Das Streben nach Höherem

Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum
schon meint, dass er ein Vogel wär,
so irrt sich der.

Das Ehepaar G** hat es im Bereich Fäkalienentsorgung zu überragendem Expertentum und daraus resultierendem Wohlstand gebracht. Im Bereich Fäkalien macht ihnen so leicht niemand etwas vor. Aber darauf wollten sie keineswegs ausruhen; sie strebten nach Höherem, also nach “Kultur”, und hatten das Geld für ein Beraterteam, das ihnen zu “Blue Chips“ aus dem Bereich der bildenden Kunst verhalf, z.B. Jeff Koons 1. Jetzt führen sie die erworbenen Werke in hellen, gut geheizten Räumen stolz bei einem Gläschen Sekt ihren wohlhabenden Freunden vor. Und tatsächlich zeigt deren Reaktion, dass Scheiße nicht stinken muss.

Himmel!

Lass Hirn vom Himmel regnen! Aber mach mich nicht nass!
„In der FDP ist viel von Intelligenz die Rede.“1
Obwohl das doch ein Fremdwort ist.
Der große Vorsitzende Lindner wünscht „intelligente“ Öffnungsstrategien. Und vom Thüringer FDP-Vorsitzenden Kemmerich fordern Parteikollegen, er solle sein „Hirn einschalten“. Ach, ach! Als wenn das so einfach wäre! Woher nehmen? Und wäre das nicht überhaupt ziemlich gefährlich – auch für die Partei? Was wäre, wenn plötzlich auch die BILD oder die AfD intelligent sein wollten?
Kemmerich, einziger legitimer Ministerpräsident von Thüringen – so stellten ihn seine Freunde von der AfD auf der Anti-Corona-Maßnahmen-Demo vor –, hatte auf der Demo konsequent mit Rechtsradikalen gegen die harten Auflagen demonstriert. Er hatte wohl auch gemeint, damit auf dem Kurs von Lindner zu liegen. Die unerwartete Kritik an seiner Hirnlosigkeit hat ihn dann aber hart getroffen. Sie diskreditiere, so schreibt er empört, „die Arbeit des gesamten Landesverbandes in den letzten 30 Jahren“. Ja, diskreditiert sie womöglich die gesamte FDP, die FDPTradition Werner Naumanns, Ernst Achenbachs, Erich Mendes?2 Und das alles nur, weil Kemmerich und die Seinen nicht so feige wie alle Welt sind und sich nicht vor diesem lächerlich kleinen Virus fürchten. Kemmerisch ist sich wenigstens sicher, dass er noch keinem einzigen dieser Angstmacher von Angesicht zu Angesicht begegnet ist.
Ach, was, Intelligenz … Neumodisches Zeugs! Ging doch auch sonst ohne.

Sprachblüten

Ach, Christoph Gurk,
Sie haben es nicht leicht. Eigentlich wollten Sie ja Sport studieren. Aber man hat Sie offenbar gezwungen, Journalist zu werden. Und da haben wir das Malheur: Nun ist nicht der Sportsfreund, sondern die deutsche Sprache Ihr Gegenpart. Und zum Entsetzen vieler, die sich dieser Sprache bedienen wollen, unterscheidet sie tatsächlich neben dem Nominativ (Werfall) noch Akkusativ (Wenfall), Dativ (Wemfall) und Genitiv (Wesfall). (Oh je, man schaut schon so kaum durch! Wenn es da auch noch den Ablativ und den Vokativ gäbe!) Das ist zugegeben sehr verwirrend. Und da haben Sie nun irgendwann etwas gelesen mit der seltenen Präposition (Verhältniswort) „wider“ und in der Redewendung gefolgt von dem Nomen (Substantiv, Hauptwort, Dingwort) „Wissen“: „wider besseres Wissen“. Aus dem Zusammenhang ergab sich, dass „wider“ soviel hieß wie „gegen“. Nur hieß es eben nicht „gegen“, sondern etwas altertümlich „wider“. Aber es hat Sie mächtig verunsichert: „wider besseres Wissen“? Das war wahrscheinlich der Dativ oder doch der Akkusativ? Oder wegen des „s“ am Ende von „besseres“ doch eher der Genitiv?


