Eintönig

Grey 1974 Gerhard Richter

Das linke Bild aus der Reihe von Gerhard Richters Grey Paintings – ein englischer Titel von Werken und Ausstellungen gehört nun einmal unbedingt in unsere kosmopolitisch fühlende Kulturwelt! – hat den schlichten, aber treffenden Titel Grey und ist ganz anders als eines der blauen Werke von Yves Klein: allein schon aufgrund der ganz anderen Farbe!
Nichts überzeugt mehr als die ausschließliche Konzentration auf die Farbe: überwältigend!
Außerdem muss man natürlich wissen, dass diesem Werk Richters eigentlich ein wunderbar gelungenes Gemälde der Montagne Sainte Victoire  zugrunde liegt, das er immer weiter abstrahierend übermalt hat. Oder doch nicht?
Leider kann man die ganze faszinierende Ästhetik der Farben in den Bildern von Richter und Klein nur im Original erkennen, das uns selbstverständlich nicht zur Verfügung steht.
Ein Kauf stellt jedenfalls eine hervorragende Geldanlage dar – gerade auch angesichts der exklusiven Höhe der Preise. Die ebenfalls wohlhabenden Freunde des Käufers werden vor Neid erblassen – oder schwarz werden.
Lassen Sie sich jedoch auf keinen Fall das unten abgebildete Werk (Red 103) aufschwatzen. Es ist weder von Richter noch von Klein, sondern gefährlich: es kann unkontrollierbare psychische Prozesse auslösen.
Vom monochromen Meisterwerk “White 17”, eines der am meisten kopierten Chefs d’oeuvre eines unbekannten Meisters (Banksy?), gehen dagegen, soweit bekannt, so gut wie keine negativen Strömungen aus, und es soll auch deshalb den Höhepunkt am Schluss unserer hoffentlich deeply inspiring Darstellung bilden.

White 17

Kunstfälscher sind böse

Gerhard Richter, „der als bedeutendster lebender Maler gilt“ ((SZ 30.12.17)) , fabriziert gelegentlich auch mal Stahlkugeln und macht sie dadurch, dass er sie als seine Werke zu erkennen gibt, zu Kunst.
„Oh“, sagte verzückt Frau Ames zu Herrn Ames. als es bei Sotheby’s eine glänzend polierte Kugel aus Edelstahl zu kaufen gab, „oh, die ist aber schön! So völlig rund und so schön glänzend poliert und ganz aus Stahl! Wie das dieser geniale Richter wieder hingekriegt hat! Donnerwetter!“ Und Herr und Frau Ames kauften „ein Exemplar des Multiples ,Kugel 1′ von 1989“ für 35000 Dollar. Aber es war „gar kein Kunstwerk, sondern einfach nur eine Stahlkugel aus einem Kugellager, wie es in der Industrie Verwendung findet.“ „Der Experte hat sie gewogen, und sie war leichter und etwas kleiner als das Original. Außerdem waren nicht Name, Datum und Nummer eingraviert.“ ((ebd.)) (Er hatte sich eigens für diesen Zweck eine Waage besorgt.) „Scheiße!“ rief da Frau Ames ganz gegen ihre sonst sehr gehobene Redeweise. Und auch Herr Ames fand die Kugel plötzlich gar nicht mehr schön, obwohl es immer noch dieselbe war, rund, stählern und glänzend poliert – und voll mystischer Ausstrahlung.
Uns allen tun die Kunstfreunde Ames Leid, denn sie waren selbstverständlich am Boden zerstört – wegen der 35000 Dollar, aber auch sonst.
Der Kunstexperte meint dazu: „Aus guten Gründern sind Sammler zuweilen unsicher, ob die teuer erstandenen Grafik, die kleine Abstraktion oder die Stahlkugel ihren Preis wert sind.“
Ach, lieber Herr Kunstexperte, was meinen Sie mit „ihren Preis wert“? Ist der Wert mit dem Kaufpreis identisch? Aber dieser ändert sich doch! Oder ist es die Aura, die ein Werk eines göttlichen Genies oder von dem eines gewöhnlichen Menschen unterscheidet? Aber dann müsste man doch die Fälschung als solche sofort erkennen!
Was lässt den Kunstfreund den Wert des Werkes in Zweifel ziehen, wenn das gefälschte Werk doch genauso aussieht wie das von Gerhard Richter?!
Wir erfahren: Besonders beliebt sind bei den Fälschern abstrakte Werke in der Art Richters, also nicht Kopien, sondern nachempfundene Originale. „Abstrakte Bilder werden von den Fälschern bevorzugt, weil sie vermeintlich leicht zu produzieren sind.“
Vermeintlich! Weil ihnen ja die Aura fehlt?
So ging ein abstraktes, graues Ölgemälde – raffiniert mit der Widmung „Für Armin (K20)“ versehen – glatt für einen Richter durch. Bis der vermutete Adressat der Widmung versicherte, ein solches Gemälde nicht zu kennen.
Da wollte der Kunstfreund es nicht mehr haben. Er hatte diese grauen Striche und Linien so bewundert: herrlich! Aber was für eine abgefeimte Höllengeburt muss es gewesen sein, die so schöne graue Linien und Striche, in überwältigender Anordnung und Menge kombiniert, auf die Leinwand geworfen hat, und dann hieß die Höllengeburt aber gar nicht Gerhard Richter!
Jetzt kann der Kunstfreund das schöne Gemälde nur noch – blutenden Herzens? – auf den Müll werfen.
In dringenden Fällen kann man sich aber auch an Richter selbst wenden, der dann bestätigen kann, dass er das Bild nicht gemalt habe.

