Racing-Team

„Wir werden die anderen vor uns hertreiben“, drohte der Gauleiter vom Gauland. Und Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, gab durch lautes Kreischen ihre Zustimmung zu erkennen.
„Oh, ja“, riefen darauf begeistert der Horst und der Söderl. „Ein Wettrennen, dös wiad a Gaudi. Oh, ja!“
Die beiden wohnen in einem Land mit vielen tiefen Tälern, in denen die Menschen vor lauter Watzmännern meist nur ein kleines Zipferl vom Himmel sehen. Und weil es eher düster ist, schlagen sie sich auf ihre Hinterteile und schreien laut dazu und stellen viele Marterln, Feldkreuze und an Wegränder und und hängen Kreuze in Amtsstuben, angeblich weil sie glauben, dass der Gottessohn für sie gestorben wäre, woraus sie eine Menge Hoffnung schöpfen. Sie selbst wollen aber um keinen Preis sterben oder Ähnliches. Sie halten vielmehr den Heiligen Martin für total bescheuert, weil der seinen Mantel geteilt und die eine Hälfte einem frierenden Habenichts, womöglich gar einem dunkelhäutigen, gegeben haben soll. Oh, welch ein Tor, denn erstens hat er ja seinen Mantel, der sicher nicht ganz billig war, zerstört, und zweitens konnte er sich dadurch womöglich einen deftigen Schnupfen holen. Das verbietet einem jeder gesunde Egoismus, da kann der Franziskus, der in seinem Palast in Rom lebt, noch soviel heiliges Zeug reden, der damische Uhu.
„Rechts von uns darf es keine andere Partei geben“, hatte einst der feiste Metzgerssohn Franz-Josef gesagt, nach dem sie dann einen Flughafen benannt haben, weil sie meinten, dass er immer so schön Hochfliegendes von sich gegeben habe, wonach sie sich in den tiefen Tälern von ganzer Seele sehnten.
Nun gibt es aber die Partei vom Gauleiter, die ist zwar „demokratisch legitimiert“, aber stinkt trotzdem nach brauner Sch…
„Der will uns vor sich hertreiben? Hoho, das lassen wir nicht zu. Wir sind schnell wie Kruppstahl, nein, wie Windhunde und rennen ihm einfach immer voraus, so dass er uns gar nicht einholen kann. Hihi, das soll ihn ordentlich ärgern!“ So rufen der Horst und der Söderl im Chor und rasen los wie bayrische Rindviecher.
Hach, ist das nicht ein spannendes Rennen?!
Und wir schauen zu. Einige lassen sogar für einen Moment ihre geliebte BILD-Zeitung sinken.
Einige juchzen, andere staunen mit weit geöffneten Mündern.

