Goldkalb

Kennen Sie Wilhelm Hoegner?
Nein.
Er war mal ein sozialdemokratischer bayrischer Ministerpräsident, obwohl er der damals noch linken SPD angehörte.
Nein.
Doch.
Heute steht die SPD in Bayern in Wählerumfragen bei 14%.
Nein. Das glaube ich nicht.
Doch, so ist es. Es gibt eben immer noch SPD-Wähler. Die vierzehn Prozent wählen noch immer stur SPD, weil sie in ihrer Verblendung glauben, die SPD sei immer noch die Partei, die sich für Gerechtigkeit auch gegenüber den Schichten einsetze, denen es fortwährend schlechter geht.
Man kann das geradezu als bösartig ansehen, da doch die SPD wie die anderen sozialdemokratischen Parteien gerade energisch ihre Selbstauflösung betreibt.
Nein, der politische Selbstmord gründet nicht darin, dass sie mutig die Umfragewerte ihres Vorsitzenden Gabriel ignoriert und ihn zum Kanzlerkandidaten küren will – es könnte durchaus vernünftig sein, an einem Kandidaten festzuhalten, der für das Richtige eintritt, wenn auch die Wähler es nicht erkennen wollen. Bösartig ist es vielmehr, dass sie in ihrer Verblendung die europäischen Sozialdemokraten daran hindern wollen, zielstrebig an ihrem Untergang zu arbeiten. Ob Blair, ob Schröder, ob Hollande – „sie ließen sich von ihrem politischen Gegner aufsaugen … Anstatt das System herauszufordern, haben sie sich zum aktiven Teil dieses Systems gemacht. Deswegen besteht kaum Hoffnung, dass die europäische Sozialdemokratie überlebt. Sie ist nicht mehr zu retten,“ sagt die belgische Politologin Chantal Mouffe und steht mit ihrer Meinung nicht allein.[ref]in der SZ 29.12.16[/ref]
Die Tendenzen ähneln sich weltweit: Bernie Sanders hätte in den USA  – das sagten Umfragen – bei den Wahlen gute Chancen gehabt, aber warum um Himmels willen sollte jemand Hillary Clinton wählen? Da haben sie lieber gleich direkt die Wall Street gewählt.

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