Geheimnisvoll verrakelte Zonen

Aufregung in der Kulturszene! Breaking News von Gerhard Richter, „der als bedeutendster lebender Maler gilt“: „Richter hat früher die Bildflächen geteilt, als könne er den Himmel aufreißen lassen – jetzt darf Farbe herabregnen.“[ref]Süddeutsche Zeitung 9.2.17[/ref]
Aber was die Sache noch spannender macht, ist wieder mal das, was nicht zu sehen
ist[ref]vgl. auch Beitrag vom 3.2.16 „Nein, ist das aber fein!!“, in dem Cathrin Lorch wieder nach dem Nicht-Abgebildeten im Bild sucht[/ref]. Das ist im Grunde das, worum es geht, das geheimnisvolle Nichts. Hatte die Expertin Cathrin Lorch schon ehrfürchtig gestaunt über die Birkenau-Bilder[ref]vgl. Beitrag vom 25.3.15 „JP Morgans Anlagetipp: Kämme im Kommen“[/ref], in denen von Birkenau nichts zu sehen war, aber möglicherweise Fotos vom Vernichtungslager über- oder, wie sie sagt, „ver-malt“ waren, so soll auch hier das mit religiöser Inbrunst verehrte Malgenie Mystisches geäußert haben: „Richter selbst (!) soll während der Arbeit im Museum vergnügt (!) erzählt haben, unter den Farbgewittern gäbe (sie meint hier natürlich: „gebe“) es noch einiges, das jetzt wie weggewaschen ist. Landschaften beispielsweise, tiefe Horizonte, Lanzarote“, und zwar in fotorealistischer Malweise. Oha! Da kann die Lorch natürlich ohne weiteres prophezeien: „Das Publikum wird nach solchen Ansagen vor allem die tiefer liegenden, in Lila und Grau verrakelten Zonen erforschen“. Denn es ist ja einfach „unmöglich, jetzt solche Panoramen mit Blicken zu durchwandern, ohne an das zu denken, was dort womöglich verborgen ist.“ Sie verweist dann auch selbst auf die Birkenau-Bilder, von denen sie nun[ref]Vorsichtiger hatte sie in der Rezension vom 13.3.15 noch gemeint: „Nun stellt sich die Frage, ob er die vier Fotografien überhaupt je auf die ,weißen Leinwände’ übertrug.“[/ref] behauptet, dass hier Fotografien „schlussendlich von ihm wieder mit Abstraktionen zugemalt worden“ waren: „Sie waren da – blieben (bleiben?) aber unsichtbar.“ Huhuu, huhuuuu![htsP anchor_text=Weiterlesen]
Die Lorch schlussfolgert: „Motive, so sagen es die neuen Gemälde, können mit dem Pinsel erschaffen und auch wieder vernichtet werden.“ und fasst ihre ganze aus dieser Tatsache herrührende Faszination in die erschütternden Worte: „Die beiden so lange als fast gegensätzlich verstandenen Stränge im Werk Richters liegen plötzlich (!) gar nicht mehr weit auseinander, nur einen winzigen Bruchteil von Millimetern (!) Farbschicht.“ Tja, ist es denn zu fassen, wenn es denn so ist?!
Lieber Gerhard Richter, da haben Sie aber mal wieder einen Coup gelandet! Einfach und wirksam.
A propos Wirkung: Cathrin Lorch informiert uns endlich auch über die Tatsache, dass Richters Stammheim Zyklus „auf die deutsche Öffentlichkeit fast kathartisch wirkte“. Schlimm, dass die „deutsche Öffentlichkeit“ das mal wieder nicht bemerkt hat.[/htsP]

