Der kleine Drachentöter mit dem Holzschwert

Wolf Biermann, genannt „Wölflein“, nach eigener Aussage stets “ein sechseinhalb Jahre altes, grau gewordenes Kind”, feiert seinen achtzigsten Geburtstag. In der „Bilanzballade im achtzigsten Jahr“ dichtet “der kleine Drachentöter mit dem Holzschwert” (Biermann):
„Begreif immer weniger was ich noch seh
Wenn mir nun verfinstert die Sonne lacht
mag sein, ich hab zu viel Worte gemacht“.
Das ist richtig. Insofern darf man dem “hochbegabten, erfolgreichen jungen Dichter” (Biermann über Biermann) nicht ernsthaft böse sein wegen seines Wechsels ins Axel-Springer-Lager und seiner Anfeindungen gegen die Linken.
Von seinem in Auschwitz als Kommunist ermordeten Vater sagt Biermann: “Ich blieb ihm und seiner Utopie treu”. Das klingt gut, weniger gut aber die darauf folgende allzu kokett poetisch formulierte Begründung: “denn wer schlägt schon seinen totgeschlagenen Vater tot.” Tatsächlich hetzt er nun in Springer-Manier gegen alles, was ihm links erscheint, so gegen die “linksradikal-verlotterte WG des Berufsrebellen Rudi Dutschke und seiner amerikanischen Frau Gretchen”, wobei Willi Winkler anmerkt: “Die WG war eine ganz normale Wohnung in Westberlin, bezogen mithilfe eines Ehestandsdarlehens vom Senat.”
Aber es bleibt die Tatsache, dass Frau Gretchen aus Amerika kam. Oh, oh![dropdown_box]
Seinen Verlag, den Wagenbach-Verlag, wechselt er, weil er ihm zu poltisch ist. Oh, heiliger Vater!
Oh, heilige Mutter Emma! Sie hat ihren Sohn gegenüber den SED Bonzen angeblich mit den Worten verteidigt: “Mein Sohn ist ein junger Dichter, und ihr Genossen, seid alte Schweine.” Wölflein, der Dichter, sagt dazu: “Das ist allergrößte Poesie. Besser dichten kann nicht mal ich.” Nein, das kann keine Selbstironie sein! Er hält sich für einen ganz Großen.
Die Frage im Süddeutsche Zeitung Magazin, ob er vielleicht “aus schierer Eitelkeit zum prominentesten Dissidenten der DDR geworden” sei, beantwortet er jedoch ganz klar mit “Nein”.
Zwischen ihm und seinem Freund und Klassen(!)kamerad, dem vielfachen Millionär Kühne, der Biermanns Wandel „mit Freude und Schmunzeln“ begrüßt, gibt es Meinungsverschiedenheiten nur darüber, ob damals seine Mitschüler Biermann in den Klassenschrank gesperrt hatten, was Biermanns Bild in der Öffentlichkeit und auch seinem eigenen Bild von sich selbst natürlich schweren Schaden zufügen würde, oder ob er sich selbst – das ist Biermanns Version –  in den Schrank gesetzt und im Unterricht Geräusche gemacht hatte, “weil ich ein frecher Hund war”. “Niemals im Leben hätte ich mich von irgendjemandem in einen Schrank sperren lassen.” – Kühne unversöhnlich: “Nein, wir haben dich eingesperrt.” Ohje, das nennt sich Freund!
Jedenfalls hat Herr Kühne des ,gereiften’ Biermanns Invektive gegen die Linken im Bundestag “sehr gerne zugehört” und sie als “sehr amüsant” empfunden.[ref]Zitate aus Willi Winkler “Wolf Biermanns Autobiografie müsste eigentlich ,Ich Ich Ich!!!’ heißen” (Süddeutsche Zeitung 11.10.16) und Süddeutsche Zeitung Magazin Nr 40 vom 7.10.16 sowie Hamburger Abendblatt vom 8.10.16 “Die Klassen-Kämpfer”[/ref][/dropdown_box]

Auch das noch!

Gorbatschow, unser Gorbi, ein “Putin-Versteher”! Wie konnte das passieren? Das soll mal jemand verstehen.
Zugegeben, das mit dem Verstehen ist manchmal nicht leicht. So scheint es Juncker-Versteher, Cindy-von-Marzahn-Versteher, Merkel-Versteher, Motsi-Marbuse-Versteher, Biermann-Versteher, BILD-Leser-Versteher zu geben.
Biermann-Versteher, Versteher von Springerfreund und Chefkulturkorrespondent Biermann (“Man steigt im Westen hoch im Kurs/ Wenn man im Osten absackt/ Herr Springer greift nach jeder Hand/ Die Walter Ulbricht abhackt.”)? BILD-Leser-Versteher, BILD-Leser, Menschen, die nicht heimlich, in der Toilette eingeschlossen, sondern tatsächlich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Lehrerzimmern BILD lesen? Ja, ja, ja, gibt es alles!
Und was, bitte, hat Biermann mit BILD zu tun? Verdient er sein Geld nicht bei der “Welt”?
Was ist denn das für eine Frage?