Aber es gab ja den Trend, den Genitiv auszurotten („der Toten gedenken“ – das hört hört sich ja – hihi – total ulkig an), und die Gegenbewegung „Rettet den Genitiv!“ Und deren verunsicherte, aber um so aggressivere Anhänger sehen nicht mehr Freund noch Feind, weder Dativ noch Akkusativ; sie kennen nur noch einen – vaterländischen – Genitiv! Und so schreiben auch Sie „wider allen besseren Wissens“ (Süddeutsche 13.5.20. S.7) Aber Blindheit schützt vor Unrecht nicht: Die Präposition „wider“ ist kurz vor dem Aussterben1; es ist unser aller moralische Pflicht, sie zu bewahren, und zwar in ihrer reizenden, mit ein wenig Patina versehenen Ursprünglichkeit – den Akkusativ regierend.
Ach, Christoph Gurk, haben Sie Mitleid, retten Sie die Nicht-Genitive, den Dativ und den Akkusativ. Auch sie möchten leben. Der Sprachgott wird es Ihrer Ihnen vergelten („Sie dafür belohnen“). Er wird es Ihnen danken, wenn dank Ihrer Ihnen die deutsche Sprachflora weiter wider allen Misslichkeiten herrlich vielfältige Blüten treibt.
Mit diesem Wunsch und überhaupt allen (ohne Ausnahme) guten Wünschen
Gerd Busch

Heurekahrs!

In dunklen Corvid19 Zeiten fährt es wie ein Blitz in den melancholischen Alltag: Johannes Kahrs ist – laut Wikipedia – nur noch „ein ehemaliger deutscher Politiker“, denn der Waffenlobbyist 1 und Rechtsaußen der SPD, Sprecher des Seeheimer Kreises, ist bitterböse auf alle und legt zur Strafe sein Bundestagsmandat nieder, weil er nicht Wehrbeauftragter wird. Er war schon immer ein einfaches Gemüt, diente mit Leib und Seele in der soldatischen Männergesellschaft, brachte es gar zum Oberst der Reserve und fühlte sich auch nach dem Wehrdienst am wohlsten, wenn er Militärrucksack und Sportjacke des Heeres tragen konnte.2   Es wird, so schreibt er. „Zeit für mich, andere Wege zu gehen“. Ja, höchste Zeit! Aber die Erinnerungen an die unbändig männliche Kraft der Leopardpanzer (“Brumm, brumm! Bummmm!”) und an das Singen von “Schwarzbraun ist die Haselnuss” beim traulichen Zusammensein mit den Kameraden am Lagerfeuer kann ihm niemand nehmen.

Barbarabarabara

Es gibt die Bunte und das Goldene Blatt, es gibt die Neue Post und die Neue Welt, das Neue Blatt und die Aktuelle, es gibt Brigitte, Barbara, Bella, Donna, Laura, Gala, Lisa, Petra, Tina und Corona.
Und es gibt BILD.
Außerdem gibt es tolle Journalisten. Manche sind so gut, dass sie für alle Blätter schreiben können, z.B. Nikolaus Blome, der beim Spiegel arbeitete und arbeitet und als stellvertretender Chefredakteur bei BILD. Er könnte sicher auch bei Focus arbeiten und für den Stern und für Bella, Donna, Laura, Gala, Lisa, Petra und Tina.
AfD und NPD usw. finden, dass BILD usw. zu links sind, d.h. nicht positiv genug ihnen gegenüber. Sie möchten vor allem das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen abschaffen bzw. als Rechte liberal sein und die Menschen von den Fernsehgebühren befreien. Wie bei den Freidemokraten ist die Befreiung ihr ganz großes Ziel: Sie möchten die Menschen überhaupt befreien – von den Steuern und von Einschränkungen wegen Corona.
Die Regierenden brauchen sich um die Presse keine Sorgen zu machen, und sie tun es auch nicht: Ausgerechnet das von Adenauer als Gegenpart zur seiner Meinung nach allzu kritischen ARD gegründete ZDF erlaubt neben Markus Lanz auch ein paar kritische Sendungen, wie „heute show“ oder „Die Anstalt“. Damit alles im Rahmen bleibt, sind allerdings sonstige kritische Beiträge meist auf Minderheitensender, wie Arte, Phoenix. ZDFinfo oder tagesschau 24, verbannt.
Jedenfalls gibt es ja auch noch die Bunte und das Goldene Blatt, es gibt die Neue Post und die Neue Welt, das Neue Blatt, es gibt Brigitte, Barbara, Bella, Donna, Laura, Gala, Lisa, Petra, Tina und Corona.
Und es gibt BILD.
Es liest ohnehin nur jeder achte Jugendliche öfter mal eine Zeitung. Und die Öffentlich-Rechtlichen muss man ja auch nicht sehen.
Und es gibt RTL und RTL II.
„Wie wichtig die Arbeit der Medien ist, wird gerade in der Corona-Krise deutlich […] Es steht viel auf dem Spiel: Vielfalt, Unabhängigkeit, Qualität, Meinungspluralismus.“ 1