Die Mittelschicht lässt nichts auf die Oberschicht kommen, außer Geld.

Die Unterschicht ist schwach und zu dick. Kein Wunder, wenn sie sich von Junk-food ernährt und es ihr gar nicht in den Sinn kommt, Johann Lafers Rezepte nachzukochen. Da fällt es schwer, auf die Straße zu gehen und gegen den sozialen Abstieg zu demonstrieren. Selbst die Wahlkabine scheint nur nach einem Marathonlauf erreichbar. Und eine Partei zu wählen, die ihre Interessen vertritt, das geht ja gar nicht. Wenigstens das hat sie gelernt; da wäre man Kommunist oder Sozi, d.h. Anhänger von sowas wie der SPD, als es die noch gab, oder gar wie der Ludwig-Erhard-Partei der 50er Jahre – die hieß damals noch irrtümlich CDU.
Und außerdem kann man ja davon träumen, eines Tages so zu leben wie die, von denen man in der „Bunten“ liest, wie z.B. der Günzel Graf von Müllhausen-Zotterburg und seine bezaubernde Gattin, Edelgard.
Nein, statt fordernd nach oben schaut man argwöhnisch nach unten: Gibt es unter den Armen welche, die einen vom vorletzten auf den letzten Rang in der sozialen Hierarchie herunterziehen könnten? Aufpassen muss man nicht auf die da oben, auch wenn sie einem die ganze Steuerlast aufbürden – das sind ja keine Konkurrenten – , sondern auf die da unten. Und darum Pegida, AfD, NPD usw.
Und die Mittelschicht, zu der angeblich 64 Prozent der Bevölkerung zählen, die aber ständig abnimmt, weil in den letzten Jahren Millionen (6 Prozent) zu den Armen der Unterschicht abgesunken sind? Auch sie leidet unter sinkenden oder stagnierenden Reallöhnen, während das große Geld sich weiter ungehindert vermehrt. Ulrike Hermann, Wirtschaftsjournalistin der taz, meint[ref]http://www.ardmediathek.de/tv/tag7/Wie-solidarisch-ist-Deutschland/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=7543394&documentId=34038786[/ref], dass die Mittelschichtler womöglich auf die Barrikaden gehen würden, wenn sie wüssten, wie sich der Reichtum dank der Wirtschaftspolitik der letzten Jahrzehnte ausschließlich weiter bei den Superreichen konzentriert, während es immer mehr von ihnen schlecht geht. Aber die Reichen sind  ja schlau und halten ihre Vermögen lieber geheim, so dass es keine Statistiken gibt über deren Reichtum. Denn wir sind Europameister im Bereich Vermögensungleichheit,[dropdown_box]so dass die Kirchen eine sozialpolitische Inventur fordern. Würde die Mittelschicht etwa böse werden, wenn sie es wüsste, oder weiter FDP wählen und auf eine Einladung zu den großartigen Gartenparties beim Grafen von Müllhausen-Zotterburg hoffen, bei denen Geld keine Rolle spielt und wo gepflegte Hecken das Gelände vor dem Anblick der Armut schützen? Nein, das ist wie beim Lottospielen: Wollte man die Hoffnung auf den Jackpot aufgeben, dann wär das Leben öd und leer. Außerdem, so fragt Timo Frasch, der bekennt, sich “ohne Arg an der Hochzeit von Kate und Prinz William” im Fernsehen zu “erfreuen”, im Magazin der FAZ: “Was ist besser? Ein paar Menschen, denen es gut geht, und der Rest, dem es schlecht geht? Oder ist es besser, wenn es allen schlecht geht?” Die Linken-Politikerin Janine Wissler antwortete ihm auf seine vertraut blöde Frage nicht, dass man mit einer Vermögensabgabe von 10%, verteilt auf zwei Jahre[ref]Das fordert die Stiftung “Vermögende für eine Vermögensabgabe”.