Die Armen

Ach, was ist denn Armut?
Es war einmal ein Mädchen, das wollte „gut und gerne leben“, aber es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte.
Klarer Fall: Armut! Das würde sogar Christian „Porsche“ Lindner so nennen.
Aber was ist mit dem Mädchen, das ein Kämmerchen hat, darin zu wohnen, mit einem Bettchen, darin zu schlafen, und sogar mehrere Textilchen von Kik, dfarin in die Schule zu gehen? Ist es auch arm?
Es besteht nicht wie beim Mädchen mit den Schwefelhölzchen die Gefahr, dass es erfrieren könnte. Aber das Inkassounternehmen bedrängt die Mutter, weil die Tochter mehrmals am Schulessen teilgenommen hat, obwohl die Mutter es abgemeldet hatte, weil sie es nicht bezahlen kann. Die Mutter mag auch nicht so recht mit dem Kind schimpfen: „Pfui! Schäm dich gefälligst!“ Nicht nur das Kind, auch die Mutter mag nicht offen aussprechen, dass sie so wenig Geld hat, also – sprechen wir es aus – arm ist. Sie schämt sich.
Armut ist relativ. Wenn Bernd einen Euro mehr hat als Björn, dann ist Bernd reicher und Björn ärmer. Da kann Björn noch so reich sein.
Erwin arbeitet viel und gewissenhaft und bekommt dafür aber so wenig Geld, dass er noch einen zweiten Job benötigt, um Miete, Heizung, Strom, Kleidung, Essen usw. bezahlen zu können. Aber er geht nicht umher und tönt überall, dass er wenig Geld hat. [htsP anchor_text=”Weiterlesen”]Nein, arm will er auf keinen Fall sein. Auch die Superreichen mögen meist nicht so gerne sagen, dass sie mehrfache Millionäre sind. Sie sind dann nur gehobener Mittelstand. Die Lindner, Spahn, Merz sagen, dass Erwin sich auf keinen Fall beklagen dürfe, weil es ihm verglichen mit Verhungernden in Afrika , Asien oder Südamerika blendend gehe. Sie kennen immer jemanden, der ist noch dünner. Tatsächlich mag Erwin auch nicht laut klagen: Er will kein Mitleid – schon wegen der tüchtigen Lindner, Spahn, Merz oder eines August von Finck, des Miliardärs, der so selbstlos Geld für die Partei des kleinen Mannes, die AfD, und natürlich sämtliche FDPs abzweigt, damit sie ihm helfen, seine Milliarden zu mehren.
In den USA geht die Schere zwischen Arm und Reich noch mehr auseinander als in Deutschland. Es geht vielen richtig „dreckig“, und noch mehr leben am Abgrund. Aber die Umfragen sagen, dass sich nur 18 Prozent um Armut und soziale Ungleichheit sorgen. Der Amerikaner sind eben ein stolzes Völkchen – sie glauben vermutlich, sie wären John Wayne, auch wenn sie nur ein texanisches Klohäuschen schrubben dürfen, dessen Nutzung für Mexikaner verboten ist. In Deutschland sollen sich neuerdings laut Ipsos-Studie 49 Prozent Armut und soziale Ungleichheit sorgen, statt sich im Verdrängen zu üben. Natürlich äußern sie die Sorge nicht laut. Aber seit wann mögen sie sich solche Wahrheiten eingestehen? Was ist da plötzlich in sie gefahren?! Naja, wenigstens lassen sie sich bei den Wahlen nichts anmerken! Falls ihnen da jemand über die Schulter gucken sollte oder durch die Wand der Wahlkabine hindurch – und sei es nur der Liebe Gott -, der könnte ja böse werden.[/htsP]

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