Lustig im Dunkeln

Und Gott sprach: Es werde Licht! Aber anscheinend war der Schalter kaputt.
DunkelArmer Björn Finke! Er sieht nichts und steht da mit offenem Mund (in der “Süddeutschen vom 4.8.15): Auf der Suche nach einem neuen Parteivorsitzenden liegt bei den Mitgliedern von Labour in Groß-Britannien Jeremy Corbyn vorne, ein Kandidat, im Vergleich zu dem die anderen Kandidaten “wie glatte Karrierepolitiker ohne Überzeugungen” wirken. Diese sind mäßige “gemäßigte Politiker”. Amüsiert ob dieser Naivität berichtet der Journalist, dass die Konservativen sogar ihre Leute auffordern, bei Labour einzutreten und ihn zu wählen. Denn die britischen Thatchers und Camerons und auch die deutschen Gabriels und anscheinend auch Björn Finke glauben, dass ein Kandidat mit linkem Profil keine Chance habe. Er hat ja keine Freunde bei der Wirtschaft, muss gegen die von ihr unterhaltenen Medien, gegen Daily Mail oder BILD, kämpfen. Wen interessiert in solchem Umfeld eine argumentative Auseinandersetzung? Der Wähler ist ja bekanntlich nicht so blöd, wie man glaubt. Also bleibt nur eines: möglichst profillos bleiben, dann bringt man es vielleicht auf 24%, gar 25% Wählerstimmen. Auch wenn immer mehr Wähler zu Hause bleiben. Wie kann man also jemanden mit Überzeugungen aufstellen wollen? Lustig!
Auch Stefan Ulrich sieht kein Licht. Er erzählt (ebenfalls in der SZ), wie in Italien – “nur eine Alltagsszene” – in einem Turiner Lokal Frau Merkel auf dem Bildschirm erscheint und mehrere Leute aufschreien: “Schaltet den Fernseher aus! Wir können die Merkel nicht mehr sehen!”[dropdown_box] Stefan Ulrich findet das offenbar befremdend, zumal Deutschland doch vor Schäubel-Merkels Attacken gegen Griechenland (gegen die griechische linke Regierung?) hoch angesehen war. Doch jetzt “blühen” laut Stefan Ulrich die “Vorurteile”. Er zitiert einen Hausmeister, der “in einem von Pinien beschatteten Wohnblock” eines “wohlhabenden römischen” Stadtviertels” arbeitet und daher Verständnis für die Schäubel-Merkels hat: “Viele Italiener hassen Deutschland, weil es Griechenland so unter Druck setzt.” Entsetzt berichtet Stefan Ulrich: Selbst “linksliberale Zeitungen werfen Deutschland vor, Griechenland gedemütigt zu haben.” Hoffnung zieht er aus dem Erlebnis, dass die Fernsehbilder, in denen ein deutsches Schiff im Mittelmeer Flüchtlinge aufnimmt, Rührung auslöst. Das hatte man den Deutschen nicht mehr zugetraut.
Auch über Spanien muss er Unschönes berichten: “Viele Spanier werten die Einigung im Griechenland-Streit als deutsches Diktat.” Von Frankreich heißt es, so Hans Stark, Politikprofessor an der Sorbonne: “Die Leute erwarten, dass sich das reiche Deutschland heute verhält wie das reiche Amerika in den Fünfzigerjahren. Es sollte den ärmeren Europäern solidarisch helfen und Europa als Konjunkturlokomotive führen. Die heutige deutsche Haushaltspolitik ist das Gegenteil davon.” Diese Leute nehmen einfach nicht zur Kenntnis, was Martin Schulz ihnen vorhält, dass Europa und damit auch Deutschland den Banken Hunderte Milliarden Euro bereitgestellt habe. “Aber wahrgenommen werden wir als kalte und hartherzige Menschen.” Schrecklich: überall Vorurteile, und deshalb meint Stefan Ulrich – ganz liberaler Vertreter der Meinungsfreiheit: “Man muss das nicht gerecht finden oder gar fair.” Ja, da sind wir wirklich ratlos: Wie kommen diese Menschen denn nur zu ihren so schrecklich blühenden Vorurteilen? “Wie konnte die Stimmung derart kippen gegen Berlin?” Immerhin eine Erklärung hat Stefan Ulrich: Schuld sind – na, wer? Richtig: populistische Gruppen, die “lauthals antideutsche Klischees verbreiten”.
Nichts zu machen: Schalter kaputt. Elektriker anscheinend im Urlaub.[/dropdown_box]

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