Noch ein Gedicht

Tröpfchen

Herr Friedrich Merz,
Wie Barbarossa einst
Des Vaterlandes Retter!
Was haben Sie getan?
Wo sind Sie nur gewesen?
Ach, herrje, Tröpfcheninfektion.

Dem Trump geht’s gut;
doch was tut
Friedrich Merz?
Holt sich die Tröpfcheninfektion!

Auch Boris Johnson
kann nicht klagen:
von wegen Tröpfcheninfektion –
sie schlägt nur anderen auf den Magen,
nicht Boris Johnson,
die Tröpfcheninfektion.

Herr Friedrich Merz,
wer hat Sie angehustet,
Sie angeniest, geprustet?
Wem haben Sie
mit treuem Blick die Hand gereicht?
Danach fassten Sie vielleicht
sich an die eigne Nase –
huch, ohne Tuch?
Wie konnten Sie, Herr Friedrich Merz?!
Zum Ursprung fehlt Information.
Doch das Ergebnis lautet leider:
Tröpfcheninfektion.

Und jetzt? Die Quarantäne!
Für sieben Tage, sieben Wochen?
Oh, Friedrich Merz,
für ganze Jahre?
Oh, grauses Schicksal:
ungeheuer lange Qual
Wie Barbarossa dazumal?
Tröpfcheninfektion!

Anmerkung: Damit uns niemand verteufelt, wollen wir jedem Missverständnis einen Riegel vorschieben und erklären hiermit. dass wir niemals Schadenfreude über ein körperliches Gebrechen äußern würden, dass wir uns nur über eine längere Abwesenheit von Herrn Friedrich Merz freuen würden, und zwar nicht unbedingt im Kyffhäuser; vielmehr würde uns schon die Rückkehr des Sauerländers ins Sauerländische glücklich machen.
Ach, nun hat es doch noch den Boris Johnson erwischt. Fehlt nur noch der Trump L. Müssen wir das ganze Gedicht nun neu schreiben?

Der Drescher

Die Bäurin, die Mägde, sie dürfen nicht ruhn. Herr Merzen, der Bauer, er mäht das Getreide, dann drischt er es aus.
„Es fällt auf, dass die Bundesregierung eine Umverteilung betreibt, die grob zusammen gefasst drei Grundsätzen folgt: Bedürftige sollen sich beschränken. Superreiche und Konzerne werden verschont. Die Mittelklasse verteilt das Gros der Steuereinnahmen unter sich nach dem Motto: wer selbst zahlt, soll auch etwas herauskriegen.“ Cerstin Gammelin (SZ 16.3.18)
Ist das nicht schon die reine Sozialdemokratie? Das ist- so sagt der Dreschflegel –  jedenfalls grottenschlecht. Und es heißt gegensteuern, damit die CDU wieder ein rechtes Profil bekommt.

Lieber Friedrich Merz!
Dass du dir laut FAZ ein Ministeramt zutraust („Ich traue mir ein Ministeramt zu.“), daran haben wir keine Sekunde gezweifelt. Du traust dir sicher noch viel viel mehr zu: Kanzler, König, Kaiser Papst.. Auch wir trauen dir alles zu, aber wirklich alles. Aber dein ,Angebot’, „wirklich mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“ und dafür doch tatsächlich deine bisherige berufliche Tätigkeit aufzugeben, solltest du dir noch einmal gut überlegen. Ist es nicht etwas vorschnell, dass du so selbstlos im Dienste der Gemeinschaft auf deine Mittelschicht-Millioneneinkünfte zu verzichten bereit bist, die du aufgrund deiner außerordentlichen intellektuellen Fähigkeiten, deines unglaublichen Fleißes und ein wenig natürlich auch wegen deiner guten Beziehungen zu den führenden Kräften in der Regierung erhalten hast? Ach was, du meinst voller Gottvertrauen, dass Blackrock und die anderen Wirtschaftsunternehmen, für die du tätig warst, dich weiterhin finanziell unterstützen und dafür sorgen werden, dass deine Entscheidung dich nicht plötzlich zwingt, bei der “Tafel” für dein Essen anzustehen, weil sich ja dein Einfluss auf die Entscheidungen der Regierung noch steigern würde und du endlich „an geeigneter Stelle“ dafür sorgen könntest, dass noch mehr „wirtschaftsliberale Inhalte“ eingebracht werden?
Klare Kante! Im Kampf um Stimmen verstehst du es, deutliche Positionen zu formulieren, denn das „Profil“ der CDU ist, wie du sagst, „unscharf“ geworden (WamS 2.12.18), sie erreiche nicht mehr die „ganze Bandbreite derer, die wir brauchen, um wieder eine große breit aufgestellte Volkspartei zu werden“. „Wir brauchen wieder Spannweite und müssen den Charakter als Volkspartei wiederentdecken.“ Jawohl, Profil durch möglichst große Weite, Klarheit durch Verschwommenheit! Das ist nicht nur ein wundervolles Programm, es ist auch herrliche Poesie!
Wie man weiß, dankt es dir der Wähler. Also weiter so!
Dein Wolfgang