JP Morgans Anlagetipp: Kämme im Kommen

Babette „Aldi“ Albrecht hat im Prozess gegen den Kunstberater Helge Achenbach eine bemerkenswerte, wenn auch nicht sehr tiefgründige Wahrheit ausgesprochen: „’ne Aktie ist ‘ne Aktie. Kunst kann man sich wenigstens anschauen.“ Und wie dieser Prozess zeigt, wird als „große“ Kunst gekauft, was möglichst viel kostet: Je höher der Preis, desto höher gepriesen die Kunst. Innerhalb dieser Logik kann es eigentlich gar nicht sein, dass man einen ,Experten’ wie Achenbach einen Betrüger[ref]So Thomas Steinfeld in der SZ „Achenbach und die Dinger. Kunst als Trophäe und Krönung des Kapitalismus“ 13.5.15. S.11[/ref] schimpft, wenn der ,Experte’ solventen, um eine Geldanlage bemühten Kunden, wie russischen Oligarchen, chinesischen Milliardären und britischen Hedgefonds-Managern oder eben Herrn Albrecht zuviel – was heißt das? – Geld für ein Werk abnimmt. Wo muss man denn hier die „Sachkenntnis“, die „Expertise“ suchen, dem sich diese Kundschaft „auf Treu und Glauben“ ausliefere? Wegen der „Sachkenntnis“ sollten sie sich an Goldman-Sachs oder JP Morgan wenden! „Nur bei der Kunst gibt’s ja dieses absurde Moment, dass im Prinzip aus drei Bleistiftkrickelstrichen auf billigem Papier etwas wird, was teurer ist als alles andere. Das wird vom Markt berührt und dann verwandelt sich das plötzlich in Gold.“ (Daniel Richter) Und Helge Achenbach hat ihnen geholfen. Denn, wie er gegenüber dem Journalisten Walter Wüllenweber geäußert hat: “Menschen, die 100 Millionen und mehr besitzen, sind häufig vereinsamt und haben Angst. Kunst hilft vielen, eine Aufgabe zu finden und einen Platz in der Gesellschaft.”
OLYMPUS DIGITAL CAMERABei Midas, über dessen Gier und Dummheit es etliche antike mythische Anekdoten gibt, war es egal, was er anfasste, es wurde alles zu Gold. Und das trotz wenig ausgeprägter Urteilskraft. Allerdings wäre die Annahme verfehlt, dass er ursprünglich ein Tellerwäscher war, der es dank seinem Fleiß zum Manager bei Goldman-Sachs gebracht hätte. Ein gewisses Kapital brachte er als geborener König durchaus schon mit. Märchenhaft? Mythisch? Oh, ja![dropdown_box]
Liest man die Feuilletons der großen Zeitungen, könnte man wirklich glauben, Kunst sei etwas völlig Irrationales. Scheinbar kann deshalb auch die Kunstkritik nicht anders als zu raunen. Oder muss sie raunen, um zu verbergen, dass sie der PR des Wirtschaftszweigs Kunstgeschäft kein eigenständiges Urteil entgegenzusetzen weiß?
Haben die Dadaisten die Schuld? Als Marcel Duchamp den gerade in der Drogerie erstandenen Kamm in eine Vitrine legte und zum Kunstwerk erklärte, war das, was er und seine dadaistischen Freunde mit diebischem Vergnügen taten, ein ins Auge springender Protest gegen eine willkürliche Festlegung von dem, was romantisch verbrämt als hehre Kunst zu gelten hatte. Ihre witzigen Scharlatanerien wurden aber durchaus nicht als solche angesehen, sondern als „Kunst“ wahrgenommen – mit der Folge, dass der Kunstbegriff eine Ausweitung ins Unendliche erfuhr und der – ohnehin schwierigen – kritischen Beschäftigung mit Werken der Bildenden Kunst jede rationale Kategorie verloren ging. Seitdem haben romantische Kämme ungeheuer zugelegt.
