Hoffnungsvoll

Der Fünfundzwanzigjährige, der seinen McLaren – von liebenden Eltern? – gerade erst erhalten hatte, war mit 286 km/h – oder waren es doch 314 km/h? – über die Autobahn gerast war und hatte die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. 1 Der Schaden am Fahrzeug war groß, und die achtzehnjährige Beifahrerin tot. Im Gegensatz zu Fahrzeugen ist das Leben schwer zu ersetzen. Der Freund des schnellen Autos sagte daher in der Gerichtsverhandlung: „Es tut mir außerordentlich leid, was geschehen ist.“ Das sind wohl gewählte Worte. Es tut ihm nicht nur leid, sein Bedauern ist nicht nur ordentlich, sondern sogar außerordentlich. Das muss das Gericht sehr bewegt haben. Und rührend ist es geradezu, wenn er noch hinzufügt: „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich es tun.“ Ja, das würde er doch tatsächlich tun. (Es war ja überhaupt kein angenehmes Erlebnis – auch für ihn nicht.) Leider, leider steht es nicht in seinem Vermögen. Sonst, nichts lieber als das. Es ist nicht etwa, weil er keine Zeit hätte, sondern er ist da echt hilflos. Vermutlich wäre er sogar bereit gewesen, einen finanziellen Beitrag zur Wiedergutmachung zu leisten. Aber das Opfer ist ja wie gesagt leider tot. Auf jeden Fall kann man feststellen: ein wohlerzogener junger Mann, von dem man noch viel erwarten kann.

  1. Süddeutsche Zeitung 4.8.20 S.8

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