Donnerwetter, so ein Hoeness!

“Donnerwetter, so ein Hoeness!” wird man wahrscheinlich in Zukunft voller Anerkennung sagen. Mal so ein paar Millionen verzocken – einen Hoeness-Fan stachelt das auf zu totaler „Sulidarität“. So einfach die Millionen zum Fenster hinauswerfen zu können, das ist ein Traum – fast so schön wie die Stories von den Stars und Adligen in „Gala“, „Tina“, „Bella“, „Laura“, „Lisa“, „Petra“ „Grazia“, „Neuer Welt“, „Neuem Blatt“ und „Neuer Post“. Die „wolves of Wallstreet“, so hört man, jubeln vor Vergnügen, wenn sie in Scorseses Film sehen, wie man die ,Dummen’ übers Ohr haut und anschließend im Geld badet, von dem man grundsätzlich nie, nie, nie genug haben kann. Ein häusliches Schwimmbad mit den Börsen-Motiven Bulle und Bär auf dem Boden – Donnerwetter, Hoeness! Wir Schwimmbadlosen möchten aber doch auch so gerne jubeln, uns zumindest einbilden, wir lebten in derselben Welt wie all die Hoenesse! Daher sind wir, die kleinen Leute, nicht kleinlich bei Steuersünden der Großen! Kann ja jedem mal passieren, oder? Wir tappen jedenfalls nicht in die ,typisch deutsche'[ref]Politikwissenschaftler Klaus Schroeder natürlich in der “Welt” 27.4.13[/ref] “Sozialneid-Falle”. Dagegen sind wir BILD-Leser zum Glück gefeit! “Diese übertriebene moralische Empörung” findet aber nicht nur der kleine Mann, sondern auch die große und gewichtige Frau Barbara Schöneberger “lächerlich” und meint: “Man muss sich überlegen, ob man nicht die Steuergesetze ändert.”[dropdown_box]
Schlau musst du sein, dann neigen sich dir die Götter zu. Wenn z.B. Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldmann Sachs, „einer der reichsten Banker des Kontinents“ (SZ) in seiner Steuererklärung zu seinen Gunsten Dollar und Rubel verwechselt hat, statt 500 000€ nur 19 000€ Gehalt aus Russland-Geschäften angibt, dann schnalzen nicht nur die Wölfe mit der Zunge: “Donnerwetter, so ein Hoeness!”
Patrick Lindner, Freddy Quinn, Verena Poth, Boris Becker, Michael Ballack – Donnerwetter! Und dann dieser Andreas Schmid vom VIP Medienfonds: 203 Millionen Euro hinterzogene Steuern. Hut ab! Das soll ihm mal jemand nachmachen! Donnerwetter, so ein Hoeness!
Paul Krugman, der nicht im Verdacht steht, ein Linksradikaler zu sein, konstatiert nicht nur („The Undeserving Rich“) den Klassenkampf von oben, sondern setzt sich auch mit der Argumentation der – amerikanischen (?) – Rechten auseinander, nach der der Reichtum verdient sei und die Armut im Grunde auf einem intellektuellen und charakterlichen Defizit der Armen beruhe. Die Reichen seien eben aufgrund besserer Charaktereigenschaften („prudent, clean and sober“) und entsprechendem Einsatz – nein: nicht Einsatz an der Börse – zu ihrem vielen Geld gekommen. Krugman glaubt – wie kommt er darauf? -, das sei ein Mythos.[/dropdown_box]

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