Drachenbrut und Hundescheiße

Friedhofsgärtner Emil K. (53) war fassungslos: „Dass es so etwas gibt, hätte ich nie für möglich gehalten. Über 30 Jahre arbeite ich nun schon auf Friedhöfen; aber das hat mich im wahrsten Sinne des Wortes umgeworfen.“ Seine Geschichte klingt aber auch wirklich unglaublich: Über einem Grab des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg hatte es am 7. November 2014 plötzlich einen so enormen Windstoß gegeben, dass es ihn zu Boden riss.
Was war geschehen? Würde man Emil K. nicht kennen, würde man diese Spukgeschichte für die Erfindung eines kranken Geistes halten: Ein in dem Grab rotierender Leichnam hatte das ungeheuerliche Phänomen ausgelöst. Laut Grabstein liegt hier eine weibliche Person namens Meume begraben. Anscheinend handelt es sich um die Großmutter einer relativ prominenten Person namens Wolf Biermann, die allerdings noch nicht im Dschungelcamp bei RTL aufgetreten ist.[dropdown_box]
Soweit die Meldung.
Oh, Wölflein, – wir wollen dich hier einmal so nennen, wie es deine liebe Oma Meume tat – ist es immer nur die Eitelkeit, das Liebesbedürfnis, die Sehnsucht nach Aufgehobensein im warmen Schoß der Mehrheit, die dich treibt? Was für eine schreckliche Kindheit hattest du denn? Warst du sehr einsam?
„Aus lauter Bescheidenheit kann ich ja nicht blöd werden. Oder blind.“[ref]Alle nicht poetisch gemeinten Aussagen aus http://www.abendblatt.de/kultur-live/article826825/Der-Affenfelsen-von-dem-wir-kommen.html[/ref]
Nein, Wölflein, du Drachentöter, Bescheidenheit hat dir doch noch niemand vorgeworfen.
Ich bin „so eitel, dass es mich anstachelt, gute Arbeit zu machen, und so uneitel, dass ich nicht auf mich selbst hereinfalle.“
Naja, da könnte man anderer Meinung sein.
Was hat dich in die Arme der Christdemokraten getrieben, dich zum Merkel-Wähler gemacht, welcher Geist hat dir die Metapher von der “Drachenbrut” eingegeben? Der nachtigallsüße Klang der heiteren Blockflöten? Die Tatsache, dass es dir im Westen, wie du sagst, „unglaublich schlecht“ ging, „weil ich hier keine eigene Erfahrungssubstanz hatte. Ich lief herum wie ein Neugeborener“? Oder dass du hier vor allem Freunde fandest bei denen, die schon immer gegen alles waren, was „links“ schien?
Warst du wenigstens endlich glücklich, als du den Deutschen Nationalpreis 1998 nach einer Laudatio von Helmut Schmidt und von Arnold Vaatz, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU Fraktion, erhalten hast?
„Dies Deutschland ist ein Rattennest
Mein Freund, wenn du dich kaufen lässt
Egal, für Ostgeld oder West
Du wirst gefressen.“
Vorsicht! Nicht so einen starken Tobak! Man könnte hüsteln!
Dein Arnold Vaatz war es, der auf die Aussage Gysis im Bundestag, nach der es in der DDR neben all dem Schrecklichen auch einiges Gute gab, erwiderte, auch wichtige Dinge wie Essen und Schlafen seien nichts ohne Freiheit.
Na, schön, Freiheit ist gewiss im Allgemeinen nicht schlecht, es sei denn, sie wird ideologisch verabsolutiert. So meldet sich denn auch passend dazu der Vertreter des freien Kapitals, Christian Lindner von der FDP, zu Wort und wird natürlich gerne zitiert: Bürgerlich-liberale Tugenden wie Freiheit, Verantwortung und Risikobereitschaft, nach denen sich die Menschen 1989 gesehnt hätten, seien heute in der Defensive. Ach, du arme FDP, so ein Pech! Da haben sie sich nach dir gesehnt, und nun gibt es dich nicht mehr!
Vielleicht sollte man eine Aussage Friedrich Schorlemmers, eines prominenten Protagonisten der Opposition in der DDR, anführen, den niemand der „Drachenbrut“ zurechnen wird und der die hohe Kunst der Differenzierung beherrscht. Er verweist – bei allem Horror vor dem „Repressions- und Spitzelsystem“ – auch auf das Familien- und Arbeitsrecht, das Recht auf Bildung und Kultur der DDR und bemerkt, dass das „Freiheitspathos“,das über dem Gedenken an den Mauerfall liegt, ihm Bauchschmerzen bereite. „Die Mehrheit derer, die aus der DDR flohen, wollten besser leben, verständlicherweise. Nur sollte man da nicht das Etikett ,Freiheit’ verwenden. Und so manche, die in den Blockparteien auf der Schleimspur der SED rutschten, reißen nun den Mund weit auf, nachdem sie ihn so lange tapfer zugepresst hatten, die Freiheit heimlich liebend.“[ref]F. Schorlemmer: Es gab Lücken in der Mauer. SZ 25.10.14 www.sueddeutsche.de/politik/ddr-es-gab-luecken-in-der-mauer-1.2189246[/ref]
Aber Differenzierung ist schwierig für den einfachen Geist. Und der einfache „Künstler“ neigt mehr zur Emotionalität als zur Rationalität, zumal wenn er die Gitarre zupft, singt und Biermann heißt. Das Wölflein merkt nicht, wie die Mauerfallfeier zur Propaganda für das herrschende System missbraucht wird, oder es ist ihm recht.
Ob er immer noch die Nähe zu Heine und zu Brecht sucht oder inzwischen doch lieber die zu Merkel, Lindner und Steinmeier?
Aber selbst die Suche nach Heine ließ ihn einst, wie seinen dichterischen Bemerkungen zu entnehmen ist, ausrutschen – in der Scheiße:

