Warum?

Wenn etwas Schreckliches, z.B. ein Mord oder ein Unfall, geschehen ist, dann besorgt man sich zweckmäßiger Weise ein großes Schild mit der Aufschrift „Warum?“ und legt dieses feierlich am Ort des Geschehens nieder[ref]Es handelt sich übrigens dabei nur um eine rhetorische Frage, die niemals beantwortet wurde und auf die auch niemand eine Antwort erwartet, etwa in der Art, dass eine unbewusste tragische Schuld aus der Vergangenheit vorliege, z.B. ein Mord am Vater und mit folgender Heirat der Mutter. Nein, sie drückt, so meinen wir vermuten zu dürfen, nur Ratlosigkeit aus, wendet sich anklagend mit einer Geste der Verzweiflung an die unerbittlich unser Schicksal lenkenden Götter.[/ref].
Wir sehen momentan voller Spannung der vorzeitigen[ref]Die um die Hälfte verkürzte Strafe hat nichts mit Klassenjustiz zu tun. Vielmehr rechtfertigt sie sich dadurch, dass  man bei einer so prominenten, beliebten und reichen Person nicht damit rechnen darf , dass sie zum Wiederholungstäter wird.[/ref] Entlassung von Uli Hoeness aus dem Gefängnis entgegen.
Man sah bereits Schilder mit der Aufschrift „Uli, ich halt zu dir“. Ein Schild mit der Frage „Warum?“ wäre hier wohl auch fehl am Platze.

Donnerwetter, so ein Hoeness!

“Donnerwetter, so ein Hoeness!” wird man wahrscheinlich in Zukunft voller Anerkennung sagen. Mal so ein paar Millionen verzocken – einen Hoeness-Fan stachelt das auf zu totaler „Sulidarität“. So einfach die Millionen zum Fenster hinauswerfen zu können, das ist ein Traum – fast so schön wie die Stories von den Stars und Adligen in „Gala“, „Tina“, „Bella“, „Laura“, „Lisa“, „Petra“ „Grazia“, „Neuer Welt“, „Neuem Blatt“ und „Neuer Post“. Die „wolves of Wallstreet“, so hört man, jubeln vor Vergnügen, wenn sie in Scorseses Film sehen, wie man die ,Dummen’ übers Ohr haut und anschließend im Geld badet, von dem man grundsätzlich nie, nie, nie genug haben kann. Ein häusliches Schwimmbad mit den Börsen-Motiven Bulle und Bär auf dem Boden – Donnerwetter, Hoeness! Wir Schwimmbadlosen möchten aber doch auch so gerne jubeln, uns zumindest einbilden, wir lebten in derselben Welt wie all die Hoenesse! Daher sind wir, die kleinen Leute, nicht kleinlich bei Steuersünden der Großen! Kann ja jedem mal passieren, oder? Wir tappen jedenfalls nicht in die ,typisch deutsche'[ref]Politikwissenschaftler Klaus Schroeder natürlich in der “Welt” 27.4.13[/ref] “Sozialneid-Falle”. Dagegen sind wir BILD-Leser zum Glück gefeit! “Diese übertriebene moralische Empörung” findet aber nicht nur der kleine Mann, sondern auch die große und gewichtige Frau Barbara Schöneberger “lächerlich” und meint: “Man muss sich überlegen, ob man nicht die Steuergesetze ändert.”[dropdown_box]
Schlau musst du sein, dann neigen sich dir die Götter zu. Wenn z.B. Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldmann Sachs, „einer der reichsten Banker des Kontinents“ (SZ) in seiner Steuererklärung zu seinen Gunsten Dollar und Rubel verwechselt hat, statt 500 000€ nur 19 000€ Gehalt aus Russland-Geschäften angibt, dann schnalzen nicht nur die Wölfe mit der Zunge: “Donnerwetter, so ein Hoeness!”
Patrick Lindner, Freddy Quinn, Verena Poth, Boris Becker, Michael Ballack – Donnerwetter! Und dann dieser Andreas Schmid vom VIP Medienfonds: 203 Millionen Euro hinterzogene Steuern. Hut ab! Das soll ihm mal jemand nachmachen! Donnerwetter, so ein Hoeness!
Paul Krugman, der nicht im Verdacht steht, ein Linksradikaler zu sein, konstatiert nicht nur („The Undeserving Rich“) den Klassenkampf von oben, sondern setzt sich auch mit der Argumentation der – amerikanischen (?) – Rechten auseinander, nach der der Reichtum verdient sei und die Armut im Grunde auf einem intellektuellen und charakterlichen Defizit der Armen beruhe. Die Reichen seien eben aufgrund besserer Charaktereigenschaften („prudent, clean and sober“) und entsprechendem Einsatz – nein: nicht Einsatz an der Börse – zu ihrem vielen Geld gekommen. Krugman glaubt – wie kommt er darauf? -, das sei ein Mythos.[/dropdown_box]