Der Moderat

„Die Mitte ist nicht in der Mitte“ hatten wir einmal in einem Beitrag geschrieben (23.7.2017). Das war verwirrend. Denn es ist doch klar: Die Mitte des Universums ist die Erde, und Sonne, Mond und Sterne, überhaupt alles, dreht sich um sie bzw. um Markus Söder oder hat es gefälligst zu tun. Wenn man das weiß – und im Grunde wussten Sie es schon immer -, dann weiß man auch, wo das Universum anfängt und aufhört, dass ganz links hinten die Hölle beginnt und ein ganzes Stück weiter rechts das Paradies. Man verliert nicht den Boden unter den Füßen. Man hat einen Maßstab und daher auch gar keine Probleme mit Einordnungen wie „gemäßigt“ oder „moderat“. Wenn der Teufel nicht allzu sehr stinkt, dann ist er moderat. Kundige Journalisten lieben daher diese wertenden Stempel „gemäßigt“ bzw. „moderat“.

Sie klingen moderater als deren Antonyme „maßlos“ oder „extrem“, „radikal“. Jemanden, der in allzu kompromissloser Weise für die Demokratie eintritt oder Lügen bekämpft, kann man leider nicht moderat nennen. Wer dagegen die Menschen belügt, indem er, wie z.B. die Demokraten bei den letzten US-Wahlen, die Ergebnisse der Vorwahlen fälscht, ist moderat. Kompromisslos darf man übrigens auch schon deshalb nicht sein, weil man dann zwangsläufig Wahlen verliert. Denn die Wähler mögen das nicht. Michael Moore führt zwar in seinem Dokumentarfilm Fahrenheit 11/9 lauter Umfragen an, nach denen die US-Amerikaner u.a. für eine staatliche Krankenversicherung (70%), strengere Umweltgesetze (74%), die Aufspaltung der großen Banken (58%), Kürzung der Militärausgaben (61%), Recht auf Abtreibung (71%), gleiche Bezahlung für Frauen (82%) sind. Wenn aber jemand solche Forderungen vertritt, wie Bernie Sanders, ist er selbstverständlich – das weiß der Journalist – nicht moderat, sondern naiv. Das zeigt sich auch schon daran, dass das scheue Reh des Kapitals vor so jemandem panisch die Flucht ergreift, seine Ersparnisse großzügig den Moderaten überweist und den Medien, auf dass sie  gegen ihn Stimmung machen und drohende Steuern verhindern. Wer dagegen Vorwahlen fälscht und sich von Goldman Sachs und anderen Vertretern des großen Gelds lenken lässt, wie die Clintons, Obama, Biden, ist auf jeden Fall korrupt moderat.
Man nennt einen Gemäßigten manchmal auch Realo. Ein Realo zeichnet sich dadurch aus, dass er so kompromissbereit ist, dass ein eigener Standpunkt nicht mehr zu erkennen ist, so dass eigentlich niemand mehr etwas gegen ihn einwenden kann und er deshalb zwangsläufig alle Wahlen gewinnen muss. Wenn er dann endlich die Macht hat, dann kann er das tun, was er ursprünglich auf keinen Fall tun wollte, falls er nicht ohnehin nichts wollte außer der Macht.

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