De Maizière drei Monate Afghanistan

Alle Achtung, das ist nun wirklich eine Sensation: Um allen zu beweisen, dass es ein sicheres Herkunftsland ist, geht Lothar de Maizière selbst für drei Monate nach Aghanistan, und zwar, wie er betont als einfacher Zivilist, d.h. ohne besondere Bewachung. Er wird sich dort genauso unbeschwert bewegen wie die Afghanen, die dort für die Bundeswehr arbeiteten und denen trotz Bedrohung durch die Taliban Asyl in der Bundesrepublik verwehrt wird. Die Geschäfte führt in seiner Abwesenheit kommissarisch seine Staatssekretärin Dr. Haber. Gegen den Versuch der Opposition, de Maizières Vorhaben als Wahlkampfgag abzutun, verteidigte ihn besonders der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer energisch: De Maizière zeige damit, dass die Begründung für die Abschiebung von Migranten nach Afghanistan nicht nur vorgeschoben sei, dass die Abschiebung vielmehr aus reiner Nächstenliebe erfolge. Dem ungläubigen Staunen der Opposition und dem von ihr laut ausgesprochenen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines Vorhabens, widersprach Regierungssprecher Seibert: Es handele sich keinesweg um einen reinen Wahlkampfgag in der Absicht, die CDU/CSU gegen populistische Vorwürfe angeblicher Unseriösität zu verteidigen. Vielmehr zeige hier ein Politiker exemplarisch, mit welchem realen menschlichen Engagement das sogenannte Establishment für seine humanitären Ideen eintrete.

Lothar de Dodola

Von der Stirn des kaiserlichen Rates Dodola (aus der Siebensterngasse) heißt es, dass sie „Schauplatz eines nicht alltäglichen Naturschauspieles“ war: „In den Momenten höchster Erregung bildeten seine geschwollenen Zornesadern ganz deutlich das inhaltsschwere Wörtchen ,WAUWAU’.“[ref]Fritz von Herzmanovky-Orlando: Rout am Fliegenden Holländer. In: Ders. Sämtliche Werke Bd 2. Salzburg, Wien 1984. S. 21[/ref]
Da bei Lothar de Maizière ein gleiches Naturschauspiel jede Aura der kostbar-unerhörten Seltenheit verloren hat, kann man nur wieder einmal über den allgemeinen Niedergang klagen.