Kamm1Angesichts einer derart schwierigen Ausgangslage haben wir heute eine Kunstkritik, die oftmals ob ihrer unfreiwilligen Komik recht amüsant erscheint und das Feuilleton unerwartet unterhaltsam macht. Eine versierte Raunerin der „Kunstwelt“ beschäftigte sich z.B. neulich [ref]SZ 13.3.15 S.13[/ref] mit Gerhard Richters „Auschwitz-Zyklus“. Catrin Lorch tut unseren Mündern schon durch den Titel ihrer Rezension Gewalt an, indem sie sie zwingt, aufgesperrt in ungläubigem Staunen zu verharren: „Das Verstummen abbilden“. Denn das will uns als eine äußerst schwierige, ja phantastische Aufgabe erscheinen, an der – natürlich außer einem Genie – wir alle scheitern würden. Oder hat sie das – als verhinderte oder wahre Maria Rilkin – irgendwie poetisch gemeint? Liegt die Erklärung vielleicht in ihrer Aussage: „Die Bilder sind stumm gemalt.“? Das ist natürlich etwas anderes; das kann man sich vorstellen, obwohl man sich doch fragt, woher sie weiß, dass der Künstler beim Malen stumm blieb, ob sie die ganze Zeit anwesend war? Hatte er vielleicht sogar sein Handy abgestellt? Das wäre aufregend – ja, sagen wir es nur: „spannend“!! Aber angesichts der Tatsache, dass sich auf den besagten Bildern viel Grau findet („Mattes, dichtes Grau.“) könnte man sich vorstellen, dass das Malgenie zumindest irgendwann gemurmelt haben könnte: „Verdammt; mir geht das Grau aus!“ Nein, diese allzu banale Vorstellung gefällt uns überhaupt nicht.
Beim besprochenen Werk Richters handelt es sich um vier abstrakte Gemälde, in die man, wenn man den Titel bzw. das Thema kennt, durchaus bestimmte Emotionen hinein- oder herauslesen kann, die man aber, wäre man sehr böswillig und schrecklich banausisch, auch als etwas düsteres Tapetenmuster ansehen kann. Letzteres verbietet sich aber natürlich auch angesichts des Themas. Der Leser erhält von Frau Lorch daher die Information, dass als „Vorlagen“ vier schreckliche, heimlich von Häftlingen in Auschwitz gemachte Fotos von der Judenvernichtung dienten. Von Vorlage kann eigentlich keine Rede sein, denn in der Abstraktion ist von ihnen nichts mehr zu sehen, auch wenn sie Inspiration gewesen sein mögen. Die Information dient anscheinend dazu, die durch das Werk allein möglicherweise nicht erzeugte Emotion („vermalt“ s.u.) des unendlich schrecklichen tatsächlichen Geschehens auf das abstrakte Kunstwerk zu übertragen. An späterer Stelle ihrer Ausführungen fragt sie: „Nun stellt sich die Frage, ob er die vier Fotografien überhaupt je auf die ,weißen Leinwände’ übertrug. Und sie dann zuspachtelte. Oder womöglich frische Leinwände aufspannte.“ Fragen, wie sie ein Sokrates nicht besser hätte stellen können. „Dass sie wie vermalt wirken, ist das eine – ob sie zwischen den Farbschichten auch eine unvollendete Übersetzung der fotografischen Motive in Farbe enthalten, das andere.“ Ja, das sind mal zwei so Sachen, das eine und das andere. Zum Glück erhalten wir die Lösung des Problems: Richter „hat an Auschwitz erinnert und seine Malerei schützend vor die vier Fotografien gehängt. Sie zugedeckt, ohne sie mit dem Pinsel anzutasten.“ Wunderbar, da freut sich nicht nur die Lorch; das ist doch mal eine klare Ansage.
In der Ausstellung und dann von Frau Lorch wird auch aus einem Brief des „Philosophen Georges Didi-Huberman“ zitiert: „Als ich Ihr Atelier betrat, hingen dort vier große leere Gemälde. <Aha!> Hoffnungslos weiß. Wartend.“ Eine überraschend intime Kenntnis des Gefühlslebens wartender Gemälde! Doch damit nicht genug; es knüpft sich daran noch die tiefsinnige, wirklich supersuperphilosophische Frage des Philosophen an den Künstler: „Sollten Sie mich eingeladen haben, damit ich sehe, dass Sie diese vier Gemälde noch nicht gemalt haben?“ Schade, dass die sicher geniale Antwort des Künstlers auf diese Frage uns kunstsüchtigen romantischen Bewohnern der Kunstwelt nicht überliefert ist. Wahrscheinlich weiß wieder mal nur der Wind die Antwort. Oder zitieren wir die Lorch: „Seither wartet die Kunstwelt.“ Immerhin vermochte der Künstler ein Warten zu beenden: Zur Vernissage sagte er über die Bildende Kunst, dass sie – anders als die Musik – bleibe. Dazu Frau Lorch: „Sicher ist genau (!) das eine der Hoffnungen derer, die auf diesen Zyklus warteten.“ Ja, ganz genau so ist es, absolut![/dropdown_box]

