Kurzer Sinn

„Meine lieben Toren sind hübsch feist und rund und wohlgepflegt, wie die appetitlichsten Mastschweinchen“, spricht die Torheit. ((Ersamus Lob der Torheit)) Richtig.
„Durchmustert den ganzen Himmel, und jeder Esel soll mich eine Närrin schelten, wenn ihr einen einzigen netten und liebenswürdigen Gott dort auftreibt, der sein gewinnendes Wesen nicht mir verdankt“, spricht die Torheit.
Naja. Aber es geht, wie immer, um die Mitte. Strohdumm ist zu blöde. Mitteldoof ist geil. Sehen wir sie uns an, die gewinnbringenden Talkmaster, Moderatoren, Politmasken, die Schöneberger und Hubertus Meyer-Burckhard, Pflaume, Pilawa, Scheuer, Dobrindt usw. … Haben sie nicht Karriere gemacht – trotzdem oder vielmehr deswegen?
In Hamburg – wo nicht? – gibt es Radiosender …   für Doofe. Einer dieser Sender heißt „NDR 90,3“. Sein Niveau ist so niedrig, dass er auch das Landesprogramm im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, das „Hamburg Journal“, gestalten darf. Den Privaten haben sie die Maxime abgelauscht: Je niedriger das Niveau, desto höher die Quote.
Der Chef des Senders Hendrik Lünenborg hat sich nun erlaubt, beim NDR einen Kommentar zum Dieselfahrverbot in Hamburg zu veröffentlichen ((https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Diesel-Fahrverbot-Symbolpolitik-ohne-Nutzen,hamburgkommentar252.html)). Mutig und volksnah – endlich mal einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt – , argumentiert’ er gegen die Fahrverbote, die er als „Symbolpolitik ohne echten Nutzen“, kurz als „Schildbürgerstreich“ entlarvt. [htsP anchor_text=”Weiterlesen”]
Denn er bemängelt, dass es kaum Kontrollen gibt. Er ist nun aber nicht etwa für mehr oder effektive Kontrollen, weil er das gesamte Fahrverbot für „offensichtlich unsinnig“ hält.
Er meint nämlich, „an anderen Straßen in Hamburg ist die Luft auch nicht viel besser. Konsequenterweise müsste es weitere Fahrverbote geben.“ Aha, das versteht man: Auch woanders Gesundheitsgefährdung, also auch woanders Fahrverbote. Doch diese Konsequenz will er nicht –  denn dann würden die Dieselfahrzeuge ja großflächig aus dem Verkehr verdrängt. Statt dessen werden ja tatsächlich die Dieselfahrer nur aus den Gebieten verdrängt, an denen die von ihnen verursachte Luftverschmutzung einen bestimmten festgelegten Grenzwert überschreitet. ((Ob dieser Grenzwert niedriger oder höher liegen sollte, ist eine andere Frage.)) Scharfsinnig stellt er fest, dass die Luftverschmutzung mit den Fahrverboten nur dort verringert wird, wo sie bisher laut Messung besonders, nämlich überdurchschnittlich, hoch war. Und Herr Lünenborg hat damit aber sowas von Recht: An der windumtosten Nordseeküste zum Beispiel sind die Schadstoffwerte und damit die Gesundheitsgefährdung tatsächlich deutlich geringer. „Mit dem Durchfahrverbot wird die Luftbelastung also nicht etwa verringert, sondern nur anders verteilt.“ Wieder richtig: Die Fahrzeuge werden nur umgelenkt, nicht aus dem Verkehr gezogen und erhöhen also die Werte an Stellen, an denen sie bis dahin weniger hoch waren. Die einzige Alternative wäre also ein generelles Fahrverbot (s.o. „konsequent“) – überall, auch an der Nordseeküste (wegen der Gerechtigkeit).
Dass es in Hamburg auch keine „Durchfahrverbote für Containerschiffe“, Kreuzfahrtschiffe usw. gibt, die „echte Dreckschleudern“ sind, bestätigt ihn nur in seiner Empörung über die unsinnigen Fahrverbote für „die dieselfahrenden Bürger“. Wenn wir ihn richtig verstehen, fordert er, weil die Luft ohnehin – auch durch die Schifffahrt – verschmutzt ist, dass man diese Verschmutzung zum Nutzen der „dieselfahrenden Bürger“ unbedingt weiter vermehren sollte, so dass nicht nur „vielleicht die rund 1.800 Anwohnern an den betroffenen Straßen“ davor geschützt bleiben, sondern möglichst alle krank werden (wegen der Gerechtigkeit).
Aber nein. So kraus die Argumentation auch ist, am Ende muss er doch zwangsläufig zu dem einzig möglichen – hier als origineller und ganz schlauer (“hört! hört!”)  Vorschlag formuliert – Schluss kommen: „Wie wäre es zum Beispiel damit, den Kuschelkurs mit den Autoherstellern endlich zu beenden und ihnen die Umrüstung der Diesel zu verordnen?“
Na, also! Lange Rede kurzer Sinn. [/htsP]