Höckeland

„Sehr verehrte polnische Mitbürger und Mitbürgerinnen!
Da ihr alle, wie ihr ja wisst, nur elende Dumpfbacken seid und ich allein tausend Mal klüger bin als ihr alle zusammen, werde ich euch alle entmündigen, werde mir Medien und Justiz gefügig machen und eine „moralische Diktatur“ errichten, wenn ihr mir und meiner PIS-Partei bei den Wahlen bei den Wahlen eure Stimme gebt!“ Also sprach Jarosław Aleksander Kaczyński.
Und nachdem sie tränenreich die Nationalhymne „Noch ist Polen nicht verloren“ gesungen haben und “der Vater weinend zu seiner Basia gesprochen” hat: “Höre nur, es heißt, dass die Unseren die Kesselpauken schlagen” und: „Bonaparte gab uns ein Beispiel, wie wir zu siegen haben. Marsch, marsch, Dąbrowski …“, ist das Volk mit tränenfeuchtem Hemd auf höckerigen Wegen schnurstracks zu den Urnen geeilt und hat „gePISt“ – so sagen die Polen, wenn sie meinen „für die PIS gestimmt“ zu haben.
Lüge! Fake! Gar nicht wahr! Sie haben zwar tatsächlich „gePISt“, aber nicht wegen ihrer autoritären Anmaßungen, sondern [htsP anchor_text = “Weiterlesen”]
weil PIS das Renteneintrittsalter wieder gesenkt hat, das die liberale Vorgängerregierung auf 67 Jahre erhöht hatte,
weil sie Kindergeld für Bedürftige eingeführt hat,
weil sie ein Wohnungsbauprogramm plant für günstige Mietwohnungen, die nach 20 Jahren in das Eigentum treuer Mieter übergehen sollen,
weil sie die sogenannten Reprivatisierungen rückgängig gemacht hat, mit denen ihre Vorgänger, die Liberalen, kommunistische Enteignungen, vor allem Sozialwohnungen den angeblich ursprünglichen Besitzern zurückerstattet hatten, wodurch die Mieter nicht nur ihre preiswerten Mieten verloren, sondern vielfach gleich auf die Straße gesetzt worden waren,
weil sie – im Gegensatz zu ihren Vorgängern – die Steuerbetrugskartelle ernsthaft bekämpft.
Vorbild von Kaczynskis Partei ist nach eigenen Angaben Marschall Piłsudski, ehemaliger Sozialist, der 1926 nach einem Putsch bis zu seinem Tod 1935 in Polen eine, wie er es nannte, „moralische Diktatur“ ((Das parlamentarische System wurde zwar nicht grundsätzlich abgeschafft, aber doch zunehmend ausgehöhlt, die Parteien wurden nicht verboten, aber in ihrem Handlungsspielraum stark eingeschränkt. Wahlen wurden manipuliert, politische Gegner und Vertreter von Minderheiten verfolgt, wer sich der Politik der „Sanacja“ (Gesundung) entgegenstellte, wurde ausgeschaltet.)) errichtete. PIS setzt – wie übrigens auch viele faschistische Bewegungen in der Vergangenheit – auf ein entschiedenes Eintreten für die sozial Schwachen.
Zum Glück haben die deutschen  die Rechtsaußen von der AfD bisher sozialpolitisch das Programm der FDP abgeschrieben. Aber angeblich wollen einige neuerdings die sozialpolitischen Forderungen von den „Linken“ abschreiben, wie es ähnlich übrigens zum Teil der Front national in Frankreich tut. Dann wird es gefährlich. “Höre nur, es heißt, dass die Unseren die Kesselpauken schlagen,” singt dann der gauländische Alexander seine andächtig weidelnde Alice an. Da könnte man, wenn man nicht Kahrs oder Müntefering ((„Es gibt keine Schichten in Deutschland.“ Franz Müntefering)) heißt, zu zwei schrecklichen Erkenntnissen gelangen:
1. Mit entschiedenem Eintreten für die Armen und Schwachen gewinnt man tatsächlich Wahlen.
2. Wenn die deutsche Sozialdemokratie nicht schnell eine sozial(istisch)e Politik betreibt, gewinnen in Deutschland bald wieder National„sozialisten“.[/htsP]

Leseranfrage

Liebe Allgemeine Deutsche Abgrundkontrollstelle (ADAK) von 1848,
ich verehre Sie sehr, da Sie, was deutsche Abgrundkontrolle angeht, seit 1848 durchgehend einfach super sind. Ich kenne keine zweite Kontrollstelle von solcher Perfektion. Und nachdem ich Ihnen so nun einfach gesagt habe, was Fakt ist, wage ich mein Anliegen vorzubringen: Ich begegne im Hamburger Wahlkampf immer wieder einem Plakat, auf dem dafür geworben wird, blau zu wählen.Blauwählen Es mag ja sein, dass man, um die betreffende Partei zu wählen, blau sein muss. Aber, nun komme ich zu meiner mit entsprechender Empörung, ja Fassungslosigkeit vorgebrachten Frage: Darf eine Partei für übermäßigen Alkoholkonsum werben, in der Hoffnung durch ebendiesen zu vermehrten Wählerstimmen zu gelangen?
Hochachtungsvoll
Gisela Nebiläum-Perspicace

Liebe Frau Nebiläum-Perspicace,
zunächst einmal vielen Dank für Ihr Vertrauen und Ihre sehr aufschlussreiche Beobachtung, die von großem Durchblick zeugt. Auch wir sehen hier einen Abgrund. Aber wir müssen Ihnen leider – und dies meinen wir wörtlich – sagen, dass, wie so häufig – Sie kennen ja unseren Blog – die Erkenntnis eines Abgrunds leider noch lange, lange, lange nicht dessen Beseitigung bewirkt. Uns sind die Hände so weit gebunden, dass wir nur immer warnen, warnen, warnen können.
Voller Verzweiflung grüßt Sie heut und immerdar
Ihre Allgemeine Deutsche Abgrundkontrollstelle (ADAK) von 1848

