Latein forever

In Ungarn will Orbán die Gymnasien reduzieren. Mal abgesehen davon, dass auch Gymnasien verdummen können, stimmt die Zielrichtung. Denn die Staatsmedien zu beherrschen dient zwar den Interessen der Herrschenden, aber Gehirnwäsche, Verblödung kann nie umfassend genug sein.
In Deutschland streiten sie gerade darüber, ob Lateinunterricht ein „sine qua non“ (das ist Latein und heißt soviel wie „ein absolutes Muss“) darstellt. Da werden schreckliche Geschütze in Stellung gebracht. Ein Leserbrief in der SZ zitiert zwar nicht den Papst, aber Schopenhauer: „Ein Mensch, der kein Latein versteht, gleicht einem, der sich in einer schönen Gegend bei nebligem Wetter befindet.“ Ein echter Schopenhauer! Haut einen einfach um. Die Bildungsministerin von NRW, eine gewisse Frau Löhrmann[ref]Man muss hier allerdings feststellen, dass Frau Löhrmann Bildungsministerin ist, aber ihre Sprache sie nicht unbedingt dafür qualifiziert. Hier einige Beispiele aus einem Interview mit der „Süddeutschen“ vom 13.1.14 S.13
„Politik und Wissenschaft mussten sich neu aufstellen,“
„Die Studien mahnen uns immer wieder, dass wir bildungsgerechter und leistungsfähiger gestalten müssen,“
Ich weiß, „welche ein komplexer Mechanismus Schule ist. Und dass Politik die Schulen bei Veränderungen begleiten muss.“
„Wir müssen das Kapital der Migranten nutzen.“
„Einen besonderen Akzent möchte ich in der Erinnerungskultur setzen.“
„Zum anderen werden wir die Inklusion in der Lehrerbildung angehen und sogenannte Basismodule formulieren (…)“
„Individuelle Förderung steht ja überall auf der Tagesordnung.“
„Hier ist der föderale Wettbewerb gefragt.“[/ref], hält Latein im Lehramt für „hilfreich“, aber „nicht unbedingt nötig“. Ja, was ist das denn? Kann man sich denn, so der Altphilologenverband „von einer über 1000-jährigen Bildungstradition“ verabschieden? Nein, gewiss nicht, denn was so alt ist, muss natürlich bleiben. Darüber streite ich auch mit meiner Frau, die unbedingt den alten Kühlschrank entsorgen will.[dropdown_box] Auch die Partei der abendländischen Kultur und Bildung, die CDU, ist in Rage über den „Anschlag auf die Bildung“. Wenn der gebildete BILD-Leser in seiner Freizeit seinen Lieblingsautor Ovid lesen möchte: „Ille ego qui fuerim, tenerorum lusor amorum, quem legis, ut noris, accipe posteritas. Sulmo mihi patria est, gelidis uberrimus undis …“ und feststellt, dass ihm das alles Hekuba ist – oh, heilige Merkel, welche Katastrophe! Und die CDU, der ja so sehr am Denken gelegen ist, ist auch deshalb empört, weil man durch Latein das Denken lerne. Aber die Bildungsministerin kontert mit der die CDU überraschenden Feststellung: „Man kann auch auf Deutsch denken lernen.“ Aber, aber aber … mit den Kenntnissen der lateinischen Grammatik könne man doch die Grammatik der anderen Sprachen, Deutsch, Englisch, Französisch, besser lernen. Mag sein, aber mit Hilfe der Kenntnisse der deutschen, französischen usw. Grammatik kann man auch die lateinische, spanische usw. besser lernen. In den Hamburger Schulen gibt es dies Problem Grammatikunterricht nicht. Hier versteht man unter Fortschritt, dass das Schülerinteresse im Mittelpunkt zu stehen hat, und Schüler mögen keine Grammatik.[/dropdown_box]

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