Hoch die internationale Solidarität

SPIEGEL (5/14): Herr Minister, erklären Sie uns doch bitte mal den Unterschied zwischen einem Sozialisten und einem Sozialdemokraten.
Moscovia (französischer Wirtschafts- und Finanzminister): Ein Sozialdemokrat akzeptiert echte Reformen. Er vertraut auf sozialen Dialog und auf Kompromisse. Trotzdem gehört er zur Familie der Sozialisten.
Nein, nein, Monsieur Moscovia. Zugegeben, es ist schon schwierig, weitläufige Verwandtschaftsverhältnisse zu beschreiben: Wer ist eigentlich der Urururgroßneffe der Muhme dritten Grades von … usw.?
Aber Klarheit tut not. Also, stellen wir richtig:
Es gibt Sozialisten und Sozialdemokraten.
Die Sozialisten sind bekanntlich entweder Kommunisten – das hört man ja schon am Namen – oder Populisten, weil sie dem Volk Sandkuchen in die Augen streuen und ihm erzählen, dass man etwas gegen die Macht des Kapitals ausrichten könne und müsse, obwohl es, wie jeder weiß, allen dank dem Kapitalismus wirklich gut geht.
Die Sozialdemokraten hingegen sind keine Populisten, sondern Realisten. Sie versprechen nichts, weil sie alle Versprechen als unrealistisch erkannt haben,und wenn doch, halten sie sie nicht. Oft waren sie scheinbar mal Sozialisten wie Francois Hollande, der sich jetzt jedoch als Sozialdemokraten bezeichnet, nachdem er seine Versprechen zur Bekämpfung des Kapitals, wie Regulierung der Banken, Reichensteuer u.ä., als unrealistisch erkannt und deshalb nicht gehalten hat. Auch Dänemarks Ministerpräsidentin Thorning-Schmidt ist Sozialdemokratin und hat, weil sie Realistin ist, das Arbeitslosengeld gekürzt sowie ihr populistisches Versprechen einer Reichensteuer nicht gehalten, und sie verkauft nun Anteile des staatlichen Energieunternehmens an Goldmann-Sachs, damit Goldmann-Sachs die Dänen lehrt, wie man als Kapitalist ordentlich Profit macht. Populisten, wie die dänischen Sozialisten, sind natürlich unfähig, das einzusehen, und aus der Regierung ausgetreten. Da sitzen sie nun blöde auf den Oppositionsbänken und haben nichts davon – im Gegenteil. (Sie müssen sogar die clevere Ministerpräsidentin stützen, damit nicht die Konservativen an die Regierung kommen.) Mit Lafontaine war das ja ähnlich. Der mochte den Schröder nicht, weil der ein Realist war und wusste, wie man das Kapital auf seine Seite bringt – und auch privat Kohle macht. Aber leider sind sie eben so, die Populisten: wissen alles besser und nehmen übel.

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