[/ref] 150 Milliarden einnehmen und damit viele Lasten mindern könnte, die momentan der Unter- und Mittelschicht durch ihre Steuern aufgebürdet sind, sondern meint, dass es den Superreichen nicht plötzlich schlecht ginge, wenn man sie etwas weniger reich machte: “Wenn man Bill Gates 75 Milliarden wegnehmen würde, wäre er mit der verbleibenden einen Milliarde immer noch kein armer Mann. Laut Oxfam besitzen die reichsten 62 Menschen auf dieser Welt soviel wie die ärmsten 3,6 Milliarden, die Hälfte der Weltbevölkerung.” Sie nennt das “irre”, und lässt dabei völlig außer Acht, was Wolfgang Reitzle, Manager, zuletzt bei Linde, anmahnt [ref]SZ 19.5.14[/ref]: „Die große Umverteilungsmaschine, die jetzt wieder hochläuft, sollte nicht überdrehen. Die Politik sollte vielmehr darauf achten, dass sich Leistung wieder lohnt.” Deshalb darf man auch möglichst nicht auf die 250 Milliarden zugreifen, die jährlich vererbt werden. Und die obere Klasse schwebt ja auch ständig in Gefahr, dass ihr mit den Milliarden auch die Kreativität im Geldbewahren verloren gehen könnte. Denn: „Zu viele staatliche Eingriffe erzeugen ein Klima, das kreativen Menschen, die sich entfalten wollen, nicht gerade entgegenkommt.”[ref]Auf das Mauvaismot – eine Bonmot kann man  es nicht nennen, zumal es viel Unheil stiftet – Konrad Adenauers: “Alles, was Sozialisten vom Geld verstehen, ist, dass sie es von anderen haben wollen”, entgegnet sie, dass das Gegenteil richtig sei: “Reiche und Superreiche haben anderen Geld weggenommen, und jetzt geht es darum, dass die Beraubten es sich zurückholen. Niemand kommt durch seine eigene Arbeit zu einem Milliardenvermögen.” Und: “Es ist absurd: Wir haben einerseits technischen Fortschritt und wachsende Produktivität, andererseits 1,8 Milliarden Überstunden pro Jahr und die Menschen müssen immer länger arbeiten. Der Grund ist , dass der Fortschritt nicht allen zugute kommt in Form von Arbeitszeitverkürzung, sondern in den Luxus weniger fließt. Die Superreichen haben dann statt einer Yacht eben drei.”[/ref]
Ja, die Dagobert Ducks, ihnen wird es nicht über, im Geld zu schwimmen. Dabei entwickeln sie ungeheure Kreativität. Gefühle können sie sich ohnehin nicht leisten. Wo käme man da womöglich hin?! Und wenn man ihnen den Satz vorhält: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“, dann antworten sie kurz angebunden und ordinär: „Von wem kommt denn schon wieder so eine Scheiße?! Wenn das wahr wäre, dann müsste ja unsere Regierung etwas davon wissen!“
Tja, was soll man ihnen da entgegnen?[/dropdown_box]

Ein Gedanke zu „Die Mittelschicht lässt nichts auf die Oberschicht kommen, außer Geld.

  1. Ulrike Hermann ist ja wohl sowieso eine Heldin unserer Zeit. Wie sie den absichtsvoll verschwurbelten vernebelten verkomplizierten Finanzsprech auf simple bittere Basiswahrheiten einschmilzt, ist so so großartig.

    Aber was man wirklich bei bestem Willen nicht kapiert: warum zum teufel die Mehrheit weiter das Sozialistische hasst und verabscheut und fürchtet und exorziert. Ist das ein Gehirnherpes, ist das eins dieser Parasitären Viren, die ihren Wirt zum Selbstmord zwingen, um so ihr eigenes überleben zu sichern? Irgendwas im Trinkwasser? Gruselstrahlen ausm Telefon? Olympische Götter mit einem beschissenen Sinn für Humor?

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