Es lebe der freie Wettbewerb!

Wenn du spielen willst, um zu gewinnen, musst du natürlich etwas einsetzen.Wenn du nicht Warren Buffet heißt, sondern nur Eberhard Graf, dann kann es sein, dass dir am Ende nur die Kugel bleibt oder dass du verarmt und in Ermanglung einer Kugel lemminglike in die Abgrundtiefe springen musst. Gegen ein solches Schicksal ist aber nicht nur ein Eberhard Graf, sondern auch ein Graf Eberhard Herr von Ranzkas-Quakenbrück bei entsprechender Spielsucht nicht gefeit.
Ach? Erzähl doch nichts!
Doch!
Einst stand auf einem Hügel inmitten einer wunderschönen grünen Wiese ein goldenes Kalb. Hans Erich war ein großer Freund von goldenen Kälbern; darum verkaufte er sein silbernes Besteck und kaufte Futter der Marke „Super Food for Happy Calves“, das er dem Kalb vor die Füße warf, um es ihm gewogen zu machen. Nun hätte aber auch sein Nachbar von gegenüber, der Wilfried, zu gern ein goldenes Kalb besessen, darum verkaufte der Wilfried seine goldene Uhr und kaufte delikates Goldenes-Kalb-Extra-Spezial-Futter, das er dem Kalb mit liebevollen Blicken vor das gierig triefende Maul warf. Das Kalb war entzückt und kaute und wiederkäute das Futter mit andachtsvollem Kälberblick. Nun kommt Karl-Heinz ins Spiel.Karl-Heinz betete goldene Kälber an, und als er also unser Kalb sah, verkaufte er Bett, Tisch und Schrank, so dass er künftig nur noch auf dem Boden schlafen konnte, und erwarb von dem Erlös das Goldenes-Kalb-Super-Extra-Spezial-Futter, das er hingebungsvoll dem Kalb vor das Maul schüttete. Ahnt jemand, wie die Geschichte weiter geht? Nein? Na, dann! Max hatte zu Hause die tollste HIFI-Anlage und den größten Fernsehflachbildschirm weit und breit. Er schonte sie nicht; sie wurden zu „Unwiderstehlich“, dem teuren Super-Goldenes-Kalb-Extra-Spezial-Futter mit patentiertem Duplexergozymsilatextasenoritat, das Max knieend dem blöde blökenden Kalb reichte.
Weiter erzählen? Es ist aber eine – fast – unendliche Geschichte! Und unerfreulich! Man könnte meinen, sie wäre langweilig, weil sie sich so monoton wiederholt. Aber es ist eine blutige Geschichte mit unzähligen Opfern. Zuletzt blieb nur ein überdimensionales, aber abstoßend fettes Kalb von schäbig goldener Farbe.
Genügt?
Na, gut. Erzählen wir also eine ganz andere, menschlich scheinbar weniger anrührende Geschichte, weil strohtrocken, direkt dem Wirtschaftsteil der Zeitung entnommen:
Die Länder in Europa bzw. Staaten in den USA zahlen Milliarden Steuergelder für Ansiedlungen von Unternehmen bei ihnen. ((Malte Conradi nennt das in der „Süddeutschen“ (16.11.18) unwürdig und sinnlos: „Zahlreiche Studien zeigen, dass all die Steuermilliarden kaum Einfluss auf die Standortentscheidungen großer Unternehmen haben.“ Auch wenn sie das Geld gerne mitnehmen. „Die Politik muss sich darauf einigen, Schluss zu machen mit den Belohnungen für das Selbstverständliche. Das wird funktionieren, wenn alle mitmachen.“))
Trump stärkt die Unternehmen in den USA mit Steuersenkungen.
Eine von Macrons ersten Maßnahmen: Steuersenkungen für Unternehmen.
Theresa May will nach dem Brexit die britischen Unternehmen stärken durch Steuersenkungen.
Das kann natürlich die Konkurrenten nicht ruhen lassen. Sie müssen die Briten und Amerikaner und Franzosen und … und … und … mit noch niedrigeren Steuern überbieten. So lesen wir wir gerade, dass es in Deutschland für Unternehmen „zunehmend existenzgefährdend“ werde, wenn sich die Bundesregierung nicht dem internationalen Steuerwettbewerb stelle (Industrielobbyist Dieter Kempf) (SZ 24.12.18) Ähnlich äußert sich Kramp-Karrenbauer ((„Ich kann die Steuersenkungen in den USA und auch um uns herum in Europa nicht einfach ausblenden. Deshalb müssen wir über die Unternehmensteuer reden.“ Im Interview mit dem Handelsblatt https://www.cdu.de/artikel/annegret-kramp-karrenbauer-im-interview-mit-dem-handelsblatt)) Und Hans Michelbach, Vize-Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, fordert, Unternehmen sollten nur noch höchstens 25% Steuern zahlen. Angesichts der nahezu keine Steuern zahlenden internationalen Konzerne erscheinen allerdings 25 % geradezu horrend. Auch der Bayer-Konzern hatte 1990 noch 123 Millionen Steuern auf 532 Millionen Gewinn gezahlt – au weiha! – , aber 2015 nur noch 28 Millionen auf 4,1 Milliarden Gewinn.
Es ist eine – fast – unendliche Geschichte! Und – naja – unerfreulich! Denn am Ende gibt es unzählige Opfer und ein überdimensionales, aber abstoßend fettes Kalb von schäbig goldener Farbe.

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