Auf zum letzten Gefecht

Ja, auf zum letzten Gefecht. Die Schlacht ist praktisch schon gewonnen – nur Siege auf allen Schlachtfeldern, falls man überhaupt von „Schlacht“ reden kann, wenn der Feind mit Katapulten, mit Pfeil und Bogen gegen unsere Panzer und Granaten kämpfen will.
Es ist wunderschön, war aber eigentlich gar nicht mehr nötig, Attac die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Dass wir nun auch diese hässliche Kellerassel zertreten haben, stimmt uns schon ein wenig froh; aber was war schon deren Spendenaufkommen gegen das, was wir laut Olaf Henkel allein der AfD zukommen lassen. [ref] „Mehrere Dax-Vorstände und zahlreiche Chefs von Familienunternehmen unterstützen (finanziell) die AfD“, neuerdings offen auch der ehemalige Vorsitzende des BDI, H. Weiss.[/ref] Aber der letzte, der entscheidende Coup ist natürlich TTIP, unser TTIP!
„Es ist auch die Chance, zu beweisen, dass die transatlantische Partnerschaft tatsächlich auf der Gemeinsamkeit von Werten beruht, die nicht nur auf den militärischen Schlachtfeldern dieser Tage, sondern auch im Alltag des Arbeitens, Produzierens und Handelns besteht,“ kommentiert Stephan Detjen vom Deutschlandfunk. Besser kann man es nicht sagen: Es geht um unsere Werte, Börsenwerte, unsere abendländischen kapitalen Werte.[dropdown_box]
Die uneinsichtigen, nicht einmal an irgendeiner Börse notierten Typen von Attac haben, weil sie selbst des Teufels sind, eine „Dämonisierung der Freihandelsidee“ betrieben, so der kluge Kommentator vom Deutschlandfunk – aber, wie voraussehbar, hatten sie natürlich keinen Erfolg!
Manchmal wundert man sich schon sehr: Wenn da z.B. ausgerechnet 21 Senatoren der Vereinigten Staaten in einem Protestbrief gegen den Druck ihres Verhandlungsführers Michael Fromann wenden, weil er die Gewinnwünsche der Ölindustrie um jeden Preis – auch gegen das Klimaschutzprogramm Obamas – durchsetzen will. Solche öffentliche Kritik sollte unterbunden werden, auch wenn wahrscheinlich sowieso keines unserer (!) Medien groß darüber berichten wird. Viel schöner hört es sich an, wenn sich unser Herr Detjen gegen die „ins hysterische gehende Kritik“ der „Freihandelsapokalyptiker“ wendet und sich belustigt: „Die Abschaffung deutscher Volksmusik wäre wahrscheinlich noch das geringste Übel“ für diese Schwachköpfe. Haha! Oder auch die Unterstellung, die Idioten fürchteten „die Schließung aller Staatsopern und Stadttheater sowie eine Übernahme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks durch Hollywood“. Hoho! Huuuh! Wunderbar! Was dieser witzige Kopf auch noch hätte sagen sollen: Es gehe ja bei TTIP nur um die Vereinheitlichung der Türgriffe bei Pkws u.ä.m.
Tatsächlich können wir aber jetzt – ihr wisst es ja schon, doch es ist zu schön – die Demokratie ausschalten, wenn sie unseren Gewinninteressen im Wege steht. Endlich hat damit die Epoche des Absolutismus begonnen. Die – zugegeben auch bisher schon sehr geringe – Gefahr, dass sich eine demokratisch gewählte Regierung, also das ,was man für die Interessen des Volkes halten könnte, unseren Gewinninteressen entgegenstellen könnte, ist damit gebannt: Denn wir verklagen dann einfach die Staaten – am liebsten vor privaten, nicht öffentlichen Schiedsgerichten, denn sonst könnten ja die Interessen der betroffenen Staaten eine Rolle spielen.
