Lasst uns träumen

Der Kampf ist mühsam, aber er lohnt sich. An den Traum glauben! Denn er sichert Macht und Geld. Uns, nicht euch. Das ist ja das Schönste daran. Trotzdem ist am traurigen Ende – diese bittere Erkenntnis wird auch einen Christian „Porsche“ Lindner schließlich überkommen müssen – alles vergeblich gewesen, weil irgendwann doch die Realität den Träumer aus seinem wohligen Dämmerzustand reißt. Denn dass z.B. der Satz: „Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird.” aus dem Armutsbericht gestrichen wurde, schafft ja die Tatsache nicht aus der Welt. Auch können sie den Satz streichen: „Personen mit geringerem Einkommen verzichten auf politische Partizipation, weil sie Erfahrungen machen, dass sich die Politik in ihren Entscheidungen weniger an ihnen orientiert.“; die frustrierten “Personen mit geringerem Einkommen” wählen dann aus dem Gefühl der Ohnmacht irgendsoeine AfD-Höcke.
Es ist schon bitter, dass sowohl IWF als auch OECD am Ende erwachen mussten, sich der Einsicht nicht mehr verschließen konnten: Trotz allgemeinem Wirtschaftswachstum sind seit den Neunzigerjahren weltweit die Arbeitseinkommen gesunken, so dass ihnen sogar staatliche ( s t a a t l i c h e ! ! ! ) Maßnahmen zur Umverteilung angebracht erscheinen, weil zu große Ungleichheit dem Wachstum letztlich schade. Es tröpfelt vom fetten Reichtum einfach kaum etwas herab (Tripple-Down-Effect), und zwar nicht nur wenig, sondern immer weniger. Es herrscht geradezu eine ungesunde Tröpfeldürre! Und daraus muss dann zwangsläufig eine bei Ökonomen verhasste Konsumunlust entstehen.
Aber wenn doch eine Umverteilung zum Leistenbruch führt? Weil doch die Umverteilung den Leistungsträgern die Motivation nimmt, Leistung zu leisten? Weil doch diese Motivation, wie jeder weiß, nun mal unverbrüchlich verbunden ist mit extrem hohen Einkommenserträgen? Wollen wir lauter demotivierte Manager, die nur noch schlaff in ihren Trolleys über Trumps Golfplätze schleichen? Muss das nicht in einer schweren Wirtschaftskrise enden, in der sämtliche Arbeitsplätze von einem Tsunami der Manager-Unlust hinweggespült werden?
Das mögen die deutschen Ökonomen verhüten, die Diamanten der internationalen Wirtschaftsszene: Sie bleiben hart; erbittert kämpfen sie weiter dafür, nicht aus ihrem neoliberalen Traum erwachen zu müssen. Und die Leistungsträger der deutschen Wirtschaft können nicht anders, als ihnen freudig und von ganzem Herzen für ihren traumhaften Beistand zu danken.

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