Adelsstolz kurz mal durchlaucht

Krempelhuber ist trotz Umfang von immerhin zwölf Buchstaben kein schöner Name; auch ein „von“ vor dem Krempelhuber vermag dem nicht abzuhelfen. Dagegen kann sich der wahre Adel mit exquisit langen und rhythmisch klingenden Namen schmücken. Das ist gewiss ganz, ganz wunderschön, hat aber, was sich die Neider – und die, die sich einen Adelstitel kaufen wollen – meist nicht klar machen, auch Nachteile. So muss der Hochgeborene beim Druck, z.B. von Traueranzeigen, schon einige Euros auf den Tisch legen, wenn da dann etwa eine Elisabeth Maria von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf betrauert werden soll  von einem Hubertus Reginald von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Margarete Amalie von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und außerdem auch noch von einem Sebastian Heribald von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Charlotte Emilie von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und auch von Hermann Frederik von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf und seiner Katharina Hildegard von Wiedeburg und Nostitz-Jänkendorf. Wer nur Otto Meier beklagen muss, macht sich keine Vorstellung von den Kosten. Aber weil ein Edler oft auch heute noch über größere Mengen seines einst zusammengeraubten Vermögens verfügt, so wird er natürlich nicht zu klein und materialistisch denken. Denn ökonomisch gehört er ja wohl immerhin wie die Grafen Lambsdorf und Merz zumindest zur gehobenen Mittelschicht.[dropdown_box]
P.S. Gerade kann man einer Traueranzeige die Gräfin von Schlotterburg-Lochau, geborene Potratz betreffend entnehmen, wie sich die Kosten auch verringern lassen, wenn man die unzähligen Vornamen einfach weglässt und standesgemäß als Graf und Herr von Schlotterburg-Lochau, Gräfin und Herrin von Schlotterburg-Lochau sowie Gräfinmutter von Schlotterburg-Lochau unterzeichnet. Die Gnädigsten duldeten ja ohnehin nicht die Anrede mit dem Vornamen,was man durchaus verstehen kann bei hochherrschaftlich albern klingenden Vornamen wie „Alban“, Ludbert oder Wilhelmine Gustava Ilse. Da kam dann auch wohl niemand auf die Idee, etwa eine blödsinnige Koseform zu bilden wie Albi oder Ludi. ((Die Namen der realen Todesanzeigen wurden verändert.)) [/dropdown_box]

Ach, Edle, welch teure Zähren!

Als Gott der Allmächtige, geb. Zebaoth, gen. Jahwe, Herr über Leben und Tod, seine Durchlaucht Franz Alexander Fürst von Isenburg in die ewige Heimat gerufen hat, trauerten Elisabeth Christine Fürstin von Isenburg, Zara Fürstin von Isenburg, Katharina Erzherzogin von Österreich, Martin Erzherzog von Österreich, Isabelle Fürstin zu Wied, Sophie Prinzessin von Preußen, Georg Friedrich Prinz von Preußen, Viktor Prinz von Isenburg, Annett Prinzessin von Isenburg, und das nicht zu schwach.
Was aber den Tod von Johann Christof Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos, Herr auf Kronwinkl und Rathsmannsdorf, angeht, so gedenken seiner u.a. in Liebe und Dankbarkeit Lidvine Gräfin von Preysing-Lichtenegg-Moos, geborene Gräfin von und zu Eltz, gen. Faustin von Stromberg sowie der Caspar Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos und die Marie-Therese Gräfin von Preysing-Lichtenegg-Moos, geb. Gräfin zu Castell-Castell, natürlich auch Constantin Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos und Philipp Graf von Preysing-Lichtenegg-Moos sowie Domenica Gräfin von Preysing-Lichtenegg-Moos, geb. Gräfin von der Schulenburg, und natürlich – last, but not least – Hermine und Egon Müller.

Märchenhafte Kröten

Wer wusste das? Dass es so viele völlig durchlauchte Menschen gibt! Ob das eine bayrische Spezialität ist –  wie zünftiger Schweinsbraten oder von Guttenberg? Einer Anzeige in der “Süddeutschen” kann man entnehmen, dass der Schöpfer -er nennt sich einfach nur “Schöpfer” – “seine Durchlaucht”, den Fürst zu Castell-Castell, höflichst zu sich gerufen hat, und zwar mit vollem Titel. Gegen diese Etikette kann auch der Allmächtige nichts! Unter den Trauernden befinden sich – ist’s möglich? – drei – ich wiederhole: nicht weniger als drei – wahrhaftige Prinzessinnen, darunter doch tatsächlich eine Prinzessin zu Salm-Salm, verheiratet mit dem Prinzen zu Salm-Salm, die trauernde Fürstin zu Catell-Castell, natürlich auch eine Durchlaucht,  ist nebenbei (!) auch noch eine Prinzessin zu Waldeck und Pyrmont, dann eine Prinzessin Johanna Lobkowicz, verheiratet mit einem Prinzen Johannes Lobkowicz. Beim Festmahl anlässlich der Trauerfeier wird gebeten, höchste Aufmerksamkeit walten zu lassen und etwaig anwesende Frösche oder Kröten nicht zu verschlucken oder sonstwie zu verletzen; es könnten einfach durchlauchte Prinzen sein.

P.S.
“Gnädige Frau, biete 900-jährigen Titel (Fürstliches Haus). Bin ein sehr alter Junggeselle. Wünsche mir eine Dame, die mit Finanzen umgehen kann.” (Bekanntschaftsanzeige)
Da muss man als knuffige Dame doch einfach gnädig sein, oder?

Nackte Kolportage!

Kleinanzeige in der “Süddeutschen Zeitung”:
HOCHADEL sucht Erblasser.
Deutscher Ost-Adel, Grafen-Familie mit Baby, sucht Erblasser.
Antwort:
Lieber Graf ***,
ich bin auch von hohem Adel und leider auch völlig verarmt. Da dachte ich nun, ich könnte meinen fetten Arsch einfach nur in irgendsoeinen fetten Lamborghini  setzen und an der Côte d’Azur die Erträge meines fetten, nie versiegenden Kapitals verprassen, das meine edlen Vorfahren im Laufe der Geschichte im Schweiße ihrer edlen Angesichter zusammengeräubert hatten. Aber das allseits bekannte grausame Schicksal bzw. mein Mann bzw. mein Vermögensverwalter hat es anders gewollt. Es war genau so, wie man es in der Regenbogenpresse immer wieder lesen muss: Mein Gatte ist mit meinen Juwelen und einer aber sowas von vulgären Blondine abgehauen; der Vermögensverwalter hat fast alles verzockt, und als er kein Land mehr sah, hat er sich mit dem Rest nach Südamerika abgesetzt.
Nun stehe ich quasi nackt da: Ich kann weder den Pfleger meiner Autos noch die Pfleger meiner Gärten mehr bezahlen, so dass sie mir nach einigen Monaten ohne Lohn einfach so gekündigt haben und dabei auch noch ziemlich unverschämt waren.
Lieber Graf***, sagen Sie mir: Wie soll ich mit den mir verbliebenen 10000 Euro im Monat auskommen? Sie wissen ja: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Man hat praktisch nichts mehr außer seinem Namen. Falls Sie also ein paar ergiebige Erblasser auftun sollten, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir aus gutem alten aristokratischen Klassengeist den einen oder anderen abzweigen könnten. (Ich wäre dann u.U. auch bereit, die nächste Anzeige aufzugeben.)
Hochachtungsvoll
Ihre sehr ergebene
Elisabeth-Magdalena Freifrau von Pfetten-Steert