Flügel oder Keule?

Freude, schöner Götterfunken,
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Alle Menschen?

Freudetrunken

Am Sylvesterabend kann schon mal so ein sanfter Flügel bei den Seehofers, Schäubles usw. weilen, wenn sie „freudetrunken“ vom fein perlenden Trunk der Witwe Clicquot, Beethovens „Neunter“ lauschend, über den schillernden Wolken zu schweben vermeinen. Aber das mit der Brüderlichkeit darf natürlich nicht zu weit gehen: Wenn nämlich der Flügel zur Keule wird und man geschubst und gestoßen werden sollte, gezwungen zum Anblick der 1400 im Mittelmeer ertrunkenen Leichen und der unzähligen toten Männer, Frauen und Kinder aus Afrika, die auf ihrer Flucht vor dem Elend gar nicht erst auf die Boote gekommen sind, weil sie schon auf dem Weg zur Küste in der Wüste umgekommen sind, dann muss der Spaß mal ein Ende haben, und Brüder und Schwestern müssen wieder zu bedrohlich dunklen Fremden werden.

Nüchtern

Mal nüchtern betrachtet: Man darf den Brüdern nicht helfen. Denn man braucht möglichst viele tote Frauen, Männer und Kinder und möglichst viele Bilder davon – für die Afrikaner. Damit möglichst viele Flüchtlinge erkennen, wie hoffnungslos nicht nur ihr alltägliches Elend, sondern auch ihre Flucht vor dem Elend ist. Damit sie da bleiben, wo nicht einmal der Pfeffer für sie wächst.
„Etwas Besseres als den Tod findest du überall“, sagte der Esel. So ein Esel!
Die Armen haben eben Pech gehabt: Warum mussten sie auch ausgerechnet in Afrika auf die Welt kommen!
Was sich die wenigsten klar machen: Wie alle Menschen haben übrigens auch Menschen aus Afrika nur dieses eine Leben.

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