Schießwütig

Wenn die Vernunft nicht erklären kann, dann muss die – einfache – Psychologie her.
Überkompensation von Minderwertigkeitsgefühlen ist nicht nur bei Politikern weit verbreitet, aber besonders bei ihnen und bei ihnen besonders gefährlich. Das ostentative Überspielen von in die Augen stechender Gehemmtheit durch ins Extrem getriebene Machogebaren findet sich besonders bei Politikern wie Hitler, Mussolini, Trump, Putin usw. Leider vergeht uns meist das Lachen darüber – außer bei Chaplins “Großem Diktator” – , denn sie handeln auch gemäß dieser gefährlichen psychischen Disponiertheit und verbreiten viel Leid, wenn die Umstände sie dazu in die Lage versetzen. Auf Kränkungen ihres extrem instabilen Ichs reagieren sie auf unberechenbare und rücksichtslose Weise.
Putin, der sich als Herrscher einer Großmacht nicht genügend geachtet und daher in seinem Stolz verletzt fühlte, hat offenbar aus Größenwahn einen sonst nicht erklärbaren Krieg begonnen. Würde der Russenherrscher jetzt, wenn eine Niederlage in dem von ihm angezettelten Krieg gegen die Ukraine drohte, in seinem prekären Selbstgefühl zutiefst gekränkt, mit dem Atomkrieg reagieren, um seinen Untergang mit dem des Rests der Welt zu verbinden? Was wäre dann zu tun? Ihn und sein Land so schnell und gründlich zusammenzubomben, dass er gar nicht mehr dazu kommt, Atombomben einzusetzen? Oder wird er angesichts eines verlorenen Krieges gegen die Ukraine, wenn das denn möglich wäre, kleinlaut bekennen, dass er sich geirrt habe und eigentlich nie einen Krieg bzw. eine Spezialoperation gewollt hatte? Oder muss man, um Schlimmeres zu verhüten, ihm irgendwie die Möglichkeit lassen, sein böses Gesicht wenigstens teilweise zu wahren?
Grrrr! fletscht Marie-Agnes Strack-Zimmermann Pitbull-Bomber die Zähne. Und ihre einfache Lösung findet bei einfachen Leuten viel Zustimmung. Trommel, Pfeifen und Gewehr, Fahn’ und Säbel und noch mehr, ja ein ganzes Kriegesheer möcht’ sie gerne haben! Sie will  – peng! – Bomben, Panzer und noch mehr! Will sie Putin und Russland dem Erdboden gleichmachen? Was reitet diese männlich zurechtgemachte Kriegerin? Leidet sie als das „schwache Geschlecht“ und muss nun unbedingt endlich die Männer an Aggressivität übertreffen? Solche Flintenweiber, die sich, um im Konkurrenzkampf zu avanzieren, gesteigertes Männerverhalten aneignen, soll es ja geben.
Und nun kommen wir zu Anton Hofreiter. Fühlt sich der putzige Grüne mit dem niedlichen Puttengesicht, den lustigen langen Haaren und dem spaßigen Shirts nicht ernst genommen? Er hat als profilierter Linker in der Koalitionsregierung kein Ministeramt erhalten, auch weil er keine Frau war trotz langen Haaren. Und ausgerechnet die graue Unperson Özdemir war ins Landwirtschaftsministerium gelangt. Ob diese Zurücksetzung der Grund war, dass Hofreiter, der einst ach so Friedliebende, nun plötzlich die Regierung auffordert, immer mehr und immer schwerere Waffen direkt an die Ukraine zu liefern? Und dass er glaubt, durch einen Blitzkrieg den Dritten Weltkrieg verhindern zu können? Oder liegt der Grund vielleicht in Verletzungen seines Selbstgefühls in früher Jugend, in der er vielleicht als „kleiner Dicker“ geärgert worden war, und nun will er es einmal allen zeigen? Endlich hat er auch Döpfners BILD Zeitung auf seiner Seite. Hurrrrra! Auf sie mit Gebrüll! Tötet sie, schlachtet sie ab, die Russen alle! Die tiefe Enttäuschung angesichts der Korrektur ihres Bildes vom Russenherrscher und eine dieser entsprechende Empörung hat allerdings sogar die meisten Grünen – auch z.B. einen Jürgen Trittin – erfasst: Blind vor Wut scheint es ihnen egal zu sein, dass sich Deutschland mit der direkten und deshalb schnellen Lieferung schwerer Waffen in gefährliche Nähe zu etwas begäbe, was ein böswilliger Putin als Kriegsbeitritt deuten könnte. Mit dem Säbel zwischen den Zähnen und gelb-blaue Fahnen schwenkend sehen sie sich mit den Ukrainern heldenhaft gen Osten (Wolgograd?) voranstürmen. Allahu Akbar! Dem Tod mutig entgegen.
Ausnahmsweise und widerwillig muss man dem sonst so wenig verständigen Hilmar Klute Recht geben, wenn dieser in der Süddeutschen Zeitung (22.4.22 S.11) schreibt: „Hätten all die Großsprecher, die jetzt am liebsten selbst die schweren Waffen mit dem Lastenfahrrad nach Kiew fahren würden, ein Wort in der Politik mitzureden, so wäre der Dritte Weltkrieg schon da.“
Da reißt uns hin zu einem Ausbruch von unterkühltem Enthusiasmus: „Gott segne Olaf Scholz!”

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