Marktlücke rote Fahnen für Rentner

Liebe Rentner bzw. Rentenanwärter!
Gewiss, eigentlich hättet ihr Grund, euch aufzuregen angesichts der Aussicht zukünftiger Altersarmut. Eure Arbeit wurde nicht geschätzt, wird nicht geschätzt und wird nicht geschätzt werden. Ja, das „Riestern“ macht euch nur noch ärmer und die Versicherungen reicher. Miese Aussichten? Pech? Na gut, wenn die Medien es euch vorkauen, dass eure Zukunft schicksalhaft ist und ihr euch diese Behauptung gerne aneignet, weil sie euch von jeder Anstrengung eigenen Denkens oder Handelns befreit, wenn es euch also hilft, schimpft auf Norbert Blüm, der euch sichere Renten versprach, oder auf die Ossis, derentwegen die Rentenkasse geplündert wurde. Aber eigentlich müsstet ihr auf eure eigenen Schädel schlagen oder eure erweichten Köpfe gegen die Wand hämmern, denn weil ihr ständig bloß BILD gelesen, Florian Silbereisen im Fernsehen geguckt, euch um Politik einen Dreck geschert habt und immer die Interessenvertreter der Wirtschaft gewählt habt, habt ihr euer Schicksal letztlich selbst verschuldet. Die Fahnenproduzenten können weiterhin auf Fahnen von Borussia Dortmund oder Bayer München setzen, rote Fahnen sind keine Marktlücke. Was reden sie euch ein? Ach ja, die Alterspyramide: Immer weniger Arbeitende müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Generationenkonflikt! Aber Einwanderung von Flüchtlingen wollt ihr nicht? Und dass die ständig gestiegene Produktivität der Wirtschaft sich nicht in höheren Löhnen und daher auch in höheren Einzahlungen in die Rentenkasse niedergeschlagen hat, sondern die Unternehmen lieber alles für sich behalten wollen und die um das Wohlergehen „der Wirtschaft“ besorgte Regierung ihnen ihre erhöhten Profite in die Taschen stopft[ref]Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman erläutert gerade am Beispiel von Verizon, dass das bestreikte Unternehmen zum Unwillen seiner Arbeiter seine Rekordgewinne mangels Wettbewerbs trotz hoher Nachfrage nicht etwa in Ausrüstung und Service investiert, obwohl momentan das Geld so billig zu haben ist wie kaum je zuvor. Krugman leitet aus solchen Phänomenen, die er wiederum auf die durch Deregulierung entstandene Monopolisierung zurückführt, gesamtwirtschaftlich die Gefahr einer Rezession ab.[/ref], das empört euch nicht, das interessiert euch nicht? Keine Ahnung? Ach, ihr armen Lämmer, ihr singt auch noch auf der Schlachtbank „Herzilein, musst nicht traurig sein“, wenn der Schlachter euch das Herzilein rausreißt.
Na, dann, wenn also alles in Ordnung ist, beschwert euch bloß nicht!

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