Dem Mutigen gehört die Welt

Ist Peter Sloterdijk eigentlich der angeblich „bedeutendste Philosoph des Landes“ oder der größte Dummschwätzer?
Jedenfalls hat er – aus später Einsicht? – den guten Vorsatz gefasst, abzulassen von dem, was die meisten “Zeit”-Leser für Philosophie halten: „Ich denke seit ein paar Monaten darüber nach, die Gattung zu wechseln und nur noch erotische Romane zu produzieren.“ Denn:  “Es kann mit der Philosophie, wie sie war, so nicht weitergehen.” Und daran schließt er an: „Das wäre endlich mal was Konkretes.“ – Donnerwetter, Sloterdijk. was Konkretes!
Der traurige Abschied von tönenden Leerformeln muss allerdings – um der Reputation willen – doch etwas mit Puderzucker versüßt werden. Auf die Frage: “Wie riskant empfinden Sie es, von der Philosophie zur erotischen Literatur zu wechseln?“ antwortet er: „Ich wechsle das Fach nicht im Geringsten. Philosophie hat als Erotologie begonnen.“ Die unglaublich einfühlsame „Zeit“ nennt sein erstes erotisches Werk, das natürlich einen anspruchsvollen Titel, nämlich „Das Schelling Projekt“, tragen muss, „Pornographie“, aber „philosophische Pornographie“. Die Formulierung hätte von Slojterdijk sein können.
Sloterdijk liest viel , und so hat er einen Satz von Max Ernst gelesen und sofort mit seinem roten Textmarker hervorgehoben: „Die Nacktheit der Frau ist weiser als die Lehre des Philosophen.“ Diesen Satz von einem Dadaisten und Surrealisten, den man gerne liest als ein ästhetisches Gebilde, legt er einer seiner Figuren in den Mund und schreibt ihr als alter Philosoph, der er ist, natürlich einen ganz tiefen Sinn zu und urteilt: „Die These ist klassisch.“ Schlotterdeich, hier wieder ganz der alte Schlotter, sieht in ihm eine Rechtfertigung für den Wechsel seines Tätigkeitsfeldes (keineswegs aber des „Faches“ s.o.).
A propos These: “Die These meines Buches ist, das sich die Avantgarde der natürlichen Evolution in den Nervenenden der weiblichen Organe festgesetzt hat.”  Huch?[dropdown_box]
Man versteht so einen Satz vielleicht nicht auf Anhieb, aber gerade deshalb ist er ja philosophisch. Und Sloterdijk ist ein Mahner und Prophet, denn er hat eine ,neopuritanische Großwetterlage’ erkannt: “Ein loses Wort und schon stürzen sich die Reinen auf die Sündhaften.” Nicht jeder hat diese Großwetterlage erkannt, aber er hat sie erkannt und auch ihre Folgen ungeahnten Ausmaßes: “Die große Verliererin ist die weibliche Erotik, um von der Demokratie nicht zu reden.” Wer wie die “Süddeutsche Zeitung” spontan “Wieso?” fragt, erhält die Antwort: “Weil jede entwickelte Erotik der Mehrdeutigkeit bedarf, wie jede bessere Politik.” Na, klar! Die bedürfen aber mächtig! Das mit der Mehrdeutigkeit in der entwickelten Erotik und der Politik ahnten wir ja schon immer. Aber dass die Lage schon so verzweifelt ist … Gut, dass es mal jemand, d.h. Sloterdijk, ausspricht. Dafür sei ihm Dank!
Nun sind aber natürlich alle gespannt: Genug von der Gattung Philosophie, wie steht es denn nun mit der Gattung Erotik? Was wird er wohl Schönes geschrieben haben?
Bei Sloterdijks ,philosphischer Pornografie’ handelt es sich um einen Roman, in dem sechs Intellektuelle, die u.a. so „ulkige“ Namen tragen wie Guido Mösenlechzner, Agneta Stutensee oder Desiree zur Lippe, per e-mail die überaus interessante Hypothese diskutieren, dass der Orgasmus der Frau als Höhepunkt der Naturgeschichte zu deuten sei. Zwei von ihnen sind wahre Fachleute, denn sie haben ein Tantra Seminar besucht, geleitet von „einem magischen Luder“ mit „extraterrestrischem Lächeln“, das „auf Fotzenhimmelfahrten“ spezialisiert war.
Wir dürfen hier allerdings nicht zuviel verraten. Es soll ja noch ein wenig Spannung „auf ein paar handfeste Szenen“ bleiben.
Auf jeden Fall hat er von sich reden gemacht. Die Süddeutsche Zeitung hat ihm drei Seiten gewidmet.[ref] „Buch zwei“ SZ 17.9.16 Sämtliche Zitate sind ihr entnommen.[/ref] Die Mahnung seiner Freunde: „Man wird es unter der Rubrik Altersgeilheit abhandeln.“ hat er souverän zurückgewiesen: „Die Mutlosen sind überall präsent.“[/dropdown_box]

Ein Gedanke zu „Dem Mutigen gehört die Welt

  1. Ach nö da fällt einem und vor allem einer der Abschied schon schwer vom “Denker” Pitt, von seinem kurfürstlichen Charme, der mondänen Geste, mit der er damals ein neues Steuersystem vorschlug, in welchem der Leistungsträger in barocker Souveränität selbst über Höhe und Umfang und Ob seiner “Gaben” bestimmen wollte. Tolle Idee, toller Mann. Nun zu begrüßen als Satyr, als hedonistischer Connaisseur mit köstlichem Altherrenhumeur, das Weib und seine unlotbaren Energiekavernen feiernd und dabei schmunzelnd implizieren, dass ihm, dem subtilen Schwerenöter, empirisch schon ganz schön was rauszukitzeln gelungen sein muss. Mit knapp siebenzig gehört klappern halt zum erotischen Handwerk, mijnheer Slotterbuik

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