal kommt es aber doppelt hart.
Wenn plötzlich der Herr Hulverscheidt vom Wirtschaftsteil auf der Medienseite eine arte-Produktion rezensieren darf, wie den heutigen Dokumentarfilm „Macht ohne Kontrolle – Die Troika“ um 21h50. Nachdem er erstaunlicherweise „berechtigte Kritik am Design (!) der Hilfsprogramme: die Milde gegenüber Reichen, die Mitverantwortung großer Exportländer für Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft (Euro-Raum?!), das teilweise arrogante Auftreten von Troika-Beamten gegenüber gewählten Politikern“ zugestanden hat, kritisiert er den Film unter der Überschrift „Finstere Macht“, weil er zu „schwarz-weiß“ zeichne: „Die Frage etwa, was die Griechen selbst zu ihrer Malaise beigetragen haben“ – seiner Meinung nach „den Löwenanteil“ – „stellt er nicht.“ Als wenn BILD die Frage nicht schon längst beantwortet hätte.
Sein Haupteinwand lautet jedoch, dass die Troika nur „politisch vereinbarte, also demokratisch abgesicherte Beschlüsse umsetzt.“ Die bekräftigende Begründung folgt in Form eines Vergleichs: „ Wer sie dafür schimpft, könnte auch der Polizei vorwerfen, dass die Gesetze zu streng sind.“ In vollem Bewusstsein, dass Vergleiche immer hinken und dass sie manchmal wegen ihrer scheinbaren Bosheit zwar heftige, aber doch aufklärerische Reaktionen auslösen können, sei hinzugefügt: Oder kann man etwa die Gestapo für ihre vorbildliche Dienstauffassung – im Dienste einer einst demokratisch gewählten Regierung – beschimpfen?

Es plumpst!

Es ist Faschingszeit. Da sind viele besoffen, auch von sich selbst. Da dürfen sich dann auch irgendwelche Pappnasen als Wirtschaftsexperten verkleiden. Auf der Meinungsseite der Süddeutschen Zeitung meint ein Claus Hulverscheidt ziemlich plump, aber genauso selbstsicher wie das momentan so zornige Hausmännle Schäuble, dass Tsipras seinen Wahlsieg einer “plumpen Verdrehung von Ursache und Wirkung” bei der Beurteilung der griechischen Krise verdanke und dass er das Europa-Engagement der Populisten – ach, ist das ein schönes Wort – Merkel, Schäuble usw. “für eine plumpe Erpressung” missbrauche. Plumps! Auf derselben Seite weist allerdings sein Kollege Matthias Dobrinski auf eine Möglichkeit des Fastens hin, “sieben Wochen intellektuelle Demut”, was ja die Mühe beinhalten würde, auch Dogmen zu hinterfragen und sich nicht auf das bequeme Sofa der vorherrschenden Meinung plumpsen zu lassen.[ref]”Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes), dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.” Kant[/ref] Sollte man es lustig nennen, wenn Pappnasen bei den Medien, z.B. bei NDR Info, aus Pappnasensolidarität arrogante Pappnasen wie den „Wirtschaftsexperten“ (FDP!) Graf Lambsdorff interviewen, und zwar ausgerechnet zu den Problemen Griechenlands in seiner Auseinandersetzung mit den Banken und dem Großkapital, das um sein Geld fürchtet, und der sich – was soll man auch sonst erwarten – arrogant-plump über den krawattenlosen Tsipras und den motorradfahrenden Varoufakis mokiert? Tataa? Tataa? Tataa? Noch ‘n Bier, noch ‘n Korn! Und blendet alles aus, was eure aufgeputschte Heiterkeit verderben könnte, z.B. wie der momentane Klassenkampf von oben angesichts von Verarmung der unteren Schichten und Internationalisierung des Kapitals den Nationalismus mit seinen Ressentiments und seinen falschen sozialen Versprechen hervorbringt! Hoffentlich werdet ihr nicht irgendwann zu spät von euren Plumpssofas aufschrecken. Bei den ursprünglich friedlich mit den Migranten zusammenlebenden Griechen prügeln neuerdings die Faschisten auf „Fremde“ ein. Trallalla!
Der Graf, die FDP, die Liebhaber der Freiheit! Welcher? Fragt die FDP-Wähler in den Villenvierteln Hamburgs – bevor es zu spät ist! Und es muss zum Schluss noch deutlich gesagt werden, und jeder anständige Bürger mit Vorgarten muss es zugeben: Christian Lindner mit Krawatte und Porsche statt Motorrad und auch diese Katja Suding: wirklich schicke Aufmachung!

KatSud

(Foto Robin Krahl cc-by-sa 4.0 bearbeitet)

Das Foto zeigt Katja Suding einmal ganz privat beim Einkaufen. Man muss hier allerdings anmerken, dass Katja, so natürlich sie hier auch wirkt, mit diesem Foto für die FDP in Hamburg kein so hohes Ergebnis erzielt hätte.