Gut gebrüllt, Baselitz, alter Knabe!

Gut gebrüllt ist halb gewonnen. Erzähle allen immer wieder, wie toll du bist, am Ende glauben sie es dir. Ach ja, wo Rauch ist, muss – zumindest ein klitzekleines, aber bei entsprechenden Rauchmengen wahrscheinlich doch auch ein ziemlich großes – Feuer sein. Man muss hochstapeln.
Der Kunstberater Helge Achenbach, der jetzt vor Gericht steht, sagt über die Motive der Kunstkäufer: „Kunst hilft vielen, eine Aufgabe zu finden und einen Platz im Leben der Gesellschaft.“ So hat er für den Aldi-Erben Berthold Albrecht Prestigeobjekte besorgt, den mimosengelben Jaguar, den Bentley und eben entsprechend Kunst, z.B. den Immendorff und den Gerhard Richter. Prestige, das bringen nur die großen Marken. Aber Marken müssen gemacht werden. Es geht es um den „Warenwert von Kunst“. „Der Markt wächst und expandiert auch, weil er nicht zwischen gut und schlecht unterscheidet,“ schreibt Okwui Enwezor vom Münchner Haus der Kunst.
Georg Baselitz erzählt freimütig von seiner anfänglichen Erfolglosigkeit: Mitte der Sechziger „da verkauften Richter und Polke schon alles weg. Und bei mir ging nichts, es schleppte sich.“ „Es blieb alles immer wieder stecken, es war kein Geld da.“ Da habe er verzweifelt „um sich geschlagen.“ „Auch die Entscheidung, die Bilder auf den Kopf zu stellen, entstand aus Zweifeln.“ Und: „Schon aus Widerspruch durfte das Bild nicht gut werden – es musste schlecht sein.“ Vor allem benötigt man aber natürlich die Selbstdarstellung als einsames Genie: „Seit mehr als vierzig Jahren rede ich mit keinem anderen Künstler mehr. Inzwischen würde ich sagen, ich verdiene eher den Nobelpreis als Grass.“
Der graue Löwe hat es geschafft und kann es sich nun auch leisten, sich und uns halb ironisch über den Kunstbetrieb zu belustigen.[ref]Zitate aus der “Süddeutschen” 12.9.14 und 12.12.14[/ref]