Der Wundervogel im Merzen

Als einst der Friedrich Merz im Frühjahr durch das lichte Grün eines Buchenwaldes wandelte, da wurde ihm auf einmal so leicht und wunderlich ums Herz, dass er meinte, er könnte als ein Wundervogel (“ein Vogel von gar wunderlicher Gestalt: Ständer gleich einem Storch, Kopf und Schnabel wie ein Lämmergeier, große Fittiche wie ein Fregatvogel und ein Schwanz wie der Sekretair” 1) davonfliegen und alle seine Sorgen um das Kapital und die hohen Steuern unter sich zurücklassen.
Doch dann … geschah es wieder einmal: Ihn überkam plötzlich, völlig ungelegen ein dringendes Bedürfnis, so dass er eilends hinter einer Hecke verschwand, um sich dort zu erleichtern.
Danach aber war er wieder ganz der alte, blickte mit krauser Stirn  ernüchtert auf seine Uhr, zog sein iPhone aus der Tasche seines adretten Jackets und beorderte eines seiner Flugzeuge auf die nahe gelegene Waldwiese, damit er ja noch rechtzeitig zur nächsten Talkshow bei Markus Lanz fliegen konnte.
Die Luft aber wurde erfüllt von einem heftigen Brausen – das war das Seufzen und Jammern aller Tiere, in Wald und Flur, in Flüssen und Seen, von Hase und Igel, vom sanften Lämmergeier und dem scheuen Luchs. Ja, selbst die muntere Forelle vergoss salzige Tränen.
Und auch uns alle ergreift eine andauernde tiefe Melancholie.

  1. Heinrich Gottlob Gräve

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