Ratten aus Braunau

Tief unten dort in meinem Stollen,
wo wir Ratten wohnen wollen,
wo nur wir zu Hause sind,
Rattenvater, Rattenkind,
ICH wohn hier mit meiner Frau
Rattenmutter und genau
so wie wir hier unten leben,
müssen and’re Ratten eben,
die als Gäst oder Migranten
auch die, die wir noch gar nicht kannten
die Art zu leben mit uns teilen.
Oder rasch von dannen eilen!
Die Ratte Christian Schilcher, FPÖ-Vizebürgermeister von Hitlers Geburtsort Braunau, wohnt also1 mit Rattenfrau und Rattenkind in einer Rattenhöhle. Sein Rattenbekenntnis zeugt von ungewöhnlich mutiger Selbstkritik. Dafür muss man ihn loben, nicht für die ästhetische Qualität seiner holperigen Karnevalsreimerei. Wenn er nun allerdings die Ratten zur edelsten Rasse erheben und ausgerechnet das Rattenvolkstum zur einzig wahren Lebensform erklären möchte, so ist er offensichtlich Opfer eines grassierenden zerebralen Viruses geworden, das sich ähnlich wie die Schweinepest bei den Schweinen heimtückisch ausbreitet, und zwar unter aktiver Mithilfe konservativer Impfgegner in den europäische Parteien der „Mitte“.

Eilmeldung

Laut Anzeige des Autoverleihers Sixt will Kühnert (außer den Eisdielen) auch noch die Autobesitzer enteignen!!!! Bringt eure Porsche Cayennes und auch die beiden Kleinwagen für Frau und Tochter in Sicherheit, bevor es zu spät ist! Jeder weiß es – nicht nur Sixt: Ein Leben ohne Auto – das wäre wirklich die Hölle! Unvorstellbar! Das steht keiner durch.

Nuhrdoof: Patrick Kühnert will Eisdielen vergesellschaften und hat Hamsterbacken

Es geht unaufhaltsam vorwärts

Der Zug rast auf den Prellbock zu. Anscheinend hat da jemand eine Weiche falsch gestellt.
„Weiter so! Es geht voran! Wir bleiben bei unserer Linie. Unaufhaltsam.“
„Neieiein!!! Halt!!! Es ist eine Sackgasse!“
„Man kann den Fortschritt nicht aufhalten. Was ihr wollt, ist rückwärtsgewandt. Das weiß doch jedes Kind! “

Fortschrittlicher Klimawandel

Vorwärts

Welch eine herrliche Diskussion! Es muss vorangehen – auf vorgegebenen Gleisen! Und wenn dann irgendwann die – sehr fortschrittliche – Klimakatastrophe unabwendbar ist … dann haben wir – auch dank großzügiger Spenden der Konzerne – Wahlen gewonnen und möglicherweise sogar kurzfristig einige Arbeitsplätze erhalten.
Zu kompliziert wäre es, das Hirn zu reaktivieren, wie man es beim Schwein – so erzählt Dieter Nuhr – gemacht habe. Aber dann müsste man vielleicht einhalten, sein Hirn anstrengen und fragen: Wo befinden wir uns? Wohin wollen wir? Wie kommen wir dahin? Müssen wir bremsen? Müssen wir beschleunigen? Müssen wir vorwärts oder rückwärts fahren oder abbiegen? Oder gar die Notbremse ziehen?

Rückschrittliche Kollektivierung

Bei NTV – auch als FDP-TV bekannt – , da versteht es sich, dass man in den Nachrichten auf die Idee eines im Allgemeinen gar nicht so hellen Juso-Vorsitzenden namens Patrick Kühnert, man müsse in Betracht ziehen, Großkonzerne zu kollektivieren, sofort eine der lieblichen FDP-Blondinen – nein, nicht Katja Suding – namens Lindna Teuteberg kommentieren lässt und sie knüppeln darf: Was der Kühnert da sagt, ach, nein, das sei, das sei ja rückwärtsgewandt. Und der äußerst sensible, aber sprachmächtige Lokführer Andreas B. Scheuer gerät angesichts des bedrohlichen Gedankens von Kühnert nicht nur sprachlich in eine Ekstase, wenn er von einem “rückwärtsgewandten (…) Retroweltbild” spricht, und zwar eines “Fantasten”, der zudem auch noch “verirrt” sei. Donnerwetter, Scheuer! Müssen wir um seine psychische Gesundheit fürchten? Wird er sich je wieder beruhigen?