„Auf dem Friedhof von Mont Matre, weint sich aus der Winterhimmel,
und ich spring mit dünnen Schuhen über Pfützen, darin schwimmen
Kippen, die sich langsam öffnen, Köttel von Pariser Hunden,
und ich hatte nasse Füße, als ich Heine’s Grab gefunden.“

Da ist gründliches Schuheputzen angesagt.[/dropdown_box]

Ballade vom Wolf, der zum Schaf wurde

Liebe Oma Meume,
nein, das „liebe“ streiche ich wieder. Also:
Liebe Oma Meume,
dass du dich traummäßig in mein Leben einmischen willst und mich, dem so leicht keiner die Guitarre reichen kann, dass du mich so wütend als Renegatenarsch (weißt du überhaupt, was das ist?) und Sch…wendehals beschimpfst und verfluchst, das kann ich dir nur schwer verzeihen, zumal die Sympathie, die ich der wunderbaren Politikerin Merkel entgegenbringe, ja gerade daher rührt, dass sie („Mutti“) dir („Omi“) so ähnlich sieht. Es ist doch in Wirklichkeit so: Was du da Prinzipientreue nennst, ist einfach nur Sturheit.
Nee, Oma, es gab einmal eine Zeit, da warst du mit Recht stolz auf deinen Enkel. [dropdown_box]Denn ich war ja eine bekannte Persönlichkeit. Tja, aber warum war ich wohl eine bekannte Persönlichkeit? Weil ich sehr, sehr schlau war und etwas Ungewöhnliches getan habe. Künstler müssen nämlich etwas Ungwöhnliches tun, z.B. Vernissagen im Handstand eröffnen, Bilder verkehrt herum aufhängen, ihre Fäkalien blau färben und einen gelben Strohhalm hineinstecken oder so. Ich habe als Kommunist im Kommunismus den Kommunismus angegriffen. Das war sensationell. Da haben alle den Mund aufgerissen und gefragt: Was ist denn das wieder für einer? Und ich habe auch den Mund aufgerissen und habe laut geredet und gesungen. Und so wurde ich prominent.
Dich kannte keiner – mit Schmalzbrot und Mukkefuk kommt man nicht weit, wenn man berühmt werden will.
Und überhaupt, du müsstest es doch selbst wissen: Man muss auf seinen Bauch hören. Auf seinen Bauhauch!!!! Die Nazis waren schlimme Verbrecher, aber in einem – ein Biermann darf das sagen – hatten sie dennoch Recht: Immer alles so verkopft – das ist doch gar nicht schön. Da bin ich mit dem Klaus Rainer Röhl, dem ehemaligen Herausgeber der DDR -finanzierten Zeitschrift „Konkret“, einig: Links ist out, passé und — bringt nichts ein. Man muss wie er einfach den Sprung wagen, im Klassenkampf auf die Seite der Sieger wechseln und in letzter Konsequenz wie er in die FDP eintreten.
Omi, beruhige dich. Hör auf! Schluss! Ich muss dir leider sagen: Deine Schimpfwörter sind zwar von deftiger Volkstümlichkeit, aber von schlechter Artikulation und geringer Poesie.
Nun sag doch mal selbst: Ist es nicht schon schlimm genug, dass sich kaum noch jemand für meine lehrreichen Vorträge in den Talk-Shows interessieren will?
Zugegeben: Mir fehlt die Inspiration. Es ist ein altes Problem: Man kann leichter gegen etwas schreiben als für etwas. Ich reibe mich an nichts mehr, ich werde nur noch fett.
Aber wenn ich dann, wie du es anscheinend willst, auch noch für deine veralteten Werte eintreten wollte, würde mich überhaupt keiner mehr hören wollen. Sag ehrlich: Ist es wirklich das, was du willst? Nein, das kann ich mir von meiner lieben Oma Meume nicht vorstellen.
Hat sie nicht immer ihr Wölfchen ganz, ganz lieb gehabt?
Na, also. Ich bin bekannt im ganzen Land; und ein Schmalzbrot und Mukkefuk löst bei mir keine Sentimentalitäten mehr aus. Ich kann nicht klagen.
Ach, verdammt noch mal, guck mich nicht so an!![/dropdown_box]