Lieben hat seine Zeit und Hassen hat seine Zeit – Gruseln auch

– Haben wir nicht auch Augen, Hände, Gliedmaßen, Werkzeuge, Sinne, Neigungen, Leidenschaften? Mit der gleichen Speise genährt, mit den gleichen Waffen verletzt, den gleichen Krankheiten unterworfen, mit den gleichen Mitteln geheilt, gewärmt und gekühlt von eben dem Winter und Sommer wie ihr?
– Ja, um Himmels willen, klar, Mann! Keine Frage habt ihr auch Augen usw. Aber irgendwie guckt ihr auch immer ich weiß nicht wie. Ihr habt Nasen, aber die passen uns nicht. Und was eure Neigungen angeht: Wie steht ihr zu den Wildecker Herzbuben oder Helene Fischer? Hände habt ihr, zugegeben; aber wascht ihr sie auch immer schön? Ach, was redet ihr von gleicher Speise: Wisst ihr, was ein rechter Schweinsbraten ist? Oder zum Beispiel die Hautfarbe, von der ist keine Rede. Verdächtig! Die ist doch dunkler als meine, ohne dass ihr im Sonnenstudio wart. Wie habt ihr das gemacht? Kommt mir ja nicht mit irgendwelchen Albinos; die ändern auch nichts. Ja, und à propos Leidenschaft: „,Ein frommes Herz und fleiß’ge Hand!’, das sei mein Losungswort!” Fromm! Ich will jetzt nichts hören von eurem Mohammed und seinen Weibergeschichten. Ja, wer bin ich denn? Hell leuchte meiner Tugend Glanz, ich edle Perl‘ im deutschen Kranz. Na? Das ist euch doch sowas von fremd. Denkt ihr, ihr könntet mir alles vormachen? Es ist ganz einfach geschwindelt, wenn ihr behauptet, eure Jahreszeiten wären genauso wie bei uns. Dann hättet ihr ja keine Wüsten! Da fängt es doch schon mal an! Und irgendwann ist mein Portemonnaie weg oder ich habe Probleme mit euren Waffen, weil mir ein Messer im Rücken steckt.
– – Aber …
– Halt den Mund! “Wohl bin an Schätzen reich ich nicht, bin klein und eng umgrenzt. Doch meine Kraft, die ist das Licht, das Hütt‘ und Thron umglänzt.” Und vor dieser Kraft solltet ihr euch hüten. Ihr müsstet es doch aus eurer Heimat wissen: Menschen verlieren jedes Mitgefühl, wenn sie in den anderen Menschen eine fremde Rasse sehen, die sie sie nicht den Menschen zurechnen. Und nun kommt’s: Wir werden immer mehr, ob in Deutschland, in Frankreich, in Österreich, in Ungarn, in Polen … Fragt die Indianer, fragt die Tutsis, fragt die Armenier, fragt die Juden, fragt die Schwarzen in den USA, fragt die Serben und Kroaten usw. usw., zu welchen Taten Menschen gegenüber Menschen fähig sind. Na, nun gruselt es euch aber endlich, was?

Ein Gedanke zu „Lieben hat seine Zeit und Hassen hat seine Zeit – Gruseln auch

  1. Ich frage mich oft, weshalb Gott oder wer auch immer uns mit all unsern Sinnen ausgestattet hat. Ob er es war, der uns zuviel zutraute, oder ob wir es sind, die zu hohe Erwartungen an uns stellen. Augen zu und durch, Ohren zu und weiter. Klappt doch seit über 2000 Jahren.

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