Neues von Dössel

„An solchen Tagen wachte er meistens mit einem eigentümlichen Gefühl hinter der Stirne auf. Es tat nicht weh, ja es war gar nicht so hässlich, es war eigentlich nichts.
Das einzig Unangenehme dabei war ein gewisser Luftzug, als stünde ein Ventilator über ihm. Das waren die Flügel der Verblödung.“ (vgl. Blog-Eintrag vom 18.6.13 unter dem Titel „Unendlichkeit“)
Horvaths Meisterwerk „Geschichten aus dem Wienerwald“ ist ein alles überragendes Werk über menschliche Bosheit und Dummheit. Die Figur Alfred sagt es im Stück, als kenne er das Motto dieses Blogs: „Abgründe tun sich auf.“
Aber wie immer gibt sich die Bosheit als reine Menschenliebe und hält sich die Dummheit für raffinierte Intellektualität. Da hat nun der Regisseur Stefan Kimmig in Horvaths Stück gelesen – er kann leider lesen – , wie Figuren in ihrer auch sprachlichen Armseligkeit u.a. über rhythmische Gymnastik schwafeln. Und was tut der unglückselige Mensch?
„Kimmig choreographiert die ,Geschichten aus dem Wienerwald’ an den Münchner Kammerspielen tatsächlich als rhythmische Gruppengymnastik.“ – „Horvath-Aerobic. Großeinsatz von Bauch, Beinen, Po.“ Dass dann ein männlicher Schauspieler Alfreds Mutter – „angedeutet mit Haarreif und Kleid über der Hose“ – gibt und der Darsteller Oskars „eine sehr witzige (so die Rezensentin Christine Dössel in der “Süddeutschen”) japanische Kampfsporteinlage“ usw. usw. – das alles ist von einer so einfallslosen Blödheit. „Es tat nicht weh, ja es war gar nicht so hässlich, es war eigentlich nichts.“
So wie die Rezensentin Christine Dössel[ref]vgl. Blog-Eintrag vom 16.6.13 mit dem Titel “Ungemein”[/ref]. Oh, du Dössel!

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