Lass Hirn vom Himmel regnen

Sind es Gründe des Proporzes? Allzuviel Rationalität wie bei der „Anstalt“ vom ZDF braucht ein Gegengewicht in Form von Ressentiment und Versimplung auf Stammtischniveau, meint anscheinend der RBB und sucht daher den von BILD versifften Kleinbürger durch einen rechten Comedian namens Dieter Nuhr zu amüsieren, der sich unglücklicherweise für einen Kabarettisten hält, obwohl er nur mit karnevalsmäßigem Humor alles an Schwachsinn wiederholt, was der regierungskonforme Mainstream von sich gibt? Wahrlich, niemand kann ihm vorwerfen, dass er allzu oft sein Hirn benutzt, und so plappert er nach1, Kühnerts Idee wäre ,pubertär’, ein Rückfall (!) in kindlichen (!) Marxismus von vorgestern (!).

Oh Schreck, sowjetische Eisdielen!

Nuhr – und sein Erotophon

Und da es ja immer einfacher ist, eine Idee zu bekämpfen, wenn man sie entstellt, so fügt er unter dem juchzenden Gelächter seines denkfaulen, aber heftig amüsierfreudigen Publikums erläuternd hinzu, Kühnert wolle die Sowjetwirtschaft wieder einführen und alles kollektivieren, Eisdiele und Riviera. Juchz!! Außerdem tut er kund, dass ihm die „Hamsterbacken“ Kühnerts missfallen. Hihi! Das versteht man bei dem gestriegelten Klassenkämpfer Dieter „Christian“ Nuhr, der sein Mikrofon seltsam liebe- und hingebungsvoll umschmiegt 2 Aber hält er das wirklich und wahrhaftig wie der RBB für “scharfzüngiges Kabarett”? 3
Nuhr, der schon auf unsäglich primitive Weise – genauso wie sein Kollege Mario Barth 4 gegen die Grenzwerte beim Feinstaub polemisiert hatte (nur gefährlich bei 1 m großen Lungenkranken, die auf einer Kreuzung hausen), hat sich anscheinend noch nie Gedanken gemacht – er soll aber, besagt ein Gerücht, tatsächlich ein Hirn besitzen – , natürlich auch nicht darüber, was geschieht, wenn, wie Wissenschaftler voraussagen, die Konzerne durch Maschinen bzw. Computer weithin menschliche Arbeitskraft ersetzen, also Arbeitslose erzeugen, aber die Teile der erwirtschafteten Gewinne, die für den Lebensunterhalt der Arbeitslosen notwendig sind, weiter sich und ihren Aktionären vorbehalten.

‘tschuldigung

Liebe friedliche Genossen im Kampf gegen jede Art hässlicher Abgründigkeit, ich musste leider umziehen: Das Haus war zu klein geworden. Das Umräumen hat etwas gedauert. Aber dafür hat sich der Ausblick auf den Horizont grauslich erweitert: Heulen und Zähneklappern! Uaaahhh!!!!

Vom Strullern und Pullern

Zum Verzweifeln schlecht

Schlecht, albern, humorlos – diese Eigenschaften lassen sich nicht steigern: Schlechter als schlecht gibt es nicht. Wo kein Humor ist, kann nicht weniger als nichts sein. Man kann die Eigenschaften allenfalls emotional steigern, indem man zusätzlich seine subjektive Betroffenheit kundtut und ein „unglaublich“ hinzufügt. Man kann verzweifeln, aber wenn etwas niveaulos ist, so lässt sich diese Betroffenheit nur dadurch ausdrücken, dass man z.B. die Niveaulosigkeit mit dem eigenen Erleben zu „nie dagewesener Niveaulosigkeit“ verbindet. Das mag etwas übertrieben sein, kennzeichnet aber das eigene Gefühl. Im Grunde – das lässt sich schon diesen Ausführungen entnehmen – gibt es Verhaltensweisen, die einen aufgrund ihrer extremen Mangelhaftigkeit sprachlos machen.

Unterschiedliche physische Effekte

Es ist eine glatte Überforderung, wenn man sich etwa über den Humor eines Chris Tall oder Mario Barth äußern soll. Es ist absurd, dass diese Komiker in Massenveranstaltungen Frohsinn statt Melancholie und Depression auslösen. Und wenn gar der ob seiner volkstümlichen Primitivität vom RTL-Publikum so heiß geliebte Mario Barth zugleich ,humorig’ und „investigativ“ herausfindet, dass alle Wissenschaftler komplette Idioten sind, die behaupten, dass Feinstaub gefährlich sei, stehen einem sämtliche Haare zu Berge.
Erschüttert liest man auch, dass der Saal johlte und vor Lachen unter die Sitze kippte, als der Ex-Fußballer Mario Basler den Weggang eines Zuschauers aus seiner Talk-Vorstellung mit den Worten kommentiert: „Ah, der muss pullern. Oder Kacka machen.“ 1

Jubel, Jubel, gute Laune

Das alles könnte einen zwar entsetzen, aber letztlich doch wieder besänftigen, wenn die Rezeption solcher Niveaulosigkeiten sich nur im flachen Unterhaltungsgewerbe zeigen würde. Aber sie ist allgegenwärtig: Als wäre er in Florian Silbereisens Schlager-Show mit den schlackerigen Damen vom Fernsehballett, inszeniert Trump einen Wahlkampfauftritt, indem er, flankiert von bezahlten Jublern (Schauspielern 50 Dollar für 3 Stunden laut „Hollywood Reporter“), mit Gattin eine Rolltreppe zum von Stars and Stripes umkränzten Rednerpult heruntergleitet, den Daumen hebt und – „Wow, wow, das ist mal eine Gruppe von Menschen, Tausende!“ – vor Rührung über die hemmungslos jubelnden ,Massen’ scheinbar von seinen Emotionen übermannt wird.

Regietheater

Es geht immer um die Inszenierung, mag sie auch noch so primitiv sein, dann ist auch Pipi ond Kacka ein Hit. Man muss z.B. auf dem inszenierten modernen Kunstmarkt die Bilder selbst gar nicht ansehen. Um Himmels willen meist besser nicht! Denn es geht ja auch gar nicht um die konkreten Bilder, wenn es sie denn gibt, sondern um die Images der Künstler, die sich als solche für den Markt inszenieren. Und dabei darf das Niveau durchaus das von „Pipi, Kacka“ sein. Es bilde sich nur niemand ein, dass die Kunstliebhaber, nur weil sie dicke Brieftaschen haben, sich auf höherem intellektuellen oder moralischen Niveau bewegen als das Publikum von Chris Tall, Mario Barth oder Mario Basler.

 Meese – zum Totlachen!

Ein Jonathan Meese inszeniert sich z.B. als Trash-Genie. (Er kann „auf dem Sofa sitzen und 130 Mal hintereinander Dancing Queen von Abba hören.“ – Ach, du meine Güte!) Dazu gehört, dass er möglichst verrückt sein muss, so wie sich der Onkel Willi einen Künstler vorstellt. Was sich aber unser Jonathan dabei ausdenkt, ist so umwerfend, als wäre er ein zweiter Chris Tall. Er sagt, er habe sich Bücher unter sein Kopfkissen gelegt, „um im Schlaf Wissen durch Osmose zu erlangen“. Er habe eine Vorliebe für Kuscheltiere, weil man mit Hilfe des Kuscheltiers Dinge sagen kann, die man ohne Kuscheltier nicht sagen kann. Das von ihm erfundene Wort Djottidei „ist aus Don, Johnny, Dotter und Ei zusammengesetzt. Es beschreibt den hermetischen Meese.“ Ha, ha, ha! Der Saal tobt! Mario Barth und Chris Tall gucken mit Kennerblick auf den Kollegen. Gefährlich könnte es allerdings werden, wenn der Clown Sätze von sich gibt wie: „Die Pupsdemokraten gehören weggestrullert,“ 2 Ist das Afd-Humor?