Es ist eine wahre Freude; schon die bloße Aufzählung erzeugt Ekstase: Veolia klagt vor dem ICSID (International Center for for Settlement of Investment Disputes) gegen die Erhöhung des ägyptischen Mindestlohns von 41 auf 72 € monatlich. Der Konzern Cargill verklagte Mexico, weil der Staat eine neue Steuer auf bestimmte Erfrischungsgetränke eingeführt hatte, und erhielt 66 Millionen €. Der Energiekonzern Tampa Electric erhielt von Guatemala nach einer Klage 25 Millionen $, weil der Staat eine Deckelung der Stromtarife eingeführt hatte. Der Konzern Saur verklagt Argentinien wegen des Einfrierens der Wasserpreise, weil dies den Wert seiner Investitionen mindert. US Konzerne verklagen Kanada, weil es Fracking aus Umweltschutzgründen einschränkte. Philipp Morris klagt gegen Uruguay, weil das Land strengere Raucherschutzbestimmungen erlassen hat, fordert 2 Milliarden $ Schadensersatz. Vattenfall klagt vor dem ICSID und will 4 Milliarden € Schadensersatz wegen des Atomausstiegs Deutschlands, und es verklagte Hamburg auf 1,4 Milliarden Schadensersatz wegen neuer Umweltauflagen, die das Kohlekraftwerk Moorburg angeblich „unwirtschaftlich“ machten, was zu einer Aufweichung der Auflagen führte. (Momentan 185 Verfahren.)
Zum Mitsingen: Money, money, money …
An dieser Stelle zu sagen, dass wir keinen Grund zu klagen haben, wäre missverständlich. Aber wir können sagen, dass wir stolz sind, denn wir haben uns durchgesetzt, und zwar ohne wirklich auf Widerstand zu stoßen. Über ACTA, das 2012 von der EU noch abgelehnt wurde, schrieb James Eynor, Chef von Monsanto: „Die Industrie entwarf einen Vorschlag und ließ ihn von den eigenen und vielen anderen Regierungen absegnen.“ Leute, so geht’s!
Auch was die Propaganda anbetrifft, gibt es nur Anlass zum Jubeln: Ach, die scheinbaren Vorteile, nämlich angeblich Millionen neuer Arbeitsplätze, 28% Steigerung der europäischen Exporte, 545 € durchschnittliche Mehreinnahmen für jeden Haushalt wurden in Aussicht gestellt von einem Expertengremium, dem CEPR (Center for Economic Policy Research), einem von Deutscher Bank, PNB Paribas, Citigroup, Barclays, JP Morgan u.a.m finanzierten Thinktank.
Nachprüfen sollte diese Vision natürlich möglichst keiner. So war der zuständige EU-Kommissar de Gucht äußerst verwirrt, als man ihm in einer Monitorsendung dazu vorhielt, dass die Zahlen aus der Luft gegriffen waren. Er gab da leider ein etwas komisches Bild ab. Aber das ist schnell wieder vergessen. Zumal da immer wieder andere einspringen: Alexander Hagelküken z.B. – er heißt wirklich so – schreibt in seinem Samstagsessay unter der Rubrik „Recherche“ (!) in der „Süddeutschen“: „Keiner zweifelte daran“, dass TTIP das Bruttoinlandsprodukt um 120 Milliarden € steigern würde – pro Jahr.“ Überhaupt meint er: „die Geschichte zeigt ja, dass Phasen der Globalisierung Prosperität schaffen.“
Jaha, Wohlstand! Gut! Für uns! Globalsierung und Deregulierung! Die EU kämpft auch darum, die strengere Regulierung der Banken in den USA aufzuweichen. So schreibt der britische Bankenverband TheCityUK etwas unvorsichtig: “Der EU Kommissionsvorschlag sei so nah an ihren eigenen Vorschlägen, als käme er direkt aus unserer TTIP-Broschüre.” “Too big to fail!” In Großbritannien brachten es die Aktiva der vier größten Banken 2011 immerhin auf 394% des Bruttoinlandprodukts, aber auch in Frankreich und Deutschland stehen sie ähnlich gut da, so dass auch bei der nächsten Bankenkrise die Steuerzahler ran müssen.
Jetzt galt es nur noch, die Kritiker zu verunglimpfen, damit man sich mit ihren Argumenten nicht auseinanderzusetzen braucht. Auch das gelingt wunderbar:
Nur noch ein von linkem Antiamerikanismus oder Nationalpopulismus verbiesterter Geist, so Sigmar Gabriel, und “bedenkenversessene” Kritiker, so Steinbrück, stellen sich der Verkörperung des Guten, dem internationalen Kapital, entgegen. Zusätzlich hat Geschäftsführer der Unions-Fraktion im Bundestag, Grosse-Brömer, die SPD aufgefordert, ihre Kritik am Abkommen, falls sie eine solche äußern sollte, aufzugeben oder zumindest für sich zu behalten.
Genial ist natürlich auch, dass wir alles so schön geheim halten und erst, wenn alles klar ist, die Ergebnisse veröffentlichen. So kann uns gar nichts mehr passieren.
Leute, wir brauchen uns nicht mehr zu verstecken! Darum lasst uns laut und ohne falsche Scham ausbrechen in den Jubelruf: Es lebe die Internationale! Es lebe das Kapital. Oh, TTIP, großes TTIP, wunderbares TTIP! TTIP über alles.[/dropdown_box]