Populismus: Rolle des BND unbewiesen

Da man immer wieder von Populisten – meistens heißen sie Sarah Wagenknecht – liest, aber voller Ratlosigkeit darüber sinniert, was Populismus eigentlich genau meint, so kann man, sofern man gar nicht nicht mehr aus und ein weiß, den Duden befragen und dort lernen, er sei eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik, die das Ziel hat, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen“. Nun erfährt man aus der immer sehr lehrreichen „Süddeutschen“[ref]15.6.15[/ref] von einer „Neu-Populistin“ – so die Überschrift – , und zwar ist Hillary Clinton die „wütende Populistin“. Ist man ein aufgeschlossener, überaus neugieriger Mensch, dann liest man auch den erklärenden Untertitel: „Hillary Clinton rückt zum Wahlkampf-Start deutlich nach links.“
Da stehen einem urplötzlich alle beiden Haare zu Berge, denn, wie man dem Artikel selbst entnehmen kann, hat Hillary Clinton bekanntlich „jahrelang die Interessen der Finanzindustrie vertreten“. Worin mag also nur ihr „Populismus“ bestehen?
Es sind Aussagen wie diese: „Die Demokratie darf nicht nur Milliardären und Firmen nützen.“ „Sie schimpft darüber, dass sich Millionen junger Amerikaner verschulden müssen, um studieren zu können. Sie beklagt, dass im US-Steuerrecht Krankenschwestern einen höheren Anteil ihres Gehalts an den Staat zahlen müssen als Manager.“ Und „Clinton fordert, die Geschäfte der Wall-Street-Banken strenger zu regulieren.“[dropdown_box]
Populistisch ist das natürlich schon deswegen, weil sie – im Sinne obiger Definition – „dramatisiert“. ,Ey, meine Liebe, nun mach aber mal halblang! Das ist ja wohl schlimmste Demagogie!’ würden ihr sofort jeder Dobrindt, Schäuble oder – im Chor – die Bush-Family zurufen. Darf man, wenn doch das große Geld einem den Wahlkampf finanziert solche Aussagen machen? Der Autor der SZ weist zudem begründend darauf hin, dass selbst „viele Demokraten“ bezweifeln, dass sie ihre Forderungen später umsetzen werde. Populistisch ist also, wenn man, um Wahlen zu gewinnen, berechtigte Forderungen aufstellt und Feststellungen macht, von denen man hinterher vermutlich nichts mehr wissen will.
Oh, nein! Das ist aber deprimierend! Da sieht man ja die Demokratie vor lauter Populisten nicht!
Jedenfalls, so scheint es, darf für die Einordnung als “populistisch” leider nicht allein genügen, dass die Aussagen einfach nur „volksnah“ sind, also „nach links“ tendieren. Denn dergestalt in dieser rechten Ecke ausgestellt wollen die wenigsten sein.
Und dass der Sieg in diesem Kampf um Wörter ausschließlich dem BND zuzuschreiben wäre – dafür gibt es bisher nun wirklich nicht den geringsten Beweis.[/dropdown_box]