Oh, Mann! Neue neun Höcker!

Alle wollen sein wie die AfD, egal ob Südmann oder Ostmann, Franzmann oder Deutschmann. Der Franzmann versucht natürlich nicht zu sein wie die AfD, sondern wie der Front national. Der neue Vorsitzende der Republikaner Wauquiez, natürlich aus einer Unternehmerdynastie, will „das Krebsgeschwür“ Sozialstaat abschaffen und fordert: „Die Rechte muss wieder richtig rechts werden.“ Er sieht selbstverständlich überall rote Ratten, wie z.B. Gerhard Macron.

Das ist ein Deutschhase, wie ihn kein anderes Volk besitzt. Signiert von AfD.

Man darf Faschisten, die wie z.B. Götz Kubitschek, der „geistige Führer der neuen Rechten in der AfD“ (FAZ), bei Pegida „im schwarzen Hemd und offener brauner Uniformjacke auftreten“ ((“Ein Narr, wer darin nicht eine bewusste Anspielung auf die faschistischen Bewegungen im Europa der zwanziger und dreißiger Jahre sieht“, schrieb Bernd Lucke.)), nicht einfach als Dummköpfe abtun. „Mit Rechten reden” statt ,überspannter Empörung, selbstgerechter Überlegenheitsgesten und zersetzender Verachtung’ fordert eine Streitschrift (von Per Leo, Max Steinbeis und Daniel Pascal Zorn), denn die Rechten seien klug, jedenfalls nicht dümmer als die Linken, und mit ihnen zu reden sei per se interessant. Auch wenn sie wie Kubitschek das „Nationale/Ethnische“ für „unhintergehbar“ halten? Ja, ist nicht gerade die Überlegenheit bzw. die Eigenart der Deutschrasse immer ein Gegenstand, der eine spannende Diskussion ermöglicht? [htsP anchor_text = “Weiterlesen”] Dass man damit den Rassismus hoffähig mache – diese Behauptung können wir doch schon nicht mehr hören, oder? Um die Konjunktur rechten Denkens zu verstehen, muss man sich vorurteilsfrei mit rechten Argumenten auseinandersetzen, so lautet eine der zentralen Forderungen des Buchs. Vorurteilsfrei! Genau! Wird Zeit!
Dem Südmann übrigens, z.B. einem Söder, der selbstlos, ja geradezu märtyrerhaft  oder, wie er selbst sagt, mit „Demut“ (!) die ihm auferlegte Bestimmung, dem bayerischen Volk als Ministerpräsident zu dienen, auf sich nimmt und deshalb unserer ungeschmälerten Bewunderung gewiss sein kann, sollte man auch vorurteilsfrei begegnen, so wie wir es hier tun. Er ist allerdings ganz offensichtlich nicht “das unbekannte Wesen” und insofern unspannend.
Ganz anders der Ostmann. Was ist das denn für einer, fragt die „Zeit“, und zwei Journalisten, Experten, weil selbst aus dem Osten stammend, begeben sich zu Forschungszwecken in den Osten und sprechen mit einem echten AfD-Wähler und Pegida-Demonstranten aus Dresden. Denn – wir wissen es – man darf den Ostmann nicht allein lassen, sondern sprechen muss man mit ihm. Der Ostmann, mit dem die beiden ZEIT-Journalisten sprechen, heißt Kluger, war aber in der CDU und hat es demzufolge im konservativen Sachsen zum Schulleiter gebracht, ist dann aber aus der sächsischen CDU ausgetreten, weil sie ihm zu rot war. Wie ein Björn Höcker darf er junge Menschen in Deutsch und Geschichte unterrichten.
Kluger sieht rot. Und zwar überall und immer. (Da ist er dem Südmann nicht unähnlich.) Die Presse ist rot: „Linke Entwicklungen werden beklatscht und konservative Entwicklungen kritisiert“ und: „Jedem, der konservativ ist, wird eine Nähe zu Verbrechern unterstellt. Jemandem, der links ist, er wolle die Gesellschaft positiv verändern. Ist ja auch klar: Zu sagen, wir machen Energie jetzt aus Wind und nicht mehr aus Kernkraft – das klingt traumhaft. Nur dumm, wenn kein Strom mehr aus den Steckdosen kommt.“ Ja, dumm!
Kluger ist aber zu seinem Glück überhaupt nicht ein bisschen dumm, sondern ein kritischer Geist. Er findet nämlich nicht alles gut, „was da (bei Pegida) gesagt wurde“. Aber, aber, aber … „dann fragen Sie doch bitte genauso hart, wer auf einer linken Demo wie bei G20 in Hamburg denn so alles hinterherläuft“. Tja, wahrhaftig, hat man sie da nicht alle hinterherlaufen gesehen, die vermummten Christian Porsche Lindner, Olaf Scholz, Lothar de Maizière, Friede Springer und all die anderen Sympathisanten?
Kluger ist ein Schlauer. Er ist ja auch Akademiker, sonst wäre er ja nicht Schulleiter. Und so hat er bemerkt, dass Politiker wie Kohl oder Merkel beschimpft und mit Trillerpfeifen gestört wurden. Was sagt man dazu?! „Das gehörte aber zum Ritual, war angeblich lustig – und außerdem links.” Und dann fragt er: “Merken Sie was?“ Oje, oje. Und wir haben tatsächlich gar nichts gemerkt. Uns fällt es jetzt aber wie Schuppen von den Augen. Wie blind kann man sein?! Aber jetzt …. Endlich! Oh, verdammte Scheiße, die Roten sitzen ja überall und machen, was sie wollen. Und er hat es gemerkt.
Und er hat gemerkt, dass der – rote (?!) – Springerkonzern „nach den gescheiterten Jamaika-Sondierungen in eine anderen politische Richtungen drehen“ will, hin zu mehr Islam- und Merkel-Kritik. „Ich denke, da werden durch die Springer-Presse Themen lanciert. Bald ziehen alle anderen nach.“ Da sind dann aber die redlichen „Zeit“-Journalisten fassungslos: „Sie glauben, Journalisten würden aufgrund eines politischen Kalküls ihres Medienhauses Merkel hoch- oder runterschreiben?“ fragen sie und empören sich: „Wir schreiben doch nicht anders, weil Mathias Döpfner etwas gesagt hat.“ Nein, ihr stolzen Journalisten, so einfach ist es wohl wirklich nicht. Hier hättet ihr aber mit dem Kluger durchaus reden können. Denn wenn einer wie Kluger überall nur rot sieht, sieht er ja nicht mal das Grün an den Verkehrsampeln. Aber bekanntlich kann auch aus falschem Munde mal etwas Richtiges kommen. Der Kabarettist Georg Schramm ((Rede zur Verleihung des Otto-Brenner-Preises)) sagt ähnlich wie Kluger, das Überleben Merkels hänge an einem seidenen Faden, nämlich an dem von Liz Mohn und Friede Springer. Die Lohnschreiber geben den Ton vor – und sie fügen sich ihren Brotgebern genauso wie die Ärzte, die trotz hippokratschem Eid auf Kosten der Patienten für die Rendite der Krankenhauskonzerne arbeiten. Und (fast) alle anderen, d.h. die Journalisten, die nicht in Diensten von Springer und Mohn stehen, mögen dann auch nicht gerne gegen den guten Ton verstoßen, weil sie dann sicher vom Mainstream irgendwie schräge angeguckt werden. Es waren ja auch vor neunzig Jahren nicht nur die Lohnschreiber Hugenbergs, die den neuen Politstar namens Adolf Hitler populär machten.
Und sonst?
D(ies)er Ostmann, der Kluger, ist stolz – nein, nicht auf etwas, was er geleistet hat, sondern auf Dresden. Da ist er nämlich zu Hause. Wie schön! Aber er ärgert sich über Zigarettenkippen an Bahnhaltestellen und darüber, dass die Übeltäter für solche  Verunreinigungen nicht jeweils mit 50 € Strafe zur Rechenschaft gezogen werden. Das zeige die „Erosion des Rechtsstaats“.
Das war es dann aber auch schon ((DIE ZEIT 4.12.17)). Gut, dass wir mal darüber geredet haben.
Aber zum Schluss doch noch ein Exkurs bzw. eine Exkursion ins Tierreich.
Wir bilden uns und lernen: Es ist gar nicht so schwer, Kamele von Dromedaren zu unterscheiden. Das Kamel mit zwei Höckern ist das Trampeltier, das Kamel mit einem Höcker ist das Dromedar. Also je mehr Höcker desto mehr Trampel. Dieser kleine Exkurs hat nichts mit dem Ostmann zu tun. Denn der Ostmann – das sagt ja schon der Name – ist ein humanes Wesen. Das soll uns aber nicht hindern, den Ostmann als solchen, d.h. das Ostmännische in seiner mehr oder weniger reinen Verkörperung, zu bewerten, und zwar nicht etwa mit Hakenkreuzen – wir wollen mit dem Ostmann reden, nicht ihn diffamieren – , sondern mit Höckern.
Nehmen wir eine erste Bewertung nach unserem System vor, und zwar die intellektuelle Speerspitze des Ostmännischen, die ideologische graue Eminenz der AfD, den sittenreinen Götz Kubitschek, der sich mit seiner keuschen Ehefrau siezt und seine Kinder nach den Helden germanischer Sagen benannt hat und bei dem man so schöne Bücher finden kann wie die Memoiren von Leni Riefenstahl, „Preußische Soldaten“ von Rudolf Thiel, die „Edda“ natürlich und dicht daneben ein Buch des Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann, bekannt durch seine 1980 verbotene Wehrsportgruppe, und bei dem die germanischen Kinder am Esstisch einen Tischspruch sprechen, dem die Familie dann mit gesenktem Haupt lauscht ((http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/zu-besuch-bei-goetz-kubitschek-14180792.html)).
Ihm verleihen wir hiermit 9 von 10 möglichen Höckern. [/htsP]

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