Hilmar Klute keift nicht

In der „Süddeutschen Zeitung“ erscheint täglich unter dem Titel „Streiflicht“ auf Seite 1 links oben eine mehr oder minder launige Glosse. Verantwortlich dafür ist ein gewisser Hilmar Klute[ref]vgl. auch Beitrag vom 29.6.15[/ref]. Wenn darin jemand seine Wut auf das deutsche Kabarett ablässt – gemeint ist Kabarett, nicht Dieter Nuhr oder ähnliche Witztuten („Trärää!“)[ref]Den eher mäßig komischen und eher unpoltischen Comedian Sebastian Puffpaff preist der Humorexperte dagegen als Hyper-Kabarettisten, weil der “weiß, dass im Fernsehkabarett knarzblöde Hungergestalten unterwegs sind, die dauernd herumschreien müssen, weil sie keine Worte finden”; Puffpaff dagegen äußere in ,edlen Anzügen’ edle Sätze und verbiete durch sein erzieherisches Einwirken seinem Publikum “über billige Kabarettphrasen zu lachen”.(SZ 25.7.15)[/ref] – , dann kann nur Hilmar Klute, der Gute, selbst am Werk gewesen sein. Denn der gute Klute leidet an Verfolgungswahn, d.h., er glaubt sich nicht verfolgt, sondern er wähnt verfolgen zu müssen, und zwar das Kabarett. Am 13. Januar war er wieder am Werk. Zwar ging es eigentlich nur um das „Unwort des Jahres“, den „Gutmenschen“, aber er nutzte die Gelegenheit zunächst einmal, um gegen Hoimar von Ditfurth und Franz Alt loszulegen, indem er diesen „Neulinken“  – scheinbar aus der Perspektive der „Altlinken“ –  in sehr, sehr, sehr lustiger Formulierung „Apfelbäumchen-Bergpredigt-Gesumse“ unterstellte, das die besagten Altlinken (?) angeblich nicht hören mochten und die deshalb solche wie Dithfurth, Alt als „Gutmenschen“ verspotteten.[ref]Damit niemand bzw. Hilmar Klute unterstellt, wir hätten die feine Ironie der Glosse nicht bemerkt und also alles missverstanden, hier das Originalzitat: „Kenner (…) wissen allerdings,dass der Gutmensch bereits genüsslich durch die Achtzigerjahre getrieben wurde; damals allerdings eher von genervten Altlinken, die das Apfelbäumchen-Bergpredigt-Gesumse von Neulinken wie Dorothee Sölle, Hoimar von Ditfurth nicht mehr hören wollten.“[/ref]
Aber wie wir unseren Hilmar Klute kennen, wartet er auf den Moment, seinem Verfolgungstrieb nachzugeben. Endlich, am Schluss kann er lustvoll seinen Giftspritzer ejakulieren, indem er zunächst einen Vergleich anstellt – es lässt sich bekanntlich alles mit allem vergleichen – zwischen“Spottwörtern“ und – Achtung!! Jetzt kommt die Granate!! – „alten Fernsehkabarettisten“. Wie Georg Schramm, der nämlich, wie der gute Klute in seiner umwerfenden Schlusspointe enthüllt, doch leibhaftig in der Unwort-Jury saß. Wie aber bringt er die bereits entsicherte Granate zur Explosion? Der Zündstoff ist das gemeinsame Dritte im Vergleich, das Tertium comparationis. „Mit der Zeit findet man sie peinlich“. Aha, warum? „Weil die Zeit sich verändert.“ Quod erat demonstrandum.  Weil die Zeit sich verändert, findet man beides mit der Zeit peinlich. So schließt offenbar messerscharf Hilmar Klute[ref]In einem längeren Artikel über die Renaissance der Lyrik zitiert er den Lyriker Jan Lange, der von einer “Welt, in der nichts gewiss ist” spricht. Diese Formulierung ruft bei dem desorientierten Klute, der die deutsche Sprache über alle Maßen verehrt, euphorische Zustimmung hervor mit den Worten: “Genau (!!!) in dieser Welt leben wir.”[/ref]. Aber es soll doch eigentlich gegen die Kabarettisten gehen?! Da schießt es auch schon hervor: Sie liefern „immer nur das öde alte Gekeife.“
Wir freuen uns über alle Maßen, lieber Hilmar Klute, dass es Sie noch immer gibt, quasi zeitlos und ohne jedes Gekeife!

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