Man darf nichts Böses nachrufen

Guido war im Krieg ein feuriger Mars
Im Frieden Minerva & Diana auf der Jagd;
seine Redekunst kam der des Merkur gleich.
Und in der Liebe war er ein wahrer Amor, voller Anmut.
Oh, du glückliches Deutschland,
erweise deinem großen Politiker,
der selbst die Natur übertraf, alle Ehre.[ref]leicht abgewandeltes Herrscherlob als Inschrift in einem Bildnis Franz I. von einem anonymen Maler der Renaissance[/ref]
Na gut, man weiß es von den antiken Römern: Man soll über Tote nur Gutes sagen. Aber man sollte nicht übertreiben, gar falsch Zeugnis ablegen.
Also, lieber Herr Steinmeier, meinen Sie es ernst in Ihrer Traueranzeige: „Dr. Guido Westerwelle stand für ein weltoffenes liberales Deutschland.“?
Dafür stehen vielleicht Gerhard Baum oder Burkhard Hirsch. Guido Westerwelle, Gott habe ihn selig, stand für den Neoliberalismus, der die Reichen, die Konzerne und Banken auf Kosten der sozial Schwachen am unteren Ende der sozialen Leiter fördert.[ref]Evelyn Roll nennt ihn im Nachruf in der “Süddeutschen” (19.3.16) “den “Großhelden der allgemeinen neoliberalen Verirrung”.[/ref]
Was Ist  bösartig, Tatsachen zu schönen oder eine Tatsache auszusprechen?
Die Tatsache, dass er in seinem ganzen Habitus immer wieder seine Überkompensation der Unterlegenheitsgefühle bloß legte[ref]Evelyn Roll sieht den Ursprung dieser Minderwertigkeitsgefühle  – gemäß seiner Autobiographie – in den Leiden eines dicklichen, von schlimmer Akne gequälten Jugendlichen und den Ablehnungen, die er aufgrund seiner Homosexualität erfuhr.[/ref], könnte man versuchen zu ignorieren, wenn sie nicht auch in die seinem persönlichen Ehrgeiz dienende Politik eingeflossen wäre. So suchten seine Berater für ihn “Marktlücken”[ref]E. Roll a.a.O.[/ref], mit deren Hilfe er sich profilieren könnte.[ref]Auch die Selbstdarstellung mit Betonung des Äußeren, die ein Bild von Seriosität vermitteln sollte, “dunkler Anzug aus leichtem Tuch, weißes Hemd, hellgelbe Krawatte, seriöse Kasten-Brlille, die Haare gepflegt und außenministergrau”” (E. Roll a.a.O.) zeigte dieses Bestreben. Vermutlich hat er sich auch dafür entsprechende Berater gesucht.Und dann seine “letzte große Bühne” – laut Bernd Dörries (SZ 4.4.16) – , die Begräbnisfeier, der der “große Liberale” (B. Dörries) aber nicht mehr beiwohnen konnte.[/ref]
A propos, Herr Steinmeier, wofür stehen Sie als Angehöriger des Vereins ehemaliger Sozialdemokraten in der SPD (VeS) eigentlich?
Lassen Sie uns doch sicherheitshalber wissen, was einst in Ihren Nachruf geschrieben werden soll, damit nichts falsch gemacht wird. Es fällt einem manchmal schwer, die richtigen Worte zu finden.

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