USA: Freudentänze auf allen Straßen

Trump makes America great again! Es geht sofort ab wie eine Rakete: ein Börsenboom wie einst nach der Wahl Reagans!
Es verwundert nicht, dass diese Nachricht bei den selbstlosen Trump-Wählern aus der vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschicht, der Arbeiterschaft und dem Kleinbürgertum ein wahres Volksfest auslöste: Sie führten sofort überall wahre Freudentänze auf. Jetzt heißt es allerdings für sie, schleunigst Aktien zu kaufen. Zuverlässige Quellen behaupten, dass die erfahrenen ehemaligen Banker von Lehman Brothers Angebote für die Finanzierung bereit stellen sollen.

Oh je, die Börse weint!

Alle sind traurig; die Börse weint:
Die Börse weint – können wir jubeln? Rrrrraus!! Sie sind raus! Die ewig quengelnden neoliberalen Hooligans von der Insel sind raus! Lasst sie weiter über die Wellen herrschen. Das Meer ist viel zu salzig, als dass die gefräßigen und durstigen Briten es ganz austrinken könnten!
Warum das Geheule? Werden die Briten all das, was sie aus Deutschland importierten, jetzt selbst produzieren?
Das Bankenzentrum Frankfurt freut sich. Die Frankfurter fürchten dagegen Auswirkungen auf dem Wohnungsmarkt, wenn jetzt lauter nette zahlungskräftige Börsianer von London nach Frankfurt wechseln wollen. Büroraum ist ausreichend vorhanden. Wohnraum könnte allerdings teuer werden. Dafür erhält Frankfurt durch den Zulauf junger, ehrgeiziger, weltgewandter Bänker ein noch schöneres Flair. Dass Geld nicht stinkt, versteht sich. Es sind die Menschen mit dem Geld, die oftmals stinken. Aber sie haben genug Geld, um sich Eau de Cologne zu kaufen.
Die Börse weint – können wir jubeln? Ach, dass sich nur niemand einbildet, die Kontrolle der internationalen Finanzmärkte hätte jetzt eine Chance. Da gibt es ja noch Luxemburg und … und … . Wer will sie denn ernsthaft?
Blöd, dass die Fremdenfeindlichkeit vorherrschendes Motiv für den Entscheid war. Nun müssen die englischen Nationalisten, die potenziellen („no, never, never!“) Sklaven der „Polacken“, ihre Unionjackkleider aus dem Wahlkampf beschmutzen und selbst ihren schmerzenden Rücken beugen, um die Früchte des Feldes zu ernten. Dann mal los, ihr freien Briten! Frisch ans Werk für frische Früchte!
Die Börse weint – können wir jubeln? Wenn sich jetzt, wie angedroht, die EU-freundlichen Schotten von den Engländern trennen und in der EU bleiben, würde sich dort vielleicht das Übergewicht der Neoliberalen etwas vermindern?!
Aber dann weint ja Schäuble. Er ist so schon schwer geschockt, dass er nun ohne seinen Kampfgenossen Cameron auskommen muss, weil der den Briten zu wenig thatcheresk war. Dabei waren sie ihrem Kumpel in der EU doch so entgegengekommen mit all den Sonderregeln für die Briten. Wären die Briten in der EU geblieben, hätten sie noch mehr davon gefordert und bekommen, was auch die anderen Egoisten in dieser wunderbaren ,Gemeinschaft’ zu noch mehr Forderungen an den Selbstbedienungsladen motiviert hätte. Am Ende hätte der Euxit gestanden, der Austritt der EU aus der EU.