Ei der Daus!

„Die Abendsonne wirft letzte Strahlen auf die Dorfkirche, die Berge dahinter liegen schon im Schatten. Auf dem Dorfplatz … “
Leider erhält der Leser keine weitere Informationen, z.B. über den Aufenthaltsort Bambis oder darüber, ob noch eine Lerche halb im Traum noch ein letztes Tirili ertönen lässt oder aus dem Blätterrauschen der Linde ein sanftes Lied erklingt. Statt dessen erfährt er von einem „kleinen Kunststück“: „Ausgerechnet jene Schweizer Partei, die neben ausländerfeindlichen Parolen bekannt ist für ein eher rückständiges Frauen- und Familienbild, hat es geschafft, eine erfolgreiche Unternehmerin und Mutter von drei Kindern zu ihrer Vorzeigefrau zu machen“, nämlich Frau Martullo-Blocher. Dabei ist sie – wie man gleich im ersten Satz erfährt – sogar „kleiner als ihr“ – bereits als Unternehmer und Politiker der rechtskonservativen Schweizer Volkspartei mächtiger – „Vater“ Christoph Blocher.
Ja, ei der Daus! Wie konnte das geschehen? Der Leser muss einige Zeit grübeln, bis er erfährt (einundsachtzig Zeilen später), „dass das Geld der Unternehmerfamilie Blocher eine nicht unwesentliche Rolle bei ihrem Aufstieg spielt. Es steckt inzwischen in einigen Medienunternehmen, die Vater Blocher in den vergangenen Jahren gekauft hat.“ (Isabel Pfaff: Auf dem Weg zur Dynastie. Süddeutsche Zeitung 18.10.19)
Beste Journalistenschule!

Schwupps!

Klimaflucht und Promipaare

Es ist gut, dass die ARD die Dokumentation „Klimafluch – Klimaflucht“ nicht so früh gesendet hat, denn dann hätte womöglich jemand aus Versehen, nämlich weil er vielleicht nicht schnell genug zum Traumschiff oder auf „Kampf der Promipaare“ umschalten konnte, vielleicht doch sogar mit ein wenig wohligem Schauder aus Sensationsgier die Schrecknisse mit ansehen müssen, die der Klimawandel bereits heute angerichtet hat. Das hätte ihm glatt seinen Flug in den Malle-Urlaub vergällen können, wenn er nicht so ein Experte im Verdrängen wäre. Das mit dem Verdrängen ist allerdings eine teuflisch gute Fähigkeit: Kaum bist du mit deinem SUV an dem blutigen Unfall vorbei gefahren, braucht es nur ein bis zwei Minuten, schwupps bedrängst du wieder fröhlich mit 180 km/h das vorauffahrende Fahrzeug Stoßstange an Stoßstange.

Reiner Frohsinn

Und überhaupt: Wenn du eine der rechten Parteien wählst, denen es nur um die Macht geht und die deshalb an die mehr oder minder verborgenen asozialen Triebe appellieren und sagen, dass der menschengemachte Klimawandel nur in der Einbildung von missgünstigen Linken existiert, die einem jedes Vergnügen nehmen wollen, dann bist du auf der sicheren Seite. Du kannst dann nicht nur mit reinem Gewissen tun, wozu du  Lust hast, als kostenlose Dreingabe erhältst du ein Hassobjekt.

Wunderland und Vogelschiss

Die Griechen haben gerade Tsipras und seine Syriza abgewählt, die trotz Erpressung versucht haben, den Griechen etwas soziale Gerechtigkeit zu bewahren. Statt dessen haben sie Kyriakos Mitsotakis und seine Nea Demokratia wieder an die Macht gebracht. Welch großartiger Akt des Verdrängens: Sein Vater als Parteivorsitzender und dessen Partei haben das Land ruiniert, die Armut, Arbeitslosigkeit und den finanziellen Bankrott herbeigeführt, indem sie die Zahlen des Staatshaushalts gefälscht, Parteigenossen, Freunde und Verwandte mit Pensionen und sinnleeren Ämtern versorgt haben.
Ach, da war was? Allenfalls ein Vogelschiss! Kyriakos verspricht niedrigere Steuern und Reichtum. Das ist wirklich wunderbar.

Positiv sein!

Und man muss sich immer auch sagen: Es gab auch Gutes. Die Nazis haben ja nicht nur Millionen Menschen umgebracht, sondern auch Autobahnen gebaut und die Arbeitslosigkeit mit Rüstung und Krieg abgebaut. Und wenn damals jemand vom Klimawandel geschwafelt hätte, hätte man ihn ohne weiteres Drumherum einfach in die Klapsmühle gesteckt oder lieber gleich erschossen. Schwupps! Problem erfasst, Problem gelöst. Man darf nicht immer so negativ sein. Da vergeht einem ja alle Lebensfreude.

Logisch

Erdogan küsst alle seine Krieger (auch die toten?) – auf die Stirn. Ganz edle Geste! Selbstverständlich Tränen der Rührung bei den Kriegern (auch bei den toten?)

. Logisch: Erdogan ist damit allerdings für die nächsten Wochen voll ausgelastet und musste alle anderen Termine absagen, obwohl ja Trump die türkische Wirtschaft zerstören und ausradieren wird.

Die doofen Kurden ärgern sich, weil Trump keine Verpflichtung gegenüber den Kampfgenossen im Krieg gegen den IS sieht . Aber geschieht ihnen recht! Denn – logisch – wie Trump zu Recht feststellt: “Sie haben uns nicht im Zweiten Weltkrieg geholfen, sie haben uns beispielsweise nicht mit der Normandie geholfen.“

Ein heiliger Geist!

Unvergleichlich! Mit wem ließe er sich vergleichen?
Mit Bach? Hat ihn schon mal jemand gehört, wie göttlich er unter der Dusche zu singen vermag?
Mit Einstein? Er verfügt über “großartige und unübertroffene Weisheit” (“in my great and unmatched wisdom”) und hat erkannt, was für ein Schwachsinn die Relativitätstheorie, das Gerede vom Klimawandel usw. ist.
Mit Ghandi? Er hat bis heute noch nicht eine einzige seiner Atombomben abwerfen lassen, obwohl ihm verdammt danach gelüstete (“I too have a Nuclear Button, but it is a much bigger & more powerful one than his”). Er hat auch etwas gegen kleine ,lächerliche Stammeskriege’ wie in Syrien (ridiculous endless wars).
Mit Jesus? Er ist der größten Hexenjagd der Geschichte (single greatest witch hunt of a politician in American history) ausgesetzt.
Mit Gottvater? Er ist fürchterlich in seinem – alttestamentarisch anmutenden – Zorn („werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und ausradieren“ – “destroy and obliterate”).
Nur was das Tanzen angeht, so kann er es angeblich nicht mit Nijinsky aufnehmen. Er hat auch bisher – zumindest öffentlich – auf alle Versuche, es ihm gleich zu tun, verzichtet – aus Furcht, sich lächerlich zu machen.
Aber sonst absolut anbetungswürdig!