Gut gebrüllt, Baselitz, alter Knabe!

Gut gebrüllt ist halb gewonnen. Erzähle allen immer wieder, wie toll du bist, am Ende glauben sie es dir. Ach ja, wo Rauch ist, muss – zumindest ein klitzekleines, aber bei entsprechenden Rauchmengen wahrscheinlich doch auch ein ziemlich großes – Feuer sein. Man muss hochstapeln.
Der Kunstberater Helge Achenbach, der jetzt vor Gericht steht, sagt über die Motive der Kunstkäufer: „Kunst hilft vielen, eine Aufgabe zu finden und einen Platz im Leben der Gesellschaft.“ So hat er für den Aldi-Erben Berthold Albrecht Prestigeobjekte besorgt, den mimosengelben Jaguar, den Bentley und eben entsprechend Kunst, z.B. den Immendorff und den Gerhard Richter. Prestige, das bringen nur die großen Marken. Aber Marken müssen gemacht werden. Es geht es um den „Warenwert von Kunst“. „Der Markt wächst und expandiert auch, weil er nicht zwischen gut und schlecht unterscheidet,“ schreibt Okwui Enwezor vom Münchner Haus der Kunst.
Georg Baselitz erzählt freimütig von seiner anfänglichen Erfolglosigkeit: Mitte der Sechziger „da verkauften Richter und Polke schon alles weg. Und bei mir ging nichts, es schleppte sich.“ „Es blieb alles immer wieder stecken, es war kein Geld da.“ Da habe er verzweifelt „um sich geschlagen.“ „Auch die Entscheidung, die Bilder auf den Kopf zu stellen, entstand aus Zweifeln.“ Und: „Schon aus Widerspruch durfte das Bild nicht gut werden – es musste schlecht sein.“ Vor allem benötigt man aber natürlich die Selbstdarstellung als einsames Genie: „Seit mehr als vierzig Jahren rede ich mit keinem anderen Künstler mehr. Inzwischen würde ich sagen, ich verdiene eher den Nobelpreis als Grass.“
Der graue Löwe hat es geschafft und kann es sich nun auch leisten, sich und uns halb ironisch über den Kunstbetrieb zu belustigen.[ref]Zitate aus der “Süddeutschen” 12.9.14 und 12.12.14[/ref]

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