Eon grüßt Äintschi

Liebe Äintschi
oder müssen wir dich etwa neuerdings als
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel
anreden?
Du warst doch immer für uns da. Und du kannst dich nun auch wirklich nicht beklagen: Wir waren ja schließlich auch für dich da.
Aber dann hast du plötzlich diesen Schwenk gemacht und die Atomkraftwerke nicht mehr mit den Staatsmilliarden gefördert. Oh, tempi passati! “Liebe, Liebe, wo bist du?” Du hattest uns günstige Kredite gegeben, die Atommüllentsorgung abgenommen, Steuervorteile gewährt, die Haftung für Unfälle auf lächerliche Summen begrenzt und uns damit vor hohen Ausgaben für Versicherungen bewahrt – unser Geschäft mit insgesamt wohl schätzungsweise 165 Milliarden Euro subventioniert, so dass wir enorme Gewinne auf Staatskosten machen konnten. Oh, was haben wir dich geliebt für diese Geschenke, dich und die Deinen. Nun soll alles dahin sein? Nein, Liebste! Geschenkt ist geschenkt; und wiederholen ist gestohlen. Warum um Himmels willen sollen wir nun plötzlich auf unsere Goldgruben (mehr als 30% Rendite) verzichten? Wir von Eon z.B. verdienen gegenüber den 9,3 Milliarden € vom Vorjahr fast eine Milliarde weniger. Was denkst du dir eigentlich? Entschuldige, aber wir sind fassungslos!
Wir sind es einfach nicht gewohnt, jetzt plötzlich sogar bezahlen zu müssen, indem wir die abgeschalteten Atomkraftwerke zurückbauen sollen. Die dafür zurückgelegten 36 Milliarden könnten ja vielleicht nicht ausreichen, wenn wir weiterhin mit deinem Liebesentzug rechnen müssen. Aber gerade dank dir sind uns solche unternehmerischen Risiken fremd.
Bitte, bewahre uns deine Freundschaft und beeile dich mit dem Freihandelsabkommen TTIP, das unser aller Rettung sein könnte. (Vattenfall klagt schon jetzt vor dem Schiedsgericht der Weltbank in Washington, ICSID, gegen den Atomausstieg. Und du weißt, dass die Chancen nicht schlecht stehen – genauso wie die anderer Wirtschaftsmächte, z.B. die Klage des Öl- und Gaskonzern Lone Pine gegen den kanadischen Staat wegen des Moratoriums zum Fracking oder die von Philipp Morris gegen Australien sowie Uruguay wegen der Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen. Dir könnten also Milliardenforderungen ins Haus stehen, was deinen Wahlkämpfen nicht förderlich wäre. Toll ist doch, wenn wir so eine Klage gewinnen; denn das wäre auch für dich ein Gewinn: Du könntest die Verantwortung auf andere abschieben.) Wir sind doch keine Teufel, wir wollen ja nur weiterhin ganz, ganz viel verdienen. Und das müsstest du doch wissen und – angesichts der großen Wirtschaftskompetenz deiner Partei – auch fördern!
Uns liegt wirklich sehr an einem weiterhin harmonischen Verhältnis, aber bedenke, dass die Vergangenheit letztlich nicht zählt und auch ein ganz anderes Verhältnis möglich ist, das dir nicht unbedingt gefallen würde!
Liebe Grüße bzw. hochachtungsvoll
Deine